FC Bayern holt Meistertitel Der Münchner Meistermacher

Höhenflug im Stadion: die Spieler lassen  Jupp Heynckes hochleben. Foto: pa 16 Bilder
Höhenflug im Stadion: die Spieler lassen Jupp Heynckes hochleben. Foto: pa

Der FC Bayern holt sich in Rekordgeschwindigkeit den Titel und huldigt Jupp Heynckes, dem Trainer im hochtourigen Auslaufmodus.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Mirko Weber (miw)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

München - Und jetzt fliegt er doch, Jupp Heynckes. Zwei, drei Mal lassen ihn seine Spieler hochleben als Deutschen Fußballmeistertrainer in Frankfurt am Samstag um kurz nach halb sechs Uhr und fünf Spieltage vor der Zeit, dann setzten sie ihn am Boden ab, vorsichtig, rücksichtsvoll, ehrerbietig. Wie eine Porzellanfigur: Heynckes ist kein junger Mann mehr und hat zwei kaputte Knie. Er geht dann selber über zu ein paar seltsamen Rütteltänzen im Stehen mit einzelnen Spielern.

Viel Zeit haben die Bayern nicht zum Freuen oder wollen oder dürfen sie nicht haben. Der Sportdirektor Mathias Sammer hat gesagt, um 18 Uhr sei Schluss mit lustig. Daraufhin hat der Kapitän Philipp Lahm gekontert, das „eine oder andere Bier“ werde dran glauben müssen. Dann geht aber auch bald das Flugzeug heim, als die Bayern ankommen, ist alles grau im Erdinger Moos. Die Spieler steigen in die Autos, von der Nacht verschluckt, weg sind sie, es wird nur im kleinen Kreis noch angestoßen. Um zehn Uhr am Sonntag ist Training, am Dienstag fliegen sie in der Früh nach Turin, weiter, weiter, immer weiter.Und nun wäre also doch fast alles ungefähr genauso wie vor dreißig Jahren, als Paul Breitner, frisch gebackener Meister damals vier Spieltage vor Saisonschluss mit dem FC Bayern, befand, „ein Scheißverein“ sei das, da werde noch nicht mal richtig gefeiert. Oder nicht?

Champagner im Entmüdungsbecken

Breitner hat damals im Olympiastadion im Restaurant angerufen und ein paar Flaschen Champagner ans Entmüdungsbecken bestellt. Da lagen dann Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Breitner eben und der Trainer Udo Lattek drin (es gibt ein paar legendäre Nacktfotos), was aus zweierlei Gründen interessant ist. Man sieht, dass es beim FC Bayern, nach Mordsmännerkrächen zwar, aber immerhin, eine personelle Kontinuität gibt wie bei keinem anderen Verein in Deutschland: Uli Hoeneß, klar, ist mittlerweile der Präsident und der FC Bayern schlechthin. Beckenbauer war es, beides. Und Beckenbauer ist Beckenbauer. Breitner, ehemals abtrünnig und ein Sturkopf sowieso, arbeitet als Hohepriester in der Halbzeitpausenunterhaltung bei Heimspielen und als Scout für den FC Bayern – sein Sohn redigiert das Stadionmagazin. Udo Lattek ist von Köln aus eher spirituell dabei. Aber halt auch immer Oberbayer, wenn’s drauf ankommt.

Moderates Feiern, wie das heute heißt, hat den Bayern damals im Übrigen geholfen. In der Saison drauf fingen sie an mit dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister, was heute Champions League heißt. Den holten sie dreimal, hintereinander, aber noch mal zurück.

Frankfurt am Main also, und an kaum eine deutsche Stadt dürfte Jupp Heynckes, der Bayern-Trainer im hochtourigen Auslaufmodus, zwiespältigere Erinnerungen haben, professionell gesehen. Vor Ort wurde er 1971 zum zweiten Mal hintereinander – ein Novum damals – mit Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister. Das war in dieser Saison, als daheim am Bökelberg ein ganzes Tor umgefallen ist beim Spiel gegen Bremen. „Morsches Holz“, sagte der Platzwart über den kaputten Pfosten, woraufhin alle in die Kabine trotteten und dachten, dann würde man wohl erneut spielen müssen. Das DFB-Schiedsgericht allerdings erkannte auf Schlamperei und gab die Siegpunkte den Werderanern, zwei waren das damals noch. Den Frühling über lief Gladbach diesen Zählern hinterher, allen voran Jupp Heynckes, Tor um Tor, bis zum letzten Spieltag, an dem die Bayern, der ewige Konkurrent in den Siebzigern, in Duisburg verlor, während Gladbach gegen die Eintracht 4:1 gewann.

Ein Abgang ohne Abfindung

Über zwanzig Jahre später ist Heynckes als Trainer aus Bilbao nach Frankfurt zurückgekommen. Da war er weniger glücklich, legte sich mit den Vereinsgötzen Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Maurizio Gaudino an – und gab nach nicht mal einer Saison entnervt von zu viel Disziplinlosigkeit auf, ohne Abfindung.

Heynckes halt.




Unsere Empfehlung für Sie