Laut dem Stadtbrandmeister von Leinfelden-Echterdingen soll es in Notfällen eine Kooperation mit der Feuerwehr von Filderstadt geben, um bei Zwischenfällen im Stuttgart-21-Fernbahnhof am Flughafen einzugreifen. Dort weiß man davon jedoch nichts.

Filder - Der Filderstädter SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Bauer kann es nicht fassen. Aus unserer Zeitung hat er erfahren, dass es beim Brandschutz für den geplanten S-21-Fernbahnhof eine Kooperation zwischen den Feuerwehren von Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt geben soll.

„Das darf doch wohl nicht wahr sein“, habe er sich gedacht, als er das gelesen habe. Das Planfeststellungsverfahren sei noch nicht einmal fortgeführt, da befasse sich die Feuerwehr schon mit einer Zusammenarbeit. Bauer ist besonders deshalb empört, weil eine solche Kooperation voraussetzen würde, dass die Pläne der Bahn eins zu eins umgesetzt werden. Dabei habe der Gemeinderat erst vor Kurzem klar gemacht, dass er mehrheitlich gegen die von der Bahn beabsichtigte Aufspaltung in die Planabschnitte 1.3a und 1.3b ist.

Kooperation bei der S-Bahn

„Natürlich sind wir nicht gegen Kooperationen der Kommunen und ihrer Feuerwehren“, sagt Bauer. Diese seien bei der S-Bahn auch bereits in Angriff genommen worden. Dort gebe es künftig eine Zusammenarbeit zwischen den Wehren der beiden Nachbarstädte im Bereich des Flughafenbahnhofs und des anschließenden Tunnels Richtung Filderstadt.

„Hier sind beide Städte direkt tangiert“, sagt der SPD-Fraktionschef. Beim geplanten Fernbahnhof sehe dies jedoch anders aus. „Er liegt ausschließlich auf Gemarkung Leinfelden-Echterdingen.“ Deshalb müsse sich primär die Nachbarstadt darum kümmern. Bevor über den Brandschutz gesprochen werde, müsse das Planfeststellungsverfahren abgewartet werden.

Dieser Meinung ist auch Reinhard Molt. Der Filderstädter Bürgermeister sagt: „Wir sollten nicht den zweiten vor dem ersten Schritt tun.“ Erst im Laufe des Planfeststellungsverfahrens könne das Brandschutzproblem gelöst werden. Seiner Meinung nach handelt es sich dabei um eine Kreis-, wenn nicht sogar Bezirksangelegenheit. „Weil von dem Bahnhof auch Stuttgarter Gebiet tangiert wird, muss sich eigentlich das Regierungspräsidium um die Sache kümmern“, sagt er.

Stoßtrupp-Taktik als Modell

Kooperationen der beiden Feuerwehren von Filderstadt und L.-E. seien bisher nur auf der bestehenden S-Bahn-Strecke bei der Flughafenstation und im anschließenden Tunnel geplant. „Da wurde ein gemeinsames Evakuierungskonzept erarbeitet“, sagt Molt. Dabei gehe es vor allem darum, die neue Stoßtrupp-Taktik umzusetzen, fügt Filderstadts Stadtbrandmeister Jochen Thorns hinzu. Dies bedeutet, dass beim ersten Angriff nicht nur zwei, sondern fünf Feuerwehrleute mit Atemschutz zum Brandherd eilen. Diese neue Taktik habe man im Mai bereits auf der B 312 im Flughafentunnel erprobt. Damals hätten an der Übung auch die Feuerwehren des Flughafens und von Stuttgart teilgenommen. Das Konzept habe sich als zukunftsweisend erwiesen.

Thorns könnte sich auch gut vorstellen, dass es beim neuen Fernbahnhof zur Anwendung kommt. Der Stadtbrandmeister stellt jedoch ausdrücklich fest: „In Sachen S 21 hat es noch keine Gespräche mit Leinfelden-Echterdingen gegeben.“

Erstaunen bei der Verwaltungsspitze

Die Aussagen des Feuerwehrchefs von L.-E., Wolfgang Benz, in der Sitzung des Technischen Ausschusses, wonach die Feuerwehren der beiden Großen Kreisstädte eine umfassende Kooperation für Einsätze in den Tunneln am Flughafen verabredet hätten, hat auch die Rathausoberen in Leinfelden-Echterdingen erstaunt. Weder die Erste Bürgermeisterin Eva Noller noch Oberbürgermeister Roland Klenk hatten Kenntnis davon.

Klenk will sich nun am kommenden Freitag von Benz und dem für Sicherheit und Ordnung zuständigen Amtsleiter Gerd Maier ins Bild setzen lassen. Zur Sache wolle er sich vorab nicht äußern, sagte Klenk am Montag auf Anfrage. Seiner Einschätzung nach ist „eine Gesamtlösung des Problems ohne Filderstadt kaum denkbar“. Deshalb seien – auch weil die Anordnung einer Betriebsfeuerwehr für den Fernbahnhof illusorisch sei – Gespräche zwischen den Städten schon jetzt sinnvoll.

Lesen Sie mehr zum Thema

Roland Klenk Stuttgart 21