Fildertrasse von S 21 Verkehrsexperte Steinborn soll „Drittes Gleis“ prüfen

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Nach seinen Gutachten im Auftrag der Stadt Leinfelden-Echterdingen ist der Dresdner Verkehrswissenschaftler jetzt auch in Filderstadt für eine Vergleichsstudie gefragt.

Gefragter Gesprächspartner: Professor Uwe Steinborn von der TU Dresden Foto: Natalie Kanter
Gefragter Gesprächspartner: Professor Uwe Steinborn von der TU Dresden Foto: Natalie Kanter

Filder - Mit seinen kritischen Gutachten zur Fildertrasse von Stuttgart 21 hat der Dresdner Verkehrswissenschaftler Uwe Steinborn im Auftrag der Stadt Leinfelden-Echterdingen beim Erörterungsverfahren im Herbst 2014 für Aufsehen gesorgt. Die detailliert belegten Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Antragstrasse trugen maßgeblich dazu bei, dass die von der Bahn vorgelegten Pläne in der Versenkung verschwunden sind.

Im März 2015 verständigten sich die Projektpartner – neben dem Schienenkonzern sind auch das Land Baden-Württemberg, sowie Stadt und Region Stuttgart im Boot – nach hartem Ringen auf einen Kompromissvorschlag. Die neue Variante soll sich durch deutliche Verbesserungen für den S-Bahn-Betrieb auszeichnen.

Filderstadt will auch neue Variante untersucht wissen

Um den störungsanfälligen Mischverkehr auf den quer durch Leinfelden-Echterdingen laufenden Gleisen zu entzerren, soll es in der Bahnstation am Flughafen ein drittes Gleis geben, der vielfach kritisierte Engpass an der Rohrer Kurve wird kreuzungsfrei ausgebaut. Problempunkte gibt es freilich auch bei der neuen Variante – von den erhöhten Baukosten bis zum Flächenverbrauch.

Die Schutzgemeinschaft Filder etwa streitet weiter für eine Gäubahntrasse über die Panoramastrecke und den Verzicht auf eine Streckenführung zum Flughafen. Und auch die Forderung nach einem „Flughafenbahnhof plus“ ist nicht aus der Welt – an den Problemen bei Brandschutz und Komfort in einem 27 Meter tief im Erdboden vergrabenen Fernbahnhof am Airport ändert das dritte Gleis schließlich nichts.

Gewünscht ist Vergleich mit dem „Flughafenbahnhof plus“

„Man will uns glauben machen, dass jetzt alles geregelt sei. Aber das ist nicht so“, beklagt Filderstadts SPD-Fraktionschef Walter Bauer. Mit den Ratskollegen von CDU, FDP und Freien Wählern hatte er bereits im März einen interfraktionellen Antrag eingereicht. Die Stadt, so der parteiübergreifende Wunsch, solle die Pläne für die neue Variante durch einen Experten unter die Lupe nehmen lassen – und einen Vergleich des in Berlin vereinbarten dritten Gleises und dem vor Ort gewünschten Flughafenbahnhof plus vornehmen.

Als Gutachter ausersehen wurde der bereits aus Leinfelden-Echterdingen bekannte Professor Uwe Steinborn von der TU Dresden. Der Verkehrswissenschaftler würde den Auftrag auch übernehmen, als Honorar ist ein Betrag von um die 30 000 Euro im Gespräch. Bisher sind Steinborn aber die Hände gebunden: Für die Gleis- und Sicherheitstechnik der neuen Variante liegt noch nicht einmal ein Erstentwurf vor, auch für den Filderbahnhof plus fehlt es an Unterlagen in der nötigen Detailtiefe.

Für detaillierte Untersuchung fehlt es noch an Daten

Beschlossen hat Filderstadt die Untersuchung am Montag dennoch – mit großer Mehrheit und gegen die Stimmen der Grünen. Sprecher Armin Stickler erklärte die Zurückhaltung damit, dass es „keine gravierenden bahntechnischen Unterschiede zwischen beiden Varianten“ gebe.

Denkbar ist allerdings auch, dass sich die Ökopartei nicht auf Konfrontationskurs begeben wollte – mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Stuttgarts OB Fritz Kuhn waren schließlich Parteifreunde am Berliner Kompromiss beteiligt. Die Nachbargemeinde Neuhausen auf den Fildern übrigens würde sich am Gutachten finanziell beteiligen. Und auch Leinfelden-Echterdingen hat zwar eine Untersuchung der S 2-Verlängerung abgelehnt, schließt aber einen Schulterschluss beim Variantenvergleich keineswegs aus.

Für Rathauschef Roland Klenk ist das Thema allerdings nicht spruchreif: „Momentan gibt es allenfalls holzschnittartige Pläne. Da kommt die Frage nach dem Gutachten zur Unzeit.“