Stuttgarter Muslime begehen Fastenmonat Ramadankalender und Glaubensquiz – Familie El-Shahat feiert Ramadan

Manal El-Shahat bezeichnet sich als „sehr religiös und weltoffen“. Foto: privat/Ahmed Hossam

Am 10. März beginnt der Fastenmonat der Muslime. Eine Stuttgarterin erzählt, welche Bräuche es in ihrer Familie im Ramadan gibt und worauf sich ihre Kinder in den 30 Tagen freuen können.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Für Manal El-Shahat ist der Ramadan die schönste Zeit des Jahres. Nicht nur, weil es eine Zeit der inneren Einkehr und der persönlichen Läuterung ist. Der vollständige Verzicht auf Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang soll die Gläubigen Gott näherbringen. Sondern auch, weil jeden Abend die Familie zum Fastenbrechen zusammenkommt. Manchmal sind noch Freunde dabei. „Ramadan ist großzügig, es wird Essen für alle gekocht“, sagt die 49-jährige promovierte Naturwissenschaftlerin. Sie hat ägyptische Wurzeln und lebt seit 23 Jahren in Deutschland, hier kamen ihre beiden Kinder zur Welt.

 

Manal El-Shahat bezeichnet sich und ihre Familie als „sehr religiös“. Ihre beiden Söhne hätten bereits früh mit dem Fasten begonnen – freiwillig, wie sie betont. Das habe damals schon zu Nachfragen geführt, räumt sie ein, aber sie habe ihren Nachwuchs nie zu etwas gezwungen. Fragen zum Ramadan von Freunden und Bekannten gibt es jedes Jahr aufs Neue. „Und oft höre ich dieselben. Zum Beispiel: Auch kein Wasser?“, sagt die Stuttgarterin und lacht. In der Regel falle ihr das Fasten nicht schwer – auch wenn die Zeit mal in den Sommer falle, wo die Tage lang und die Temperaturen hoch sind. Nur ihr erstes Fasten in Deutschland sei hart gewesen. Damals fiel der Ramadan in den November. Das ist eigentlich günstig, weil die Tage kurz sind. „Aber die Atmosphäre war schwierig. Es war grau und kalt. Das war neu für mich. Ich kam ja aus einem Land, in dem die Sonne scheint“, erinnert sich Manal El-Shahat.

Warum Ramadan im Sommer und im Winter sein kann

Da der Ramadan dem kürzeren islamischen Mondjahr folgt, verschiebt er sich jedes Jahr um zehn bis elf Tage durch das Sonnenjahr und die Jahreszeiten zurück, er kann also im Sommer oder im Winter sein. Er beginnt mit dem Sichtbarwerden der Mondsichel nach dem Neumond, in diesem Jahr ist das der 10. März, und dauert 29 oder 30 Tage.

Für diese Zeit gibt es mittlerweile sogar Ramadankalender. Sie sehen aus wie Adventskalender, nur eben mit 30 Türchen oder Säckchen. Für manch einen mag es eine Kommerzialisierung sein, für Manal El-Shahat ist es „modern“. Sie habe in Ägypten einen Kalender gekauft. Die Täschchen fülle sie mit Datteln, mit denen traditionell jeden Abend das Fastenbrechen beginnt.

Eine frisch gebügelte Geldnote zum Zuckerfest

In ihrer Familie gibt es aber noch einen besonderen Brauch. „Wir machen immer noch ein Quiz“, sagt sie. So sollen die Kinder mehr über den Glauben lernen, und obendrein mache es Spaß. Die Karten mit den Fragen befinden sich ebenfalls im Ramadankalender. Das letzte Täschchen, das beim Zuckerfest geöffnet wird, ist zusätzlich mit etwas Geld gefüllt. Diesen Brauch kennt Manal El-Shahat auch aus ihrer Kindheit, als es noch keine Ramadankalender gab. „Damals hat mir mein Opa immer ein kleines Tütchen mit Bonbons und einem Geldschein gegeben“, erinnert sich die gebürtige Ägypterin. Es sei eine 1-Pfund-Note gewesen, die praktisch nichts wert sei. Doch der Opa habe sie direkt von der Bank geholt. Es sei ein neuer, glatt gebügelter Schein gewesen, und manchmal habe er darauf unterschrieben. „Ich habe einige dieser Scheine aufgehoben. Sie haben für mich einen hohen symbolischen Wert“, sagt Manal El-Shahat.

Seit einigen Jahren schmückt sie auch die Wohnung für Ramadan, zum Beispiel mit Lichterketten, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen. In der Regel arbeite sie im der Zeit etwas weniger, weil in der Nacht gebetet und gegessen werde. Der Höhepunkt sei das Zuckerfest am letzten Tag – obgleich es die Bezeichnung „Zuckerfest“ in ihrer Heimat nicht gebe. „An diesem Tag sollen alle lachen und glücklich sein. Es geht darum, Lust am Leben zu haben“, sagt sie.

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