Fasnet in Corona-Zeiten Die Kübler aus Bad Cannstatt feiern digital

OB Frank Nopper  schaltet sich zum Küblerball dazu, den Oberkübler Steffen Kauderer und sein Vize Christian List (r.) moderieren. Foto: Screenshot Facebook/Kübelesmarkt Bad Cannstatt 4 Bilder
OB Frank Nopper schaltet sich zum Küblerball dazu, den Oberkübler Steffen Kauderer und sein Vize Christian List (r.) moderieren. Foto: Screenshot Facebook/Kübelesmarkt Bad Cannstatt

Mit einem experimentellen digitalen Küblerball trotzen die Bad Cannstatter Narren der Coronapandemie. Tausende folgen der Online-Show. Und auch der neue OB Nopper hat einen Auftritt.

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Stuttgart - Wenn der Kursaal zum Tollhaus wird, stürmt die schwäbisch-alemannische Fasnet mit dem Küblerball unerbittlich aufs Finale zu. Normalerweise. Aber was ist schon normal in diesen Zeiten. Nicht einmal die Narren können närrisch sein. Jedenfalls nicht im Kollektiv. In die Knie gehen die Kübler deshalb noch lange nicht. Zu Dreikönig hatten sie schon den Brunnengeist digital erweckt, und am Samstag haben sie den Traditionsball, der stramm aufs Hundert-Jahre-Jubiläum zuläuft, ebenfalls ins Netz befördert: per Facebook, mit sagenhaften 3927 Followern, und per Videoplattform Zoom, wo knapp eine Hundertschaft volle drei Stunden bei der Stange blieb.

OB Nopper tritt im Kübler-Ornat auf

Und schnell zeigte sich, wie närrisch dieses interaktive Medium sein kann: Im verwaisten Küblerhaus war ein Studio platziert, in dem Steffen Kauderer und Christian List, der Oberkübler und sein Vize, als Moderatoren alle Hände voll zu tun hatten, um die Sache in Schwung zu bringen. Auch bei den Fasnetssolisten zu Hause wurde eifrig improvisiert, was per Bild und offenen Mikros leicht zu verfolgen war: „Wie mache ich die Kamera aus? Kann Heidi bitte stumm geschaltet werden?“ Lustig findet das im Chat noch wer, als die auch sonst inspiriert agierenden Moderatoren darum flehen, doch die Mikrofone auszuschalten. Als das Duo sich dann selbst stumm schaltet, meldet Steffi, wie man sich bei ihr zu Hause trösten will: „Dann trinken wir mal ein Schnäpsle.“ Eine Nachricht, auf die rasch weitere wärmende Getränke reingeschoben werden, je nach häuslichem Vorrat.

Sukzessive aber ruckelt sich das zurecht – und so entwickelt die digitale Show, von nostalgischen Einspielern quer durch die lokale Narrenhistorie beflügelt, einen Flow, der das Interesse dauerhaft wachhält. Etwa ab dem Punkt, als „der neue OB aus unserem Nachbarort, aus Stuttgart bei Cannstatt“, zugeschaltet wird. Schon sein Erscheinen im Kübler-Ornat ist ein Volltreffer, und als er versichert: „Wir brauchen Bräuche mehr denn je, denn Brauchtum verbindet“, fühlt sich das Netz nun sicher verknüpft: Die „Nopper-Nummer“ erntet ordentlich Beifall, was nicht jedes Grußwort und jeder Einspieler schafft.

Buchstäblich von den Socken aber sind die „Cannstatter Jungfrauen“ mit „Hacke-Spitze eins, zwei, drei“! Eine prickelnde Narretei, die ihnen selbst ein wenig unheimlich wird: „Passet aufs Rösle auf! Achte auf Agathe!“ Die Felben rappen sich den Coronafrust aus dem Fleckenkleidle, die Garde tiktokt bis zur Klopapier-Challenge – und sowieso eine Nummer für sich ist der Sauerwasser-Schultes Max der Löffler himself! Und die Kübler-Hymne gibt’s dazu in dreierlei Varianten.




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