Feuerbach Spaß haben, Vorbild sein und Werte vermitteln

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Im Waldheim Feuerbacher Tal werden Jugendliche zwei Wochen lang zum Betreuer ausgebildet.

Lisa Klemm (l.) bildet wie Jugendliche wie die beiden 15-jährigen Isabel Foto: Leonie Hemminger
Lisa Klemm (l.) bildet wie Jugendliche wie die beiden 15-jährigen Isabel Foto: Leonie Hemminger

Feuerbach - Urlaub in Italien, Frankreich oder auf Mallorca? Wer ein paar Wochen im Ferienwaldheim verbringen kann, muss nicht weit weg fahren, um etwas zu erleben. Viele Kinder und Jugendliche lieben diese Zeit so sehr, dass sie sich in ihrem Waldheim später als Betreuer engagieren. Das Evangelische Ferienwaldheim Feuerbacher Tal bildet seine Nachwuchskräfte selbst aus. Aktuell sind 27 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren zwei Wochen lang im Waldheim, um zu lernen, wie man eine Gruppe führt, welche Spiele zu welcher Altersgruppe passen, wie die wichtigsten Erste-Hilfe-Griffe funktionieren oder wie ein Betreuer in einer Gruppe Konflikte lösen kann.

Lisa Klemm hat das Konzept der sogenannten Juniorschulung zusammen mit zwei ehemaligen Waldheimjungs ausgearbeitet. Als die 26-Jährige selbst vor 15 Jahren mit der Betreuung anfing, wurden sie und ihre Mitstreiter zwar auch eingewiesen, allerdings mit viel weniger Aufwand. „Wir haben uns dann gesagt, wir müssen den Jugendlichen Werkzeug an die Hand geben, damit sie gute Betreuer werden“, sagt Klemm. Über Jahre hinweg bildeten sich die drei bei erlebnispädagogischen Seminaren weiter und entwickelten so ein eigenes Waldheim-Konzept. Seit 2006 schult das Team jedes Jahr die Nachwuchshelfer, von denen einige noch im selben Jahr bei der Waldheimbetreuung mithelfen, andere fangen im Folgejahr an.

Im Vordergrund der Ausbildung steht die Praxis: Die Jugendlichen sollen die Gruppenspiele selbst ausprobieren, um aus möglichen Fehlern zu lernen. Die wichtigste Eigenschaft, die angehende Waldheimbetreuer mitbringen müssen, ist laut Lisa Klemm Geduld. Außerdem müssten sie mit ihrer Vorbildrolle zurecht kommen. „Die Kinder schauen stark zu den Betreuern auf. Wir sind für sie andere Bezugspersonen als Lehrer.“ Wenn das Ausbilderteam das Gefühl hat, dass ein Jugendlicher noch nicht reif genug ist, um als Betreuer zu arbeiten, wird ihm das so auch mitgeteilt. „Für manche ist es einfach noch zu früh. Denen sagen wir: Komm doch nächstes Jahr wieder. Oft klappt das dann auch“, sagt Ulrike Brand, die das Waldheim hauptamtlich betreut.

„Einmal Waldheim, immer Waldheim“

Lisa Klemm, die in der Personalabteilung einer Eventagentur arbeitet, nimmt sich zwei Wochen ihres Jahresurlaubs, um die Juniorschulung betreuen zu können. „Einmal Waldheim, immer Waldheim“, sagt Klemm und lacht. Gründe für ihr ehrenamtliches Engagement kann sie viele aufzählen. Ihr imponiert besonders, dass pubertierende Jugendliche freiwillig ihre Freizeit opfern, „um Kindern ein Strahlen in die Augen zu zaubern“. Die Waldheimwochen seien eine Gelegenheit, den Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln. „Jeder wird hier so akzeptiert, wie er ist – der eine ist der Kasper, der andere der Klugscheißer. Keiner muss sich verstellen“, sagt Lisa Klemm.

Die beiden 15-Jährigen Isabel und Charlotte haben als Kinder selbst Jahr für Jahr das Waldheim im Feuerbacher Tal besucht. „Die Mitarbeiter waren immer Vorbild für uns. Es ist schön, das jetzt selber machen zu können“, sagt Charlotte. „Die Stimmung ist immer toll und alle halten zusammen.“ Auch Isabel möchte die Waldheimzeit nicht missen. Ihr gefällt, dass die Gruppen viel im Freien und im Wald unterwegs sind. „Ich hatte immer tolle Gruppenerlebnisse. Das will man gerne weitergeben“, sagt die 15-Jährige. Sie kann es kaum erwarten, das Gelernte im nächsten Jahr in der Praxis anzuwenden.

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