Feuer in Rhodos und am Mittelmeer Die Brände sind ein Warnsignal

Ferienparadies Rhodos? Zurzeit eher nicht. Foto: dpa/Christoph Reichwein

Die Hitzewelle am Mittelmeer ist Klimakrise live – und plötzlich gefährlich nah. Bei all den Debatten über die Belange der Touristen sollte das Wesentliche nicht untergehen, kommentiert unsere Autorin.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Über dem Strandurlaub am Mittelmeer hängen in diesem Sommer dunkle Wolken. Und man sollte anfügen: leider keine Regenwolken, denn die hätten die Landstriche dringend benötigt. Starke Hitze und Winde haben die Feuerwalzen angefacht, Urlaubsparadiese verwandeln sich in Rußwüsten. Betroffen ist die gesamte Region ums Mittelmeer, von Spanien über Italien und Griechenland bis Nordafrika.

 

Nun könnte man behaupten: Gebrannt hat es schon immer, auch im Süden Europas. Doch dabei würde verkannt, dass die Waldbrände 2023 durchaus von neuer Qualität sind. Griechenland sprach im Zusammenhang mit der außer Kontrolle geratenen Lage auf Rhodos von der größten Evakuierungsaktion in der Geschichte des Landes. Zehntausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Womöglich wird 2023 heißestes Jahr

Laut der US-Raumfahrtbehörde Nasa könnte 2023 das bisher heißeste Jahr werden. Eine neue Studie des Imperial College in London kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen Rekordhitzen in Europa und Nordamerika ohne den Klimawandel nicht auftreten würden. Sollte die weltweite Durchschnittstemperatur auf zwei Grad über das vorindustrielle Niveau ansteigen, ist laut der Studie alle zwei bis fünf Jahren mit vergleichbaren Hitzewellen zu rechnen. Und es gibt in diesen Tag noch eine weitere Rekordmeldung zum Klima: Das Institut für Meereswissenschaften (ICM) in Barcelona teilte unter Berufung auf Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus mit, das Mittelmeer sei mit 28,7 Grad an der Wasseroberfläche so warm wie noch nie.

Abgesehen von lokal begrenzten Extremwetter-Katastrophen wie beispielsweise im Ahrtal erschienen die Folgen des Klimawandels aus deutscher Sicht bisher eher abstrakt und weit weg. Was die Mittelmeerländer nun erleben, ist Klimakrise live. Und wegen der Ferienzeiten kommt der Klimawandel auf einmal auch Touristen aus nördlicheren Gefilden persönlich gefährlich nahe. Es entstehen Risse in einer bis dato heil geglaubten Welt. Fragen, um die man sich bisher womöglich gedrückt hat, müssen jetzt beantwortet werden: Kann man sich am Strand im Norden von Rhodos sonnen, wenn im Hinterland die Wälder lodern?

Tui: griechische Inseln gesetzte Urlaubsziele

Die griechischen Inseln seien gesetzte Urlaubsziele, sagte Tui derweil zur Perspektive. Dass Reiseveranstalter am Mittelmeerraum und den gigantischen Bettenkapazitäten festhalten, ist klar. Doch es wird auf die Touristen ankommen. Buchen sie für Juli weiterhin Rhodos, oder verlagern sich die Reisen doch eher auf den Frühling, den Herbst, den Norden? Statistiken zeigen, dass es bereits gewisse Verschiebungen gibt.

Das wird sich zwangsläufig fortsetzen, der Hitzesommer 2023 ist ein Vorgeschmack auf die Zukunft. Rhodos zeigt: Touristenmagnete können von heute auf morgen abschreckend wirken. Selbst wenn es nicht brennt, anhaltende Temperaturen weit jenseits von 40 Grad führen kaum zum gewünschten Urlaubsfeeling. Auch das erlebt man in diesem Jahr etwa in Rom.

Touristen werden sich anpassen. Aber eben nicht nur die Touristen. Bei all den hoch- und herunterdiskutierten Belangen der Feriengäste sollte das Wesentliche nicht untergehen. Erstens: Wo man nicht Urlaub machen kann, kann man unter Umständen auch nicht leben. Ob der globale Norden die Südländer, sollten sie zu Klimaflüchtlingen werden, gastfreundlich aufnehmen würden? Besser, diese Frage stellt sich niemals. Zweitens: Die Hitzewellen werden nicht südlich der Alpen haltmachen. Die Brände am Mittelmeer hätten sogar etwas Gutes, würden sie als Warnsignal verstanden.

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