Fellbacher Kirche Der Abriss der Melanchthonkirche naht

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Der finale Gottesdienst wird wohl im Frühsommer 2021 sein. Die Stadtverwaltung Fellbach übernimmt das 30 Ar große Gelände am Philosophenweg, um dort die Kindertagesstätte zu sichern und zu sanieren – oder neu zu bauen.

Im Fellbacher Süden wird sich ab Frühsommer 2021, ohne die Melanchthonkirche, die Stadtansicht verändern. Foto: Patricia Sigerist
Im Fellbacher Süden wird sich ab Frühsommer 2021, ohne die Melanchthonkirche, die Stadtansicht verändern. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Dass die Melanchthonkirche im Fellbacher Süden abgerissen wird, hat sich durch das Immobilienkonzept der Evangelischen Kirche in Fellbach längere Zeit abgezeichnet. Durch den jetzt bekannt gegebenen Beschluss des Gemeinderats, in den Erbbaurechtsvertrag der Kirchengemeinde für das Grundstück einzusteigen, ist das Ende der Gottesdienste im Frühsommer des nächsten Jahres abzusehen. Die Melanchthon-Gemeinde und die Luther-Gemeinde werden sich zusammenschließen und das Gebäude am Philosophenweg aufgeben.

Eva Bosch begründet den Zwang, das Raumangebot zu verkleinern, mit der rückläufigen Zahl an Gemeindemitgliedern

Die Stadtverwaltung sagt zu, das Areal ausschließlich für die Kinderbetreuung nutzen. Der Evangelische Verein hat nun Planungssicherheit, um die bestehenden vier Kindergartengruppen im Melanchthon-Gemeindehaus weiterzuführen. Ob dort weitere Kita-Gruppenräume entstehen werden, weiß die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull noch nicht: „Wir sind noch nicht in der Entscheidungsphase.“

„Nach intensiven Überlegungen und Diskussionen hat die Evangelische Kirchengemeinde bereits 2016 ihr Immobilienkonzept beschlossen, das dem Wandel in der Gesellschaft Rechnung trägt“, sagt die Vorsitzende der evangelischen Kirche in Fellbach, Eva Bosch. In Fellbach will sich die Kirchengemeinde auf drei Schwerpunkt-Standorte konzentrieren. Das ist die Lutherkirche mit ergänzenden Gemeinderäumen, die Pauluskirche mit der Gemeindearbeit im neuen Familienzentrum sowie das Johannes-Brenz-Gemeindezentrum im Lindle. Eva Bosch begründet den Zwang, das Raumangebot zu verkleinern, mit der rückläufigen Zahl an Gemeindemitgliedern.

Die 1964 gebaute Kirche am Philosophenweg lässt sich nicht umbauen

In den 1960er-Jahren, zur Bauzeit des Melanchthon- und des Johannes-Brenz-Zentrums, hat die örtliche Kirche 18 000 Gemeindeglieder gezählt. Nun sind es noch 7000 Gläubige. Nach den Vorgaben sind eine Kirche und ein Gemeindehaus für je 3000 bis 4000 Gemeindeglieder angemessen. In diesem Rahmen erhält die lokale Gemeinde auch Zuschüsse vom Oberkirchenrat für die Erhaltung ihrer Gebäude. Weil sie mehr Gebäude besitzt, steht sie unter Druck: „Wir haben in diesem Jahr nur deswegen einen ausgeglichenen Haushalt hinbekommen, weil wir keine Rücklagen mehr bilden müssen für die Melanchthonkirche“, erläutert Eva Bosch. Der geschäftsführende Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, Eberhard Steinestel, sagt: „Wir müssen jetzt verantwortlich handeln, obwohl es schmerzt, damit nicht die nächste Generation erdrückt wird von den Lasten.“ Die 1964 gebaute Kirche am Philosophenweg lässt sich nicht umbauen. Vielwinklig ist die Grundform des Gotteshauses. Aufgrund ihrer Bauweise als Zeltkirche aus Backstein, Beton und Glas kann sie nicht mehr zu vernünftigen Preisen energetisch saniert werden. Und sie steht nicht unter Denkmalschutz. Dennoch „kann man nicht einfach Wände einziehen“, betont Eva Bosch. Dort Wohnungsbau zu ermöglichen, scheitert am eingeschränkten Zugang zu dem Gelände. Auch ein Verkauf an eine andere Glaubensgemeinschaft war nicht möglich.

Als Erbbauberechtigte übernimmt die Stadt die bestehenden Gebäude der Kirche

Vermutlich wird der weithin sichtbare, einzeln stehende Kirchturm mit der Kirche abgerissen. Bei einem Gespräch mit den Kirchenverantwortlichen und der Oberbürgermeisterin am Donnerstag machte sich niemand für ihn stark: „Der Kirchturm ist dann obsolet. Wenn man ihn isoliert stehen lassen will, wer trägt dann die Unterhaltungskosten?“, fragt Armin Voss, der Vorstand der Grundstückseigentümerin, der Pfarreistiftung der Evangelischen Kirche Württemberg. Diese wird das 30 Ar große Areal spätestens zum August 2021 erneut auf 60 Jahre verpachten, statt an die Kirchengemeinde dann an die Stadt Fellbach. Als Erbbauberechtigte übernimmt die Stadt die bestehenden Gebäude der Kirche – also die Kindertagesstätte, die laut Eva Bosch „in die Jahre gekommen ist“, das darunter liegende Gemeindezentrum und die Kirche selbst – ablösefrei. Sie wird auch für den Unterhalt verantwortlich. Auch wenn es die Stadt ist, die im nächsten Jahr die Bagger anrücken lässt, betont Eva Bosch: „Die Verantwortung, dass abgerissen wird, liegt bei der Kirche.“




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