Filmakademie feiert die Stadt Eine filmische Hommage an Ludwigsburg

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Am Ende hat es dann doch noch geschneit:Nun ist die dünne weiße Decke in dem Film festgehalten, der den Ludwigsburgern zeigen soll, wie sie und ihre Stadt von außen gesehen werden. Von Filmstudenten, die, so lange sie hier studiert haben, nie richtig warm geworden sind mit der Stadt.

Neues Einkaufszentrum  vor dramatischer  Wolkenkulisse: das Filmstill zeigt das Marstallcenter am Abend vor der Eröffnung. Foto: Wolfgang Kerber
Neues Einkaufszentrum vor dramatischer Wolkenkulisse: das Filmstill zeigt das Marstallcenter am Abend vor der Eröffnung. Foto: Wolfgang Kerber

Ludwigsburg - Am Ende hat es dann doch noch geschneit. Auch wenn an jenem Tag der Weihnachtsmarkt 2015 schon wieder abgebaut wurde, ist die dünne weiße Decke in dem Film nun festgehalten, der den Ludwigsburgern zeigen soll, wie sie und ihre Stadt von außen gesehen werden. Von Filmstudenten, die – so lange sie hier studiert haben – nie richtig warm geworden sind mit der Stadt. Immerhin glaubte die Filmcrew um Wolfgang Kerber und Marcel Wehn, Ludwigsburg so gut zu kennen, dass ihr ein filmisches Porträt ohne Schneeszenen so falsch vorkam, wie der Versuch, die Stadt ihres Barocks zu berauben. Die „Ludwigsburg-Sinfonie“ genannte Hommage wird erstmals beim Klassik-Open-Air am 16. Juli präsentiert, als Kooperation von Filmakademie und Schlossfestspielen.

Studierende leben wie im Kloster

„Wir wollten einen subjektiven Film drehen“, sagt der Regisseur Marcel Wehn, „es ist ein Autorenfilm.“ Und der Produzent Wolfgang Kerber stellt klar: „Es war nicht unsere Absicht, einen Imagefilm über Ludwigsburg zu machen.“ Zu Beginn der Dreharbeiten sei allerdings nur eines klar gewesen: dass die baden-württembergische Filmakademie zu ihrem 25. Geburtstag, der in diesem Jahr gefeiert wird, keine Geschenke von der Stadt erwartet, sondern im Gegenteil diese mit einem Film beschenken wolle. „Wir wollten etwas an die Stadt zurückgeben.“

Das klingt weniger nach Geschenk als nach Wiedergutmachung. Hat da noch jemand offene Rechnungen zu begleichen? „Es ist doch tatsächlich so, dass die meisten Filmstudenten aus Großstädten kommen, und dann müssen sie in diese schwäbische Kleinstadt“, sagt Wehn, der in Berlin lebt. Die wollten sich überhaupt nicht darauf einlassen. „Intern heißt die Filmakademie Kloster, das ist bezeichnend“, glaubt der Regisseur. Die Studenten lebten in einer Welt für sich. Er selbst habe erst im Zuge der Dreharbeiten für die „Ludwigsburg-Sinfonie“ Events und Anlagen wie Weinlaube, Pferdemarkt oder Märchengarten kennengelernt. „Solange ich hier studiert habe, habe ich nicht einmal mitbekommen, dass es das gibt“, sagt er.

Das Team hat bei der Venezianischen Messe im Jahr 2014 mit den Dreharbeiten begonnen. Ein grobes Raster sah vor, Gegensätze aufzuzeigen und erkannte Probleme sichtbar zu machen, sagt Kerber, der einige Zeit nach dem Studium in die Stadt zurückgekehrt ist und sie erst seither für sich entdeckt. „In Ludwigsburg gibt es unglaublich viel Engagement, aber es fällt auch auf, dass das meiste von den Älteren kommt.“ Auch Gegensätze wie der zwischen moderner Technologie und herkömmlichem Handwerk, zwischen dem historischen Barock und dem Marstallcenter oder zwischen Arm und Reich hätten die Filmcrew fasziniert. Insgesamt waren die Sinfonie-Macher an 52 Tagen in der Stadt unterwegs.

Neue Musik für die Kurzversion

Doch die Aufnahmen sind nur die eine Hälfte des Werks. In erster Linie ist eine Sinfonie natürlich ein musikalisches Werk – auch wenn mit dem Titel auf einen Filmklassiker angespielt wird: Walter Ruttmanns „Berlin – die Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahr 1927. Den Musikpart haben im ersten Durchgang acht Studierende der Fächer Filmmusik und Sounddesign übernommen. Kapitel um Kapitel, Themenkomplex um Themenkomplex haben sei sich herangetastet. „Angefangen haben wir mit ziemlich schrägen Sachen“, sagt Wehn, „vor allem mit Stücken von Sergei Prokofjew und Igor Strawinsky.“ In der inzwischen fertiggestellten Rohfassung überwiegt eine ruhige, klassisch-sinfonische Grundstimmung.

Doch diese Fassung ist 40 Minuten lang. In dieser Länge soll das Werk dann auch nach seiner Uraufführung am Monrepos-See auch auf DVD gepresst werden. Am Premierenabend aber, an dem das Orchester der Schlossfestspiele die Musik live spielen wird, soll die Sinfonie nur 25 Minuten lang sein. Darum haben die Musiker und der Regisseur noch alle Hände voll zu tun. Zunächst mussten viele Einstellungen gekürzt werden, im nächsten Durchlauf müssen nun die so entstandenen Brüche in der Musik geflickt oder durch neue Kompositionen unkenntlich gemacht werden.




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