Figurentheaterfestival Stuttgart Bei „Wolfszeit“ ist alles ein bisschen zu groß angelegt

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Sehr viel aufwendiger war dagegen „Wolfszeit“ – sogar so aufwendig, dass die Zuschauer vor der Vorstellung doch noch einmal weggeschickt wurden, weil nicht alle Vorbereitungen getroffen waren. Die Bühne wurde übersät mit Zeitungspapier, von einem knochigen Baum aus wurden zahllose Schnüre durch den Raum gespannt. So kompliziert das Geflecht, so kompliziert auch die Geschichte aus der nordischen Mythologie über Odin und seinen Blutsbruder Loki, über Asen und mythische Halunken, die Erschaffung der Menschen und des Bösen.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Stuttgarter Studenten da gemeinsam mit Kollegen der Berliner Ernst-Busch-Schule erarbeitet haben. Aber ein großes Team bringt noch keineswegs automatisch eine große Leistung. So sind hier Schauspieler am Werk, und immer wenn Bedarf ist, kommen zwei Figurenspieler dazu, die sich mal in Raben, mal in Monster verwandeln und ansonsten tatenlos auf der Bühne herumsitzen. Aber vor allem sind die Darsteller von Odin und Loki schauspielerisch schwach und selbstgefällig und ihre Texte läppisch dahergequasselt.

Aber vielleicht ist das auch eine Lehre, dass man sich an komplexen Themen und großen Vorhaben eher verheben kann als an kleinen Projekten, die sorgfältig durchdacht und durchgearbeitet sind. Dann aber kann es zu Theatererlebnissen der besonderen Art kommen. Die Erstsemester haben Thesen formuliert, was dieses besondere Genre für sie ausmacht: Gute Geschichten ließen uns mitfühlen, mit-­ denken, miterleben, hieß es. Und speziell das Figurentheater sei der spielerischste Weg, Zuschauer neugierig zu machen und den Geist des Publikums zu öffnen.