Feinkost in Zeiten von Corona „Man sieht sehr viele neue Gesichter“

Von Michael Weier 

Feinkost in der Krise? Sparen da die Menschen nicht? Bei Feinkost Böhm gingen die Umsätze beim Fleisch und beim Fisch sogar nach oben, die Kundschaft gönnt sich gerade in Zeiten der Einschränkungen beim Essen offenbar Besseres. Die Geschäftsführer Kamal Ismail und Patrick Höhn im Interview.

Kamal Ismaiel (links) und Patrick Höhn: Zufrieden mit der Entwicklung Foto: Weier
Kamal Ismaiel (links) und Patrick Höhn: Zufrieden mit der Entwicklung Foto: Weier
Stuttgart - – Wenn sich eine Wirtschaftskrise andeutet, sparen die Menschen bei den Lebensmitteln? Sollte man meinen, ist aber falsch. Zumindest merkt Feinkost Böhm nichts davon, die Stuttgarter kaufen eher mehr ein, kompensieren fehlende Restaurantbesuche und ausgefallenen Urlaub mit qualitätsvollen Produkten in der eigenen Küche.

Herr Höhn, Herr Ismaiel, wenn Corona die Menschen verunsichert und eine Wirtschaftskrise droht, dann sparen die Menschen doch sicher auch bei den Lebensmitteln und kaufen nicht bei Feinkost Böhm?

Ismaiel: Doch. Wir hatten nie einen Einbruch.

Höhn: Wir hatten natürlich wie viele andere Pech, dass die Gastronomie zumachen musste. Aber dafür ist während der Corona-Krise der Lieferservice explodiert.

Obwohl sie doch etwas teurer sind?

Ismaiel: Das ist nicht der Fall! Wir sind nicht teuer, wir bieten nur eine ganz besondere Qualität an Produkten.

Und die gönnen sich die Stuttgarter?

Höhn: Wir haben auch viele Gerichte schon vorbereitet geliefert, das lief sehr gut. Inzwischen haben wir immer noch vor allem beim Fisch und beim Fleisch ordentliche Zuwächse Ich denke schon, dass viele Menschen sich gesagt haben, jetzt, wo wir nicht mehr ins Restaurant können, wollen wir zu Hause etwas Qualitätsvolleres kochen. Auf den Urlaub verzichten auch viele, da will man sich vielleicht mal besondere Lebensmittel gönnen.

Und mit ihrem Lieferservice fahren sie dann in die Halbhöhenlagen der Stadt?

Ismaiel: Natürlich. Aber von den eingesessenen Stuttgartern kommen inzwischen auch die Kinder und Enkelkinder. Wir sehen viele jüngere Kunden.

Wie erklären sie sich das?

Höhn: Vielleicht haben wir die über unser Sushi-Angebot in den Laden gelockt. Nach Corona sehen wir viele neue Gesichter, junge Leute, die vielleicht auch nur einmal in der Woche etwas kaufen.

Hilft es, dass Ex-VfB-Profis wie Mario Gomez oder Thomas Hitzlsperger ebenfalls hier gesichtet werden?

Ismaiel: Die kommen regelmäßig, ja. Und das sind ganz normale Kunden, das finde ich absolut klasse. Aber klar, vielleicht sind sie Vorbild für andere.

Profitieren sie als Traditionsgeschäft vielleicht auch von der Corona-Losung: Stuttgarter für Stuttgarter?

Höhn: Vielleicht schon. Ich glaube, dass viele sich auf die Tradition zurückbesinnen, auf etwas, auf das man sich schon immer verlassen kann. Ich denke schon, dass uns das hilft.




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