Filmkritik „Die Unfassbaren“ Verzauberung und Entzauberung

Von Ulrich Kriest 

Ein paar sehr talentierte Magier zelebrieren mehr als eine Show. Sie planen ein Verbrechen. Aber wer ist der geheimnisvolle Hintermann, der sie dabei steuert? Louis Leterriers Krimi will uns bei dieser Frage austricksen.

Michael (Jesse Eisenberg) hat wie seine Kollegen einige sehr gute Tricks drauf. Foto: Concorde Filmverleih
Michael (Jesse Eisenberg) hat wie seine Kollegen einige sehr gute Tricks drauf. Foto: Concorde Filmverleih

Stuttgart - Eine der Wurzeln des Films liegt bekanntlich in der Magie. Der Filmpionier Georges Méliès arbeitete als Zauberkünstler beim Vaudeville, bevor er sich dem Genre zuwandte. Sein „Kino der Attraktionen“ erzählte trickreich vom Flug zum Mond oder zeigte die Hinrichtung eines Brandstifters mittels der Guillotine.

Bis heute gilt: der Film kann Dinge zeigen, die das Publikum sonst nicht zu sehen bekommt. Schwieriger wird es, wenn die Magie selbst zum Thema eines Films wird. Trickser beim Tricksen zu zeigen, ist schwierig in einem Medium, von dem bekannt ist, dass es trickst. Schließlich existiert ein eigener Filmdiskurs, der sich mit den Tricks hinter bestimmten Effekten beschäftigt. Insofern verhält sich die Magie im Film prinzipiell gegenläufig zur Magie des Films. Hierfür sind die „Unfassbaren“ ein gutes, wenngleich trauriges Beispiel, denn die Arbeit von Louis Leterrier nimmt den Zuschauer nicht nur durch sein rasantes Erzähltempo gefangen, sondern er erzählt auf einer Metaebene von der Kunst der Illusion.

Wie heißt es im Film so schön? „Kommen Sie ganz nah ran. Je mehr Sie zu sehen glauben, desto einfacher ist es, Sie zu täuschen!“ Das ist ein Schlüssel der Magie.

Zaubershows im Las-Vegas-Format

Die Geschichte ist schnell umrissen: Vier grundsympathische und hochtalentierte Magier werden von einem Unbekannten erwählt, fortan als „The Four Horsemen“ spektakuläre Magieshows im Las Vegas-Format zu performen. Zwischen dem Zusammentreffen der vier in einem Apartment und dem ersten Bühnenauftritt liegt ein Jahr, was insofern wichtig ist, als so bestimmte Dinge im Dunkeln bleiben, die aber die Handlung vorantreiben.

Gleich der erste Auftritt kulminiert in einem Bankraub, den ein nach Paris gezauberter Zuschauer stellvertretend für das Quartett begeht. In der Realität findet dieser Bankraub auch statt, weshalb nicht nur das FBI und Interpol gegen die Magier ermitteln, sondern auch ein Ex-Magier namens Bradley ins Spiel kommt, der mit dem Verraten von Tricks sein Geld beim Fernsehen verdient. Spiel und Gegenspiel, Ver- und Entzauberung, Täuschung und Enttäuschung.

Viele Verdächtige, wenig Puste

Während die Shows immer spektakulärer werden, steht eine Frage verborgen im Raum: wer ist der unbekannte fünfte Horseman und warum verfolgt er welchen Plan? Es gibt einige Verdächtige, doch dem Film geht trotzdem schnell die Puste aus. Die Figuren scheinen undurchsichtig, sind jedoch nur unterentwickelt. Die Tricks, zu Beginn noch durchaus plausibel handgemacht, geraten immer unglaubwürdiger. Und der entscheidende letzte Trumpf erweist sich als reiner Bluff. Zu dumm: man hätte eben doch nicht bloß genauer hinschauen müssen, um alles zu verstehen. In der Welt der Magie ein Kapitalverbrechen.