Filder Der Krieg wirkt sich auch auf Poltawa aus

Von  

Der Krieg in der Ukraine betrifft Poltawa zwar nicht direkt. Indirekt spüren die Bewohner der ukrainischen Stadt jedoch die Kämpfe auch. So sind beispielsweise viele Flüchtlinge in der Partnerstadt der drei Städte auf den Fildern angekommen.

Oxana Liaschenko ist unter den ersten Austauschschülern gewesen. Foto: Häusser
Oxana Liaschenko ist unter den ersten Austauschschülern gewesen. Foto: Häusser

Filder - In Poltawa gibt es keine kriegerischen Auseinandersetzungen. Das Kampfgebiet ist rund 500 Kilometer entfernt. Trotzdem werden auch die Bewohner der ukrainischen Stadt täglich an den verhassten Krieg erinnert.

Es seien viele Flüchtlinge in der Stadt, erzählt Oxana Liaschenko. Sie ist Deutschlehrerin in einem Gymnasium in Poltawa und war schon öfter mit Austauschschülern, aber auch so wie jetzt privat, in Filderstadt. „Ich bin ein Patenschaftskind, weil ich 1988 unter den ersten Austauschschülern war“, sagt die 43-Jährige.

An ihrer Schule, in die rund 1000 Kinder und Jugendliche gehen, seien zurzeit 120 Schüler aus der umkämpften Region um Donezk. Sie seien mit ihren Angehörigen bei Verwandten oder Freunden untergebracht. Für die Gastgeber spitze sich dadurch die wirtschaftliche Lage, die sowieso angespannt sei, noch mehr zu. Nicht nur Lebensmittel, auch Sprit und Gas seien teurer geworden. „Außerdem muss jeder 1,5 Prozent seines Gehalts fürs Militär abgeben“, sagt Liaschenko.

Die Menschen in Poltawa würden sich wünschen, dass der Krieg möglichst schnell zu Ende geht. „Der Traum jedes Mannes ist es doch, nach Hause zu kommen, von seiner lieben Frau empfangen zu werden und den Borschtsch zu riechen, den sie zubereitet hat“, sagt die Ukrainerin. Solange der Kampf in der Ostukraine aber andauere, würden die ukrainischen Frontkämpfer auch aus Poltawa unterstützt.

Schüler basteln Freundschaftsbändchen

Die Zutaten des Borschtsch-Eintopfs würden getrocknet, damit sie haltbar sind. „Alte Frauen stricken Socken, Kleidungsstücke werden gesammelt und die Schüler basteln in ihrer freien Zeit Freundschaftsbändchen“, erzählt Liaschenko, die davon überzeugt ist, dass der Großteil der Separatisten aus Russland kommt. Der Transport der Hilfsgüter für das ukrainische Militär erfolge durch Ehrenamtliche. Immer wieder würden auch Ärzte und Polizisten an die Front geschickt. Bei den Männern in Poltawa gebe es ein große Angst, dass sie zum Militär eingezogen werden.

Für Oxana Liaschenko ist es wichtig, dass die Partnerschaft zwischen Poltawa und den Städten auf den Fildern gelebt wird. Der nächste Schüleraustausch beginnt nach den Sommerferien Zunächst reisen Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums Leinfelden eine Woche lang nach Poltawa. Vom 20. bis 27. Oktober erfolgt der Gegenbesuch. „Durch diesen Austausch lernt man die andere Kultur kennen, außerdem werden Freundschaften geknüpft“, schwärmt Oxana Liaschenko.