Fastenzeit im Kreis Esslingen Das bringt das Fasten mit Säften wirklich
Drei Tage lang nur Saft trinken und keine feste Nahrung zu sich nehmen – für viele eine Herausforderung. Doch was bringt das Saftfasten für den Körper wirklich?
Drei Tage lang nur Saft trinken und keine feste Nahrung zu sich nehmen – für viele eine Herausforderung. Doch was bringt das Saftfasten für den Körper wirklich?
Die traditionelle Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern hat begonnen. Eine der vielen Fastenmethoden, um den Körper zu entgiften, ist die Saftkur. Orange, grün, rot oder gelb – die Säfte, die zubereitet werden, sehen zumindest farblich ansprechend aus und versprechen überdies eine Extraportion Gesundheit. Ein Selbstversuch zeigt, dass Wille und Durchhaltevermögen notwendig sind. Gerlinde Steffan, Fachkraft für Ernährung der AOK Neckar-Fils, klärt auf, welchen Nutzen das Saftfasten wirklich für den Körper hat.
Vor allem die beiden Aspekte, dass das Fasten mit Säften den Körper entgiften, reinigen und das Immunsystem durch die erhöhte Zufuhr von Vitaminen sowie Antioxidantien stärken soll, ließen den Entschluss reifen, selbst mal eine dreitägige Saftkur auszuprobieren. Für Fortgeschrittene sei indes eine Dauer von fünf bis sieben Tagen optimal, sagt die Ernährungsexpertin. Eine mögliche Gewichtsabnahme sei dabei ein positiver Nebeneffekt. Weniger günstig war freilich die Idee, sich am Abend davor noch mit einer Pizza für die anstehenden Entbehrungen zu belohnen. „Man sollte einen Tag zuvor nichts Üppiges mehr essen und lediglich leichte kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.“ So seien etwa Haferflocken mit Obst oder eine Gemüsesuppe geeignet. Ebenso könne man Sauerkrautsaft zur Darmentleerung trinken, wodurch die Verdauung in Schwung gebracht und der Körper auf das Fasten vorbereitet werde. Zurückhaltung sei auch am Ende der Fastentage angesagt. Nach dem Fastenbrechen sollte man sich die darauffolgenden Tage nur mit leichter Kost ernähren und die Mahlzeiten langsam steigern.
Mit Zurückhaltung schon beim Einstieg wären dem Saftfaster im Selbstversuch wohl auch die Kopfschmerzen und ein ständiges Müdigkeitsgefühl erspart geblieben, die sich am zweiten Tag einstellten. „Unter anderem können Kopfschmerzen vom Koffeinentzug durch den fehlenden Kaffee kommen, und da der Körper nicht so viel Energie bekommt wie sonst, kann ein Schwächegefühl eintreten“, klärt die Expertin auf. Frieren und Übelkeit seien weitere Nebenwirkungen, die während des Fastens auftreten können.
Als Kaffee-Alternative und morgendlicher Muntermacher kam beim Selbstversuch ein orangefarbenen Saft aus Karotten, Ingwer und Orange, der für eine gute Durchblutung sorgen soll, zum Einsatz. Mit am überraschendsten war die Erfahrung, dass sich trotz des missglückten Einstiegs und fehlender fester Nahrung während der Saftfastentage kein wirkliches Hungergefühl einstellte. Vier Gläser Saft sollte man pro Tag allerdings schon zu sich nehmen – plus Wasser und Tee.
„Es ist wichtig, dass man die Säfte selber macht und wegen des darin enthaltenen Zuckers keine Fruchtsaftgetränke nimmt und dabei mehr Gemüse- als Obstsäfte trinkt“, erklärt die Ernährungsberaterin. Doch was bringt eine solche Saftkur wirklich? „Wissenschaftlich gesehen gibt es keine nachgewiesenen Vorteile, die Erfahrungswerte dieser Fastenart sind individuell“, sagt Steffan, die zudem auf den gefürchteten Jo-Jo-Effekt hinweist, also das Phänomen, dass die Gewichtsreduktion nur kurzfristiger Natur ist und nach Beendigung der Diät häufig das Körpergewicht wieder rasch zunimmt. „Als Einstieg in bessere Essgewohnheiten ist das Saftfasten aber durchaus eine gute Option und durchbricht das Gedankengut des täglichen Konsums“, so Gerlinde Steffan.