FDP-Kritik an Schule ohne Noten Ein Rektor schämt sich für seine Partei
Um den Modellversuch „Schule ohne Noten“ zu kritisieren, geht die FDP-Landtagsfraktion in die Vollen – und erntet in den eigenen Reihen ein verheerendes Echo.
Um den Modellversuch „Schule ohne Noten“ zu kritisieren, geht die FDP-Landtagsfraktion in die Vollen – und erntet in den eigenen Reihen ein verheerendes Echo.
Hefte raus! Heute lernen wir zwei Fremdwörter: extrinsisch und intrinsisch. Bezogen auf die Schule bedeutet das: Wir lernen nur für gute Noten (extrinsisch); oder wir lernen, weil es uns wirklich interessiert (intrinsisch).
Was nachhaltiger wirkt, ist klar. Die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat deshalb die Neuauflage eines Modellversuchs initiiert. „Schule ohne Noten“ heißt der griffige Titel des Projekts, unter dem 39 Grundschulen im Land nun auch in den Klassen drei und vier die Ziffernnoten abschaffen. Ersetzt werden sollen sie „lernförderlich“ durch regelmäßige Gespräche und schriftliche Beurteilungen.
Für die FDP-Fraktion im Landtag ist das ein „völlig falsches Signal“. Man solle den Schülern „über Hürden helfen, statt sie wegzuräumen“, sagt ihr bildungspolitischer Sprecher Timm Kern. Das Ganze sei „ideologiegetrieben“, die Ministerin „ahnungslos“.
Doch der ehemalige Gymnasiallehrer erntet Widerspruch. Die Kritik treffe die Sache überhaupt nicht, sagt Kai Buschmann, Leiter der Waldschule in Degerloch. „Durch die Notengebung wird sehr wohl an der Grundschule die extrinsische Motivation des Lernens eingeübt.“ Das führe später zum „bulimischen“ Lernen: Reinpauken, Ausspeien, Vergessen.
Pikant ist: Buschmann ist selbst Liberaler und Chef der FDP-Regionalfraktion. „Ich schäme mich, was ich alles Unqualifiziertes von Parteifreunden zu diesem Thema lesen muss“, sagt er. Seine Privatschule praktiziert im Grundschulbereich das Konzept längst. Vor einem Jahr hatte er die Landtagsfraktion zu Gast. „Damals hatte ich eine interessierte und positive Reaktion wahrgenommen“, erinnert sich Buschmann. Kritisiert Kern gar nicht aus liberaler Überzeugung, sondern weil er auf billigen Beifall hofft? Wäre es so, könnte man auch das wohl „extrinsisch“ nennen.