Feierlichkeiten zum 9. November Zum Mauerfall in Berlin

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Am 9. November wird die Welt wieder nach Berlin schauen. Dorthin, wo Geschichte geschrieben wurde. Hunderttausende Menschen werden erwartet, den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern. Ein Überblick.

1989: Menschen erobern sich ihr Berlin  vor dem Brandenburger Tor zurück. Foto: AP
1989: Menschen erobern sich ihr Berlin vor dem Brandenburger Tor zurück. Foto: AP

Berlin - Es gibt Prognosen, die mit null Risiko behaftet sind – so wird Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, mit einer Einschätzung aus seiner Regierungszeit auf jeden Fall recht behalten: „Die Welt schaut am 9. November wieder auf Berlin.“ Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls werden Hunderttausende Touristen und Besucher in der Hauptstadt erwartet, vor allem aber werden die Bilder dieses Tages rund um die Erde zu Millionen Zuschauern am Fernseher oder im Internet gehen.

Und so ist es kein Wunder, dass der Höhepunkt des Festwochenendes ein visuell fassbarer sein soll: Eine Lichtinstallation mit mehr als 8000 weiß leuchtenden Ballons wird auf einer Länge von 15 Kilometern den ehe­maligen Grenzverlauf mitten durch Berlin nachzeichnen und an die friedliche Revolution erinnern. Am Abend des 9.  November, zu dem Zeitpunkt, als sich die Grenze vor 25 Jahren ­öffnete, sollen die Ballons als optischer und emotionaler Höhepunkt von ihren Stelen gelöst werden und in den Berliner Nachthimmel aufsteigen.

Michail Gorbatschow kommt auch zur Feier

Tagsüber sind die Möglichkeiten zu gedenken und zu feiern in Berlin praktisch grenzenlos. Beim offiziellen Gedenkakt der Bundesregierung am Vormittag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit anderen Spitzenpolitikern Kränze an der Gedenkstätte Bernauer Straße niederlegen. Anschließend wird sie die aufwendig neu konzipierte Dauerausstellung im Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße eröffnen. Das Dokumentationszentrum wird am Nachmittag auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das offizielle Berlin feiert dann mit einem Gedenkakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, dessen Hauptredner der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sein wird. Zu der Feier werden auch der ehemalige Staats- und Parteichef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, und der Gründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walensa, erwartet.Währenddessen gibt die Bundesregierung ein Bürgerfest am Brandenburger Tor. Die Kunstinstallation „Lichtgrenze“ wird aber auch das ganze Wochenende den Kern der Gedenkfeiern bilden: Bereits vom Abend des 7. November an wird das Lichtband zwischen der Bornholmer Straße – dem Ort, an dem der erste Schlagbaum sich öffnete – und der Warschauer Brücke illuminiert sein.

Noch unveröffentlichtes Filmmaterial aus der Zeit der deutschen Teilung wird gezeigt

Die Strecke des Mauerverlaufs soll für ein Wochenende mit einer riesigen Freiluftausstellung einen Spaziergang durch die Geschichte ermöglichen: Entlang der Lichtgrenze wird alle 150 Meter eine Art Schautafel stehen, auf der die Ereignisse des Wendeherbstes nicht nur an den großen, eher offiziellen Schauplätzen beleuchtet werden, sondern auch persönliche Erzählungen und kleine Randereignisse die Geschichte von 40 Jahren Teilung und friedlicher Revolution erfahrbar machen. Auf diese Weise solle, so die Ausstellungsmacher, sinnlich erfahrbar werden, welch schmerzhaften Einschnitt der Mauerbau für die Stadt und die Menschen dargestellt habe. Mit den Ausstellungstafeln solle eine „Gedächtnislandschaft“ aus historischen Ereignissen und persönlichen Erinnerungen entstehen. An mehreren sogenannten Publikumsorten wie dem Brandenburger Tor oder dem Checkpoint Charlie werden auf Großleinwänden Filmcollagen aus teils noch unveröffentlichtem Filmmaterial aus der Zeit der deutschen Teilung gezeigt. Auf einem Podium an der Mauergedenkstätte kommen Zeitzeugen zu Wort, in der Kapelle der Versöhnung auf dem Mauerstreifen werden Lesungen und Konzerte veranstaltet. Wie schon bei den Feierlichkeiten vor fünf Jahren soll es auch diesmal für Bürger aus dem ganzen Land möglich sein, sich an dem Kunstprojekt entlang des Mauerverlaufs zu beteiligen. Damals hatten überdimensionale Dominosteine die Grenze markiert, die Steine wurden von Schulklassen oder Vereinen aus dem ganzen Land gestaltet und nach Berlin gebracht. Diesmal werden Paten für die 8000 Ballons gesucht. Wer ausgewählt wird, kann seinen Ballon am Abend des 9. November nach einem genauen Zeitplan von der Befestigungsstele lösen, in den Himmel steigen lassen und ihm eine Botschaft mitgeben – als Paten können sich Vereine und Initiativen, aber auch Einzelpersonen bewerben.

Allein 3000 Paten stellen bereits Schulen, Einrichtungen oder Gemeinden der evangelischen Kirche, die einer der wichtigen Akteure der friedlichen Revolution war. Darunter sind zum Beispiel Konfirmanden des Jahrgangs 1999 und die Diakonissen, deren Mutterhaus direkt an der innerstädtischen Mauer lag. Über die Internetpräsenz www.fallofthewall25.com kann man sich als Pate bewerben.

Jeder kann seine Geschichte zum Mauerfall erzählen und teilen

Darüber hinaus kann jeder, der möchte, bis zum 9. November seine persönliche Botschaft öffentlich machen oder seine Geschichte zum Mauerfall erzählen. Das soziale Netzwerk Facebook bewirbt die Aktion international. Die Idee zur Lichtgrenze aus Leuchtballons stammt von den Brüdern Christopher und Marc Bauder, einem Medienkünstler und einem Filmregisseur. Wichtigster Partner des Projekts ist die Robert-Havemann-Gesellschaft, die 2009 auf dem Alexanderplatz eine große Open-Air-Ausstellung zur Revolution konzipiert hatte. Das Vorhaben wird in Höhe von 1,9 Millionen Euro von der Lottostiftung gefördert.

Zusätzlich zum offiziellen Programm wird das ganze Wochenende über in der kompletten Stadt mit Diskussionen, Gottesdiensten, Lesungen, Filmen und Konzerten des Mauerfalls gedacht – dazu gibt es im Netz eine eigene Datenbank ( http://mauer.visitberlin.de). Mit sehr prominenter Besetzung feiert das Berliner Ensemble am Samstagabend: Unter dem Motto „Nehmt euch die Freiheit, sonst kommt sie nie!“ gibt dort Wolf Biermann ein Konzert – das Grußwort dazu spricht die Bundeskanzlerin.

 

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