Fellbach sucht Hilfe Im Rathaus gibt es große technische Probleme

Sorgenvoller Blick aufs Geschehen hinter den Mauern: Der schwarze „Überlebenskopf“ des Schweizer Bildhauers Otto Müller im Fellbacher Rathausinnenhof Foto: Dirk Herrmann

Immer wieder gibt’s Infrastrukturprobleme in der Fellbacher Verwaltung: Die Telefonanlage funktioniert oft nicht, Virusattacken müssen abgewehrt werden. Hilfe von außerhalb ist nötig, das kostet allerdings 300 000 Euro extra.

Hinter den dicken Mauern der Fellbacher Verwaltungstrutzburg, wie das Rathaus allein wegen der Architektur auf viele Beobachter wirkt, wird viel erledigt. Allerdings können die verwaltungsinternen Wehrkräfte den äußeren Einflüssen nicht immer standhalten. Betroffen ist insbesondere jene Abteilung, die allgemein in den Behörden angesichts fortschreitender Digitalisierung zu den wichtigsten zählt und im neudeutschen Fachbegriff unter dem Kürzel IuK geführt wird – ausgeschrieben Informations- und Kommunikationstechnik. In Fellbach allerdings ist das ganze System offenkundig öfter wieder außer Gefecht gesetzt – weshalb nun aushäusige Hilfe benötigt wird, und der Gemeinderat einstimmig überplanmäßig 300 000 Euro bewilligte.

 

Hauptamtsleiter spricht von „Interoperabilität der IT-Systeme“

Eher zurückhaltend, wie es generell seine Art ist, schilderte Hauptamtsleiter Markus Sturm dem Gremium, garniert mit einigen Fachtermini, die missliche Lage: Es gehe um „Kompatibilität, Agilität und Interoperabilität der IT-Systeme“ oder um das „Service Level Management“ und „Level Service Agreements“, abgekürzt SLM und SLA.

Doch bei diesen Agreements, der Kompatibilität und dem Management gibt es Defizite und Störungen im Netzwerk. Sturm: „Bei der telefonischen Erreichbarkeit gibt es Luft nach oben.“ Oder: „Wir haben oft Probleme bei der Terminkoordination und bei Videokonferenzen.“ Zur Lösung müssten sich Rathausmitarbeiter öfter ins Auto setzen, nach dem Motto „Guck mal“, um das Problem in den Stadtteilrathäusern zu eruieren.

Mehr Professionalität nötig, „als wir im Haus haben“

Dazu kommen personelle Engpässe. „Derzeit können wir drei Vollzeitstellen nicht besetzen.“ Um den Kalamitäten zu begegnen, „werden wir externe Unterstützung benötigen, wir benötigen mehr Professionalität, als wir im Haus haben“. Kleinlaut räumte Sturm ein: „Mir ist das unangenehm.“ Die 300 000 Euro extra für fremde Hilfe seien von der Gemeindeordnung Baden-Württemberg gedeckt, „da die Betriebssicherheit der IT-Infrastruktur für die Funktionsfähigkeit der Stadtverwaltung zwingend erforderlich ist“. Sturm: „Verschiedene Stadtverwaltungen berichten vor allem in den letzten Monaten von Angriffen, die teilweise die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt haben.“

Auf Anfrage unserer Redaktion hat Sturm im Nachgang zur Gemeinderatssitzung die Sache konkretisiert. „Die IT-Infrastruktur der Fellbacher Verwaltung ist im Umbruch. Parallel dazu müssen alle Bereiche regelmäßig angepasst und upgedatet werden. Heute gehört mobiles Arbeiten in vielen Bereichen zum Arbeitsalltag, die Datensicherheit und der Schutz vor Cyberangriffen ist eine ständige Aufgabe – daher ist die Anpassung der IT ein ständiger Prozess.“

Mangelhafte Bauteile wurden in den Sommerferien ersetzt

Nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Datenmengen seien in den vergangenen Jahren deutlich mehr geworden. Die Infrastruktur wurde daher ausgebaut. „Allerdings erfüllen noch nicht alle Teile der Infrastruktur den gewünschten Standard.“ So war bis vor Kurzem noch keine Fernwartung einiger Bauteile möglich – weshalb sich einige Rathausmitarbeiter, wie in der Sitzung beschrieben, per Auto auf Nachforschung begaben. Diese Bauteile wurden in den Sommerferien ersetzt, „damit die Kollegen direkt sehen können, welche Verbindungen fehlerhaft sind und nicht erst verschiedene Möglichkeiten vor Ort prüfen müssen“.

In der Telefonie gab es „ebenfalls eine rasante Entwicklung“: Teilweise wurden Endgeräte vollständig durch Softwarelösungen ersetzt. Dies ist auch im Hinblick auf mobiles Arbeiten ein deutlicher Vorteil, bedeutet aber auch einen Umstellungsprozess. Sturm: „Es mussten unter anderem zahlreiche Updates eingespielt werden, um die Potenziale der Anlage zu heben.“ Allerdings sei es „bedauerlicherweise zu verschiedenen Störungen in unterschiedlichen Anwendungsfällen“ gekommen. „Jeder Ausfall war sehr ärgerlich und führte sicher bei den Bürgerinnen und Bürgern zu Unverständnis, was wir sehr bedauern. Inzwischen sind diese Störungen weitestgehend behoben.“

Grundsätzliche Erreichbarkeit mittlerweile gewährleistet

Die noch vorhandenen kleineren Mängel – vereinzelt etwa Verzögerungen in den Gesprächen beziehungsweise ein Abbruch der Gespräche – beziehen sich nach Sturms Angaben auf wenige Bereiche und werden zusammen mit dem Dienstleister bearbeitet. Die Verwaltung geht jedoch davon aus, dass diese Mängel keinen Einfluss mehr auf die grundsätzliche Erreichbarkeit haben.

Die Suche nach qualifizierten Fachkräften ist auch ein Thema in den städtischen Verwaltungen – besonders in den technischen Ämtern und im IT-Bereich. Zwar konnten durch die gezielte Ausbildung eine Vielzahl von neuen Kolleginnen und Kollegen gewonnen werden, doch im Bereich des First-Level-Supports sucht die Verwaltung derzeit Unterstützung. Externe Unterstützung wird daher besonders bei der Wartung und Pflege der IT eingesetzt. Die überplanmäßigen 300 000 Euro sind vor allem für die Betriebssicherheit erforderlich, so Sturm.

Finanzieller Nachschlag unvermeidlich

In der Sitzung des Lokalparlaments zeigten sich etliche Fraktionssprecher zwar irritiert, stimmten dann aber dem offenbar unvermeidlichem finanziellen Nachschlag zur Verbesserung der Lage zu. SPD-Chef Andreas Möhlmann erklärte beispielsweise, es sei „ein schweres Manko, dass man nun mit 300 000 Euro ein strukturelles Loch stopft, womit nun hoffentlich die Probleme gelöst werden können“.

Ralf Holzwarth (Freie Wähler/Freie Demokraten) betonte, „wir wollen nicht zu sehr den Finger in eine schon schmerzende Wunde legen“. Der Stadtrat, selbst IT-Fachmann, wies zudem auf die „zunehmend komplexer“ werdende Materie hin. Man müsse konstatieren: „Die öffentliche Hand ist diesbezüglich nicht der attraktivste Arbeitgeber.“ Deshalb sind für Holzwarth die Aussichten nicht gerade rosig: „Meine Sorge ist, dass die drei freien Stellen auch 2024 nicht besetzt sind.“

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