Die 15. Kulturnacht samt langer Einkaufsnacht lockte viele Besucher an. Es war aber auch ein sehr polares Erlebnis.

So haben sich die Organisatoren der Feuerbach-Nacht das sicher nicht vorgestellt. Ein frühlingshafter Neustart sollte es werden, ein trotziges „Jetzt erst recht!”, das sich der allgemeinen Depression entgegenstellt. Das Wetter machte nun all dem einen Strich durch die Rechnung. Wer sich trotz Schneetreibens auf den Weg machte, entdeckte freilich wahre Schätze.

Die 15. Kulturnacht in Feuerbach begann mit einem zauberhaften Kinderprogramm: In der Festhalle reiste etwa der Musikverein „In 80 Tagen um die Welt“: „Gerade noch erreichten sie den Dampfer, der sie nach Amerika bringen sollte“, erzählte Ute Geffers-Kleinbach gerade und vom Orchester tönte ein Schiffshorn herüber. Einmal angekommen erklang „New York, New York“ und beim Endspurt zurück nach Europa hörte man ein Uhrwerk heraus.

Die Kelter als Schwabenstein-Modell

Im Foyer präsentierten der Feuerbacher Jochen Schmaus und seine Kollegen vom Verein Schwabenstein derweil ein Lego-Modell der Feuerbacher Kelter. „Gerade habe ich den neuen Bezirksvorsteher ergänzt“, lachte er. Ansonsten steckte dieses sehr spezielle Kelterfest aber wirklich voller Überraschungen: Neben den normalen Lego-Männle entdeckte man Engel, Osterhasen, einen Baumstamm und etliche Science-Fiction-Figuren. Feuerbach ist eindeutig bunt.

Weiter ging es zu Jürgen Kaiser, alias „der Büttel von Feuerbach“. Mit einer extra-wärmenden Schicht unter der Amtmann-Uniform führte er nun um die echte Kelter. Auch der echte Bezirksvorsteher Johannes Heberle war mit dabei sowie Oberbürgermeister Frank Nopper. Letzterer wurde auch gleich vom Büttel auf die Schippe genommen, wegen der Amtsmühlen, die bei Bauprojekten arg langsam mahlen. Und im Chor sagte man den schwäbischen Zungenbrecher auf: „Schellet’se net mit sellerer Schell, weil selle Schell schellt net.“

Textile Kleinode in Kunstraum

Derart verbal gewärmt ging es zum Zwischenkunstschauraum in der Hohnerstraße, wo bis 22. September textile Kleinode zu bewundern ist. Hans-Jürgen Theinert präsentiert hier Gemeinschaftskunstwerke mit seiner Frau Ilse Rose Stetter (1929 - 2018): Mal setzen die unfassbar feinen Stickereien Lichtreflexe in einer Birke um, mal spielen sie mit der menschlichen Farbwahrnehmung.

Ein Schwerpunkt der Kulturnacht lag auf dem Freien Musikzentrum (FMZ): Hier tanzte man sich bei der VHS schottisch in Stimmung. Die Preisträger von „Jugend musiziert“ konzertierten überragend, und die Stuttgarter Urban Sketchers stellten die Ergebnisse ihrer Feuerbacher Zeichentreffen aus. FMZ-Hausherr Andreas G. Winter zeigte sich zufrieden mit der 15. Kulturnacht: „Hier im Haus war viel los.“

Rettungshundestaffel kommt an

Trotz des Schneegestöbers sehr gut besucht war die so genannte Blaulicht-Arena auf dem benachbarten Roser-Platz – mit den Helfern von Feuerwehr und Polizei, vom Roten Kreuz (DRK) und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): Die Großen erhielten hier wertvolle Tipps, die Kleinen bestaunten die Autos – und wirklich alle zeigten sich von der DRK-Rettungshundestaffel begeistert. Marcel Kaimer und Chiara Zöller von der DRK-Fahrradstaffel präsentierten überdies ihre Einsatz-E-Bikes – inklusive Blaulicht, made in Feuerbach.

Enttäuschung dann an der Stadtkirche: Die Konzerte „Gregorianik trifft Jazz“ waren krankheitsbedingt ersatzlos gestrichen – ärgerlich für die Gäste, die eigens aus dem Zentrum hergelaufen waren. Bei der Feuerjonglage von „Dancing on Fire“ gab es ein Wiedersehen mit Teilnehmern der Führung vom Nachmittag. Ist ihnen nicht kalt? „Wir waren drinnen, haben die Schoch-Wandbilder angesehen, sehr interessant.“ „Das Konzert im katholischen Gemeindehaus war wunderschön – japanische Flöte und Harfe”, schwärmte eine andere Besucherin. Jetzt gehe es ins Rathaus, zu brasilianischer Musik und dann sollte der Abend bei einem Absacker ausklingen: „Leid tun mir die Einzelhändler, da ist gar nichts los.“

Wintereinbruch erfreut nicht jedem

Denn der Wintereinbruch sorgte vor allem aufseiten der Langen Einkaufsnacht des Gewerbe- und Handelsvereins für Frust: Lust auf Bummel hatten bei dem Wetter nur wenige und über eine neue Frühjahrsgarderobe denkt man bei den Temperaturen eher nicht nach. Bleibt zu hoffen, dass es trotzdem weitere Feuerbach-Nächte im Verbund von Kultur und Einzelhandel geben wird. Denn wer sich am Samstagabend doch auf den Weg machte, konnte wahre Schätze entdecken.