Feuerwehr Filderstadt 24-h-Bewerbung wirft Fragen auf

Beim Starkregen Ende Juni hatte die Filderstädter Feuerwehr so viele Einsätze wie noch nie. Irgendwann hatten die Feuerwehrleute Hunger, doch es gab nichts. Foto: Archiv 7aktuell.de/Alexander Hald

Für die Wahl zum Stadtbrandmeister der Feuerwehr Filderstadt hat es kurzzeitig eine Gegenbewerbung zum Amtsinhaber gegeben. Doch der Kandidat hat sofort wieder zurückgezogen.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Filderstadt - Auf den ersten Blick liest sich die Formulierung in der Pressemitteilung der Stadt zur Filderstädter Feuerwehr unverfänglich. „Einen Höhepunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung bildete zweifellos die Wahl des Stadtkommandanten und seines Stellvertreters“, heißt es in dem Dokument vom 1. Juli. Mit dem Hintergrundwissen, dass es im Vorfeld der Wahl Unstimmigkeiten gegeben hat, ergibt sich indessen auch eine zweite Lesart.

 

Nach Informationen, die unsere Zeitung in Gesprächen und aus Schriftverkehr gesammelt hat, war der amtierende Stadtbrandmeister Jochen Thorns nicht der Einzige, der sich für die oberste Position in der Filderstädter Wehr beworben hatte. Allerdings hatte der Gegenkandidat seine bei der Stadt eingereichte Bewerbung einen Tag später wieder zurückgezogen. Vor allem das rasche Zurückziehen wirft Fragen auf.

Andeutungen in der Sitzung des Gemeinderats

Öffentlich gemacht hatte die Angelegenheit Robert Hertler, Stadtrat der Freien Wähler, bei der Sitzung des Gemeinderats am 26. Juli. Wenn auch nur andeutungsweise. Hertler sagte, dass ihn Vorkommnisse im Vorfeld der Wahl bei der Feuerwehr-Hauptversammlung besorgt hätten. „Bleibt demokratisch“, sagte er am 26. Juli, sowohl an die Stadtverwaltung als auch die Feuerwehrleute im Zuschauerraum gerichtet. Was war geschehen?

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Im Gespräch mit unserer Zeitung im Nachgang zu jener Gemeinderatssitzung erläutert Robert Hertler die Andeutungen. Er berichtet, dass sich ein Mitglied der Feuerwehr um den Posten des Stadtbrandmeisters beworben habe. Der Bewerber sei daraufhin von der Stadtverwaltung „massiv gedrängt“ worden, seine Bewerbung fallen zu lassen, sagt Hertler. Er betont mehrmals, sich nicht in Feuerwehr-Angelegenheiten einmischen zu wollen. Gleichwohl kritisiert er das Verhalten der Stadt. „Mir hat so ein Verhalten nicht gefallen.“ Gewählt werde von den Mitgliedern der Feuerwehr, die Stadt habe hier nicht einzugreifen, sagt er.

Hat die Stadt aktiv eingegriffen?

Unserer Zeitung ist die Identität des Bewerbers bekannt, er will sich allerdings nicht zur Sache äußern, wie er uns mitteilte. Wohl aber ein Kamerad, der allerdings – wie alle Feuerwehrleute in diesem Text – nicht mit Namen genannt werden will. Die Stadt habe „aktiv in die Wahl eingegriffen“, sagt er. Und er sagt auch: „Es hatte ja einen Grund, weshalb sich jemand beworben hat.“ Der Führungsstil von Jochen Thorns sei „unkameradschaftlich“, sagt er. Gegenmeinungen würden nicht geduldet. „Es gibt immer wieder Beschwerden.“ Bei dem Großeinsatz Ende Juni, als ein Starkregen über die Filderebene niederging und die Feuerwehr zu mehr als 300 Einsätzen ausrücken musste, habe die Mannschaft Hunger gehabt. Doch es sei nichts organisiert gewesen. „Bei so einer Schadenslage muss das Augenmerk doch auch auf der Verpflegung liegen“, sagt das Mitglied der Feuerwehr.

Jochen Thorns äußert sich zur Sache

Es gibt allerdings auch ganz andere Meinungen. „Bei fünf Abteilungen gibt es immer Differenzen“, sagt einer, der schon lang dabei ist. Von Spannungen, die sich auf den Stadtbrandmeister zurückführen lassen, wisse er nichts. Im Gegenteil. „Wir wären nicht auf diesem Stand, wenn wir Jochen Thorns nicht hätten“, sagt er. Von einer schwindenden Motivation könne nicht die Rede sein, „davon merke ich bei mir in der Abteilung nichts“. Ein anderer Feuerwehrmann sagt, er habe von dem Zwist zwar gehört, er schiebt dies aber auf ein paar Einzelmeinungen. „Im Prinzip war alles gut“, sagt er. „Aber es gibt bestimmte Herren, die die ganze Feuerwehr umstrukturieren wollen.“ Dass der Gegenkandidat wieder zurückgezogen habe, verstehe er nicht. „Die Wahl hätte doch stattfinden können“, sagt er.

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Jochen Thorns, der Stadtbrandmeister, sagt, er habe erst am Wahlabend von der kurzzeitigen Gegenbewerbung erfahren. Mit dem Betreffenden habe er sich ausgesprochen. Von Spannungen will er nicht reden. Er stelle eine große Zufriedenheit fest. „Wir sind gut aufgestellt als Feuerwehr“, sagt er. Bei rund 300 Einsatzkräften gebe es aber freilich immer mal Unzufriedenheit, „das liegt in der Natur der Sache“. Im Bezug auf die Kritik an der mangelnden Verpflegung beim nie dagewesenen Großeinsatz Ende Juni, räumt er ein, dass man hier etwas ändern müsse und wolle. „Bei so einem Starkregenereignis kommt Wasser von oben und Wasser von unten“, das nage an der Motivation.

Bleibt die Frage nach der Rolle der Stadt. Die Aufgabe der Stadt bei der Wahl sei es, sie zu organisieren, sagt der OB Christoph Traub. Von der Blitzbewerbung habe er erst im Nachgang der Wahl erfahren, sagt er. Er habe recherchiert und herausgefunden, dass es zwei Gespräche zwischen dem Bewerber und Vertretern der Verwaltung gegeben hatte. Was im Einzelnen gesprochen worden sei, sei letztlich Hörensagen, sagt Traub. Der Bewerber habe zurückgezogen, weil er „nicht die entsprechende Unterstützung“ erwarten konnte, so Traub. Unabhängig davon, dass er unterstreicht, die Stadt habe hier nichts zu bewerten; dass sie aktiv eingegriffen habe, „konnte ich in meinen Gesprächen so nicht nachvollziehen“, sagt der OB.

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