Er schwelgt noch immer in den schönen Erinnerungen. „Nach wie vor schwebe ich auf Wolke sieben“, sagt Thomas Rack. „Meine Kollegen bei der LG Filder sagen, ich kriege das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.“ Grund dazu hat er allemal. Bei den World Transplant Games im australischen Perth gewann der 60-jährige Bernhausener vier Medaillen in seiner Altersklasse: Gold über 400 Meter sowie jeweils Bronze im 100 Meter-Sprint, über 1500 Meter und im Sprint-Triathlon. „Das Erlebnis ist grandios, auch ohne die Medaillen“, sagt Rack. Umso mehr vor dem Hintergrund, dass er eine persönlich tragische Geschichte hinter sich hat.
Aktuell nahm Rack gleich in fünf Disziplinen teil. „Das war eigentlich zu viel, aber ich dachte mir, wenn ich schon hier bin, mache ich auch alles“, erzählt er. „Danach war ich wirklich platt, das war an der Grenze.“ Rack, der im Vertriebsaußendienst einer Klimatechnik-Firma arbeitet, muss darauf achten, dass er sich nicht überanstrengt. 2012 wurde ihm eine Spenderleber transplantiert. Wie gesagt: World Transplant Games – ja, die Spiele der Transplantierten.
„Ohne Transplantation hätte ich das nie gefeiert“
Schon als Jugendlicher hatte der gebürtige Schwarzwälder schlechte Leberwerte – eine Folge der chronischen Grunderkrankung „Primär sklerosierende Cholangitis“, kurz PSC. Bei dieser Krankheit sind die Gallenwege permanent entzündet, wodurch sie verengen und verhärten, Sklerose genannt. Das führt zwangsweise zur Leberzirrhose und dem Tod des Patienten. „Man kann es nicht aufhalten“, erklärt Rack. Außer, man bekommt eben eine passende Spenderleber transplantiert.
Seit gut zehn Jahren lebt Rack nun mit dem neuen Organ. Im vergangenen Jahr schmiss er zu seinem 60. Geburtstag ein großes Gartenfest. „Ohne die Transplantation hätte ich das nie gefeiert“, weiß Rack. Seine sportlichen Erfolge sind dem Vater zweier Kinder gar nicht so wichtig, es geht ihm vielmehr um die Gemeinschaft. Mit ebenfalls teilnehmenden Freunden reiste er bereits eine Woche vor dem Start nach Australien. Außerdem möchte er eine Message verbreiten: „Als Transplantierter kann man voll im Leben stehen. Man bekommt die Chance auf ein zweites, vollwertiges Leben.“
Rack schlief zwölf bis 16 Stunden am Tag
Die regelmäßige Ausübung von Sport wirkt sich positiv auf den Transplantationsverlauf aus. Das allein ist aber keine Garantie, dass alles gut verläuft, es gehört auch Glück dazu. „Vor der Operation hatte ich extrem die Hosen voll“, sagt Rack. Denn es war nicht klar, ob er wieder aufwachen würde. Bei ihm funktionierte alles bestens, obwohl der Chirurg im Anschluss entsetzt war, wie Rack mit solch einer schlechten Leber zuvor überleben konnte. „Was ich in den letzten zehn Jahren gelernt habe: Man muss sein Leben leben, dankbar sein und sich nicht zu sehr an Kleinigkeiten aufreiben“, sagt Rack. Die Zeit vor der Transplantation sei für ihn die schlimmste gewesen, denn er konnte kaum Sport treiben. Viel zu schwach war sein Körper, er war erschöpft und müde, schlief zwölf bis 16 Stunden pro Tag.
Heute freut sich der Filderstädter, dass er durch die Sportwettbewerbe seiner Reise-Leidenschaft nachgehen kann. Ob in Perth oder dem argentinischen Mar del Plata 2015 – Rack räumte stets ab. Insgesamt hat er 14 oder 15 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften der Transplantierten gewonnen – bei so viel Edelmetall hat er den Überblick verloren. Ans Aufhören denkt der noch längst nicht. „Wir haben so eine tolle Sportgemeinschaft“, schwärmt er. Seine Truppe bei der LG Filder motiviere ihn Tag für Tag. Das nächste Ziel: die World Transplant Games 2025 in Dresden – das erste Mal, dass die Veranstaltung in Deutschland ausgetragen werden wird.
Ursprünglich kommt Thomas Rack vom freizeitmäßigen Langstrecken-Laufen, er hat früher Zehn-Kilometer-Volksläufe und Halbmarathons bestritten. Allerdings nie auf Leistungsniveau. Die Entscheidung, an Transplantierten-Spielen teilzunehmen, kam spontan und ohne vorherigen Überlegungen. Kürzere Strecken sind nun sein Steckenpferd, mittlerweile reizt ihn vor allem der Triathlon. Bei seiner Premiere in Australien war er dabei direkt erfolgreich. „Ich bin als Transplantierter so fit wie ein Nicht-Transplantierter“, sagt Rack. Einen negativen Unterschied der Sportlichkeit im Gegensatz zu der Zeit vor seiner Transplantation bemerkt er nicht. Im Gegenteil: „Ich bin fitter als vor elf Jahren.“