Fasnet in Stuttgart Narren setzen den Schultes ab

Die Kübler stürmen das historische Rathaus und holen Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler (Mitte) heraus. Foto: Lichtgut//Zophia Ewska

Die Kübler haben einen Narrenbaum gesetzt, das historische Rathaus gestürmt und Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler des Amtes enthoben – bis Aschermittwoch.

Lokales: Iris Frey (if)

Da soll er doch dichten, so lang und viel wie er mag, der Bezirksvorsteher. Während Bernd-Marcel Löffler am Mittag noch beim Närrischen Wochenmarkt den Besuchern von der Fasnet als der schönsten Jahreszeit dichterisch vorgeschwärmt hat, wurde es am Abend für den Schultes ernst. Auch in Reimform. Da flogen die Verse flott und manchmal auch zu flott im Eifer des Wortgefechts hin und her, sodass die Narrenschar nur so ihre Freude hatte.

 

Spielmannszug und Fanfarenbläser kamen mit dem Narrenbaum

Doch bevor es soweit war, mussten die Kübler noch einige Vorbereitungen treffen. Seile legen, etwa auch aus dem Dach der Stadtkirche und Absperrungen machen, damit die Narren des Kübelesmarktes samt Büttel Wolfgang Pfeffer mit dem Narrenbaum genug Platz hatten für ihre Aktionen. Schon von weitem waren sie in der Marktstraße zu hören: der Spielmannszug mit Fanfarenbläsern der Kübler. Dann der Wagen mit dem Narrenbaum und die Felben, die laut rätschend vors historische Rathaus zogen unter dem Beifall der Zuschauer.

Eine 200 Kilo schwere Tanne aus Fellbach aufgerichtet

Mit vereinter Kraft und viel Geschick ging es nun darum, den Narrenbaum vor das Rathaus zu setzen. Kein leichtes Unterfangen. Oberkübler Steffen Kauderer erklärte, warum: So wog der neue Narrenbaum, eine 13,50 Meter lange Tanne aus Fellbach, rund 200 Kilo. Die Zimmerer-Innung Stuttgart half mit.

Die Kübler setzen den Narrenbaum vor das Rathaus. Foto: Zophia Ewska

Längst dämmerte der Himmel, als Narren und Handwerker gemeinsam begannen, den riesigen, weiß gestrichenen Tannenbaum mit den Narren-Tafeln aufzurichten und dann in die Hülse vor dem Rathaus zu setzen. Die Spannung stieg. Immer wieder Trommelwirbel, Pausen und närrische Klänge. Kurz nach 18 Uhr war es geschafft: Der Baum stand, die Narrenschar freute sich.

Schokogoldtaler und „Falsche Fuffziger“ für die Narrenschar

Noch einmal gab es Tanzeinlagen der Felben, der Küblersterne und einer Gruppe singender Cannstatter Jungfrauen, bevor der Schultes mit lauten Rufen herausgebeten wurde. Der weigerte sich zuerst. Auch der Ratsbeschluss für ein Fasnetsverbot wurde mit lauten Buh-Rufen der Narren vor dem Rathaus quittiert. Der Schultes hatte keine Chance. Am Ende siegten die Kübler. Sie versprachen den Bürgern, dass bis Aschermittwoch die Steuern abgeschafft werden und übernahmen die Regentschaft. Ganz einfach: Mit dem Rammbock ging die Rathaustür problemlos auf.

Mit dem Rammbock ging die Rathaustür problemlos auf. Foto: Zophia Ewska

Die Narren holten den Schultes heraus. Der kapitulierte und verteilte unter Böllerschüssen den Inhalt der Stadtkasse an die Bürger: Schokogoldtaler und „Falsche Fuffziger“. Am Ende kam es zum versöhnlichen Rohrtrunk der Kübler. Damit war der Weg frei für das weitere Feiern der Fasnet mit anschließendem Kübelesrennen auf dem Marktplatz und viel buntem Narri Narro in den Gassen der Cannstatter Altstadt.

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