Feuerbach Wo Winzer einst eine Grube gruben

Von Marta Popowska 

Am Kotzenloch steht nun eine neue Infotafel, die über Flora und Geologie des Naturdenkmals informiert. Bei der Einweihung berichtete die Ortsgruppe Zuffenhausen/Stammheim des Schwäbischen Albvereins auch einiges zur Geschichte der Mergelgrube.

Die neue Tafel  informiert über den Lemberg und das Kotzenloch im Naturschutzgebiet. Foto: privat
Die neue Tafel informiert über den Lemberg und das Kotzenloch im Naturschutzgebiet. Foto: privat

Feuerbach - Am besten gedeiht Hügel-Klee auf trockenen, basenreichen, aber kalkarmen Lehm- oder lehmigen Sandböden. Am Kotzenloch im Naturschutzgebiet Feuerbacher Lemberg findet die seltene Pflanze mit der auffällig purpurnen Blüte ideale Bedingungen. Addiert man die besondere Geologie des Kotzenlochs hinzu, war dies Grund genug für die Ortsgruppe Zuffenhausen/Stammheim des Schwäbischen Albvereins, eine Informationstafel für die Bevölkerung anzubringen. Am vergangenen Donnerstag wurde sie unter den Augen von rund 65 Gästen eingeweiht.

Noch blüht er nicht, der seltene Hügel-Klee, weiß Reinhard Wolf vom Schwäbischen Albverein. Bis Juni muss man sich noch gedulden. Wolf führte die Besucher am vergangenen Donnerstag aber nicht nur aufgrund der außergewöhnlichen Flora zum Kotzenloch. Es gab noch weitaus mehr zu berichten. „Der Begriff Kotze war einst gebräuchlich für Wölfin“, sagt der einstige Vize-Präsident des Gesamtvereins. Nach seinen Recherchen könne davon ausgegangen werden, dass das Kotzenloch eine Wolffang­einrichtung gewesen sei und deshalb diesen Namen trage. „Fast jede Gemeinde hatte so etwas. Wölfe wurden in Gruben gelockt und so gefangen“, erklärt er.

Wengerter nutzten den Mergel, um ihre Weinberge zu düngen

Soweit zum Namen der Mergelgrube, die ursprünglich nicht zum Wolfsfang, sondern von Feuerbacher Weingärtnern angelegt worden war, um mit dem Mergel die Weinberge zu düngen. Was die Geologie angeht, so ist diese nicht minder interessant. An der nahezu senkrechten, zehn Meter hohen Wand der Mergelgrube kann man bunte Gesteinsbänder besichtigen. Geologisch gesehen, handelt es sich um die Estherienschichten des Oberen Gipskeupers. Die namensgebenden Estherien sind kleine Muschelkrebse, deren Schalenabdrücke manchmal zu finden sind. Die Estherienschichten bestehen aus bunten, zum Teil dolomitischen Tonsteinen (Mergel) im Wechsel mit gelblich-grauen Dolomitsteinbänkchen. Entstanden sind die Gesteine vor etwa 215 Millionen Jahren.

Für die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins sind dies ausreichend Gründe gewesen, um sich für die Aufstellung einer Informationstafel an dem Naturdenkmal einzusetzen. „Wir wollen den Vorbeikommenden die Augen öffnen. Leute bleiben stehen und haben einen Aha-Effekt“, hat Reinhard Wolf beobachtet. Schließlich führt nicht nur Spaziergänger, sondern auch Wanderer ihr Weg am Katzenloch vorbei. So verläuft etwa der 21 Kilometer lange Feuerbacher Talkrabbenweg am Kotzenloch vorbei.

Einweihung mit Partymobil

Finanziert hat die rund 3000 Euro teure Infotafel die Stuttgarter Brauerei Dinkelacker. „Die Familienbrauerei unterstützt den Albverein bei Projekten, die wir selber nicht finanzieren können“, erklärt Wolf. Damit die Tafel lange Bestand hat, müsse sie entsprechend stabil sein und das sei nun einmal eine teure Angelegenheit. Zur Einweihung war die Brauerei auch mit ihrem „Partymobil“ vor Ort. „Es war eine schöne Veranstaltung, bei der die Besucher bis in die Dämmerung noch Gespräche führten“, freut sich Wolf.

Damit das Kotzenloch auch künftig sichtbar bleibt, kümmert sich die Stadt Stuttgart um die Pflege. „Sonst würde der Wald die Grube völlig übernehmen“, erklärt Wolf. Dies sei ein entsprechender Aufwand, doch er lohne sich.

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