Strassacker bezog sich dabei auf die Entscheidung der Aichelberger im Mai, einem 13 Hektar großen Gewerbegebiet, das mehrere Kommunen gemeinsam entwickeln wollten, eine Abfuhr zu erteilen. Und das war nicht der erste derartige Fall: Auch im Lautertal bei Donzdorf und im Mittleren Filstal zwischen Uhingen und Ebersbach lehnten die Bürger große Gewerbegebiete ab. Der Vorschlag von Bezirkspräsidentin Edith Strassacker: Da die Gemeindeordnung eine Bindungsfrist von Bürgerentscheiden von drei Jahren vorsehe, wolle man auf die Bürgermeister zugehen, um die Chancen eines erneuten Anlaufs auszuloten. „Sollten wir es nicht auf kommunalpolitischer Ebene wagen, bei veränderten Rahmenbedingungen und neuen Konzepten die Menschen in einem neuen Anlauf zu überzeugen?“, fragt Edith Strassacker.
Eine Fläche von 50 Fußballfeldern
Einer der Adressaten des Vorstoßes wäre Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle. In der Lautertalstadt schmetterten die Bürger vor zweieinhalb Jahren ein interkommunales Gewerbegebiet, das etwa die Fläche von 50 Fußballfeldern hätte haben sollen, ab. Doch auch wenn in Donzdorf die Bindungsfrist bald ausläuft, ist Stölzle sehr skeptisch, das Verfahren einfach neu aufzurollen. Die Ablehnung von zwei Dritteln der Abstimmenden habe gezeigt, dass die Strategie, große Flächen vorzuhalten, um bei Anfragen aus der Wirtschaft schnell reagieren zu können, von der Bevölkerung offensichtlich nicht nachvollzogen wird. „Eine Neuauflage wäre da kein richtungsweisender Weg“, sagt Stölzle.
Stattdessen müsse man „planerisch umdenken“. Das tue die Stadt nun auch seit eineinhalb Jahren. Denn es sei auch kein Zustand, dass sie ansiedlungswilligen Firmen überhaupt keine Perspektive auf kommunale Flächen bieten könne. Stattdessen werde man auf die Innenentwicklung und kleinere Einheiten von etwa drei oder vier Hektar blicken. Dafür werde die Stadt Donzdorf auch nach der Sommerpause den Prozess „intensiv angehen“. Der Bürgermeister glaubt, dass es dafür auch Konsens geben könne. Mit kleineren und konkreteren Projekten ließen sich „die Erfordernisse der Wirtschaft und der Wille der Bürgerschaft besser unter einen Hut bringen“, hofft Martin Stölzle.
Änderung des Flächennutzungsplanes ein „großes Unterfangen“
Auch in Uhingen ist der „Gewerbepark Fils“ am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Das Areal mit 13 Hektar Fläche bekam bereits im Januar 2020 eine deutliche Abfuhr. Die Bindungsfrist von drei Jahren ist hier also bereits abgelaufen. Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger war am Dienstag für eine Stellungnahme zu dem IHK-Vorschlag nicht zu erreichen. Doch auch sein Kollege Eberhard Keller aus der Nachbarstadt Ebersbach ist vom damaligen Uhinger Votum betroffen. Die Stadt Ebersbach erwägt seither einen Alleingang in der Strut, braucht dafür aber nach wie vor eine Änderung des Flächennutzungsplanes, was ein „großes Unterfangen“ sei, meint Keller. Auch in Ebersbach habe sich deshalb die Reihenfolge geändert, mit der die Stadt Gewerbeflächen schaffen wolle, erzählt der Bürgermeister. Zunächst werde man im Bereich des ehemaligen Südrad-Parkplatzes ein bestehendes Gewerbeareal angehen, auch dies natürlich mit einer deutlich reduzierten Größenordnung von drei bis vier Hektar.
Letztlich, da sind sich die Bürgermeister im Landkreis Göppingen einig, gehe es der IHK-Bezirkskammer-Präsidentin ja um die Zukunft der Wirtschaft im ganzen Landkreis. Und in diesem Sinne ziehe man natürlich an einem Strang bei dem Ziel, trotz ablehnender Bürgerentscheide weiterhin Entwicklungspotenziale zu entwickeln.
Drei Beispiele für durchgefallene Gewerbegebiete
Uhingen
In Uhingen stimmten die Bürger im Januar 2020 über das gemeinsam mit Ebersbach angepeilte, 13 Hektar große Gewerbegebiet Strut ab. 73 Prozent derjenigen, die abstimmten, sagten: Nein. Der Verband ist inzwischen aufgelöst.
Donzdorf
Im Februar 2021 lehnten die Donzdorfer mit Zwei-Drittel-Mehrheit den geplanten, 28 Hektar großen Gewerbepark Lauteral ab, den die Stadt gemeinsam mit den Partnern aus Süßen, Lauterstein und Gingen angepeilt hatte.
Aichelberg
Recht frisch ist das Aus für einen Gewerbepark der Gemeinden Zell, Aichelberg, Hattenhofen, Gammelshausen und Dürnau an der A8. Die Aichelberger lehnten im Mai ab. Die Region legte den Gewerbeschwerpunkt ad acta.