Filmfestival Venedig Lauter Stars an der Lagune

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An diesem Mittwoch beginnen in Venedig die Filmfestspiele. 21 Filme wollen den Goldenen Löwen – darunter Starkino mit Kristen Stewart, Juliette Binoche und Eddie Redmayne.

Hollywood-Star Diane Kruger sitzt beim Filmfest in Venedig in der Jury. Foto: EPA
Hollywood-Star Diane Kruger sitzt beim Filmfest in Venedig in der Jury. Foto: EPA

Venedig - Berlin, Cannes, Venedig, so lautete über viele Jahre der unbestrittene Dreiklang der wichtigsten A-Filmfestivals dieser Welt, allesamt in Europa, wohin aber auch Regisseure aus Hollywood klaglos pilgerten, um auf ihre neuesten Schöpfungen aufmerksam zu machen. In jüngerer Zeit kam den Italienern nun das fast zeitgleich stattfindende und sehr keck planende Filmfest im kanadischen Toronto in die Quere, das manche attraktive Herbstpremiere wegfischen konnte. Drohte Venedig womöglich mittelfristig gar der Abstieg in die B-Klasse?

Mit der neuesten Ausgabe des Festivals, das heute Abend mit einer Gala beginnt, ist die Debatte erst einmal beendet. Gerade die 72. Ausgabe der Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica bringt einen prallvollen Wettbewerb mit 21 illustren Beiträgen aus aller Welt und einem Großaufgebot an Stars: Johnny Depp, Benedict Cumberbatch, Kristen Stewart, Anthony Hopkins, Robert DeNiro, Juliette Binoche und Martin Scorsese werden den Roten Teppich veredeln. Und gleich als Eröffnungsfilm erwarten die Kritiker ganz großes Kino und einen möglichen Oscar-Anwärter: Der spanisch-isländische Regisseur Baltasar Kormàkur zeigt in „Everest“ das dramatische Scheitern einer Bergexpedition an der brachialen Gewalt der Natur – mit Keira Knightley und Jake Gyllenhaal in den frostgeschüttelten Hauptrollen.

Eddie Redmayne, der für seine Darstellung des Physikers Stephen Hawking ja schon Oscar-gekürt ist, zeigt sich erneut in einer hochkomplexen Rolle: Tom Hooper erzählt in dem Biopic „The Danish Girl“ die Geschichte von Lili Elbe, die sich Anfang der 1930er Jahre als erste Transsexuelle einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Hochpolitisch ist auch der Wettbewerbsbeitrag des israelischen Regisseurs Amos Gitai: „Rabin, the Last Day“ berichtet von der Ermordung des Ministerpräsidenten Izchak Rabin 1995 durch einen fanatisierten jüdischen Siedler – angesichts der aktuellen politischen Konflikte in Israel und der Rechtsentwicklung dort ein sehr umstrittenes Projekt.

Deutsche Filme spielen wieder keine Rolle

Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón leitet die Festivaljury, zu der neben anderen auch die aus Deutschland stammende Schauspielerin Diane Kruger (geborene Heidkrüger) zählt. Einen deutschen Wettbewerbsbeitrag werden die beiden nicht zu sehen bekommen – die hiesige Filmszene muss selbstkritisch konstatieren, dass sie nun schon seit mehreren Durchgängen weder in Cannes noch in Venedig eine dolle Rolle spielt, und ja auch bei der Berlinale eher von ihrem Heimvorteil profitiert, als dass sie im internationalen Vergleich durch künstlerische Qualität in Erinnerung geblieben wäre.

Am 12. September wird der Goldene Löwe von Venedig verliehen – was auch Hollywood sicher mit Interesse quittiert. Ein gutes Omen für die Italiener: die beiden Eröffnungsfilme 2013 und 2014, „Gravity“ und „Birdman“, zählten fünf Monate später zu den großen Oscar-Gewinnern. Venedig hatte halt doch den richtigen Riecher gehabt. Italien gegen Kanada: zwei zu Null.