Filmkritik „Bad Neighbors“ Die Angst, nicht mehr cool zu sein

Von Rupert Koppold 

Für eine Quatschkomödie hat „Bad Neighbors“ ein ganz schön pfiffiges Thema. Was machen Leute, die sich gerade noch selbst über ihre Lust am Abfeiern definiert haben, wenn sie Eltern werden – und die Abfeierer nebenan das Baby wecken?

Die Nachbarn (vorn Zac Efron) lärmen beim De Niro-Änlichkeitswettbewerb. Foto: Verleih
Die Nachbarn (vorn Zac Efron) lärmen beim De Niro-Änlichkeitswettbewerb. Foto: Verleih

Stuttgart - Gefangen in der Vorstadt! Verurteilt zu lebenslanger Normalität! Aber noch wollen Mac (Seth Rogen) und seine Frau Kelly (Rose Byrne), ein Paar um die dreißig, ihr Schicksal nicht annehmen. Sie sind doch keine Spießer, sie können sich doch auch hier ausleben, es zum Beispiel wild auf dem Küchenboden treiben oder ganz spontan im Stehen oder sogar auf einem Stuhl. Der Höhepunkt rückt auch keuchend näher – und dann registriert Mac plötzlich, dass das Töchterchen aus dem Babysitz heraus zuschaut. Und schon wieder ist es mit dem Sex vorbei. Aber dafür wenigstens mal raus zum Fest einer Freundin, das Kind einfach einpacken und mitnehmen? Ach, wenn man als Papa und Mama nur nicht so müde wäre!

Nicholas Stollers „Bad Neighbors“ beginnt als Junge-Ehe-Komödie, in der Mac und Kelly ihrem alten Leben nachtrauern und die Vorteile des neuen nicht erkennen können. Diese Angst, nicht mehr cool zu sein! Manchmal zieht sich Mac mit einem Kumpel in der Arbeitspause einen Joint rein, aber dann sitzt er wieder in seinem engen Bürokoben und ist geschockt, als der Chef ihn samt Frau zum Abendessen einlädt – sozusagen die Eintrittskarte ins gesetzte Bürgerleben.

Party, Party, Party

Vielleicht ist die neue Wohngegend aber doch jünger und liberaler als gedacht, jedenfalls beobachten Mac und Kelly wohlwollend ein schwules Paar, das sich für das leer stehende Nachbarhaus interessiert. Es zieht dann jedoch eine noch viel jüngere Generation ein, eine studentische Burschenschaft mit ihrem Anführer Teddy (Zac Efron), und die hat nur das im Sinn, worauf Mac und Kelly schon lange verzichten müssen: Party, Party, Party.

Bevor „Bad Neighbors“ den Partyfilm auf die Junge-Ehe-Komödie hetzt und den Krieg ausbrechen lässt, probieren Mac und Kelly allerdings noch aus, wie lässig man „Macht nicht so viel Lärm!“ sagen kann. Sie biedern sich noch weiter an als jung gebliebene Hipster, feiern erst mal mit, saufen, kiffen, lärmen, und irgendwann diskutieren Mac und Teddy sogar über „Star Wars“ und pinkeln wie beste Kumpel überkreuz auf eine Bierdose. Aber beide müssen schmerzhaft erfahren, dass die Kluft zwischen den Generationen auch durch Popkultur-Rituale nicht lange zu überbrücken ist. Die Nacht ist mal wieder laut, das Baby kann nicht schlafen, Mac ruft die Polizei.

Ein Kondom als Baby-Kauspaß

Nun ist dieser Wie-geht-Erwachsen-werden-Film aus der Judd-Apatow-Schule in seinem Element, er kann endlich rüde regredieren und auf Jackass-Niveau geschmacklose, aber mitunter ganz komische Streiche inszenieren, die er den Protagonisten in die Schuhe schiebt. Da geht es etwa mit der Axt ran an die Wasserleitung, oder es werden Airbags aus- und in Sofas eingebaut – mit Zack-an-die-Decke-Effekt.

Vor allem aber spielt „Bad Neigbors“ nun ebenso brachial wie extensiv in der Unterleibszone. Die Burschenschaftler zum Beispiel fertigen Abdrücke ihrer Glieder an, die sie in Plastik gießen und zum Auffüllen ihrer Kriegskasse an weibliche Fans verkaufen. Und Macs und Kellys Baby findet auf dem Rasen ein benutztes Kondom und kaut auf ihm herum. Auf eine ausgeklügelte Eskalation bei diesem Nachbarschaftsstreit kommt es dem Regisseur Nicholas Stoller übrigens nicht an, er begnügt sich mit einer Reihung.

Ein Dildo-Duell tut Männern gut

In diese Welt der ewigen Pubertät aber stürzt Stoller sich mit großer Lust und Energie. Und er ist gleichzeitig clever genug, eine erwachsenere Welt zumindest mitzudenken. Mac ahnt ja selber, dass er nicht mehr so sein kann wie die jungen Nachbarn. Teddys Freund Pete (Dave Franco), Vizechef der Burschenschaft, akzeptiert sogar widerstandlos den Eintritt ins Erwachsenenleben, er hat schon einen Job in Aussicht und weiß genau, dass im Grunde nur noch Abschiedspartys geschmissen werden. (Was hier auch heißt: es ist vorbei mit den homoerotischen Schwingungen der Freundschaft, die in der Apatow-Komödien-Schule immer angedeutet und dann meist abgewehrt werden.) Bloß Teddy selber ist so treudoof, dass er die Burschenschaftsexistenz nicht als Durchgangsphase betrachtet, sondern als Lebensziel.

Diesen unterbelichteten und jederzeit den muskulösen Oberkörper frei legenden Teddy spielt der gut aussehende Mädchenschwarm und Schmonzettenkönig Zac ­Efron, der hier mutig sein Rollenfach ironisiert. Seth Rogen dagegen spielt wieder mal Seth Rogen, also einen dicklichen Antihelden mit Brille. Auch wenn Rose Byrne als energische Kelly sich nicht ganz in den Hintergrund drängen lässt – im Grunde geht es in diesem Film um zwei Burschen, die gern Buddys respektive ein Kinds­kopfduo wären. Am Ende kommen sie sich bei einem Dildo-Duell dann auch ganz, ganz nahe.

Bad Neighbors. USA, 2014. Regie: Nicholas Stoller. Mit Seth Rogen, Zac Efron, Rose Byrne. 97 Minuten. Ab 12 Jahren.