Filmkritik „Grace of Monaco“ Heiligenlegende mit Weichzeichner

Nicole Kidman hat als  Titelheldin von „Grace of Monaco“  das Filmfestival von Cannes eröffnen dürfen.   Dass dieses Bio-Pic  Grace Kelly auch als Stilikone zeigt,  ist nicht zu übersehen. Foto: SquareOne
Nicole Kidman hat als Titelheldin von „Grace of Monaco“ das Filmfestival von Cannes eröffnen dürfen. Dass dieses Bio-Pic Grace Kelly auch als Stilikone zeigt, ist nicht zu übersehen. Foto: SquareOne

Au weia, so schlecht ist das Festival von Cannes schon lange nicht mehr eröffnet worden. „Grace of Monaco“, der gleich im Kino gestartet ist, zeigt mit Nicole Kidman in der Hauptrolle eine schöne, nette, stilbewusste Fürstin, die nie zickt. Wer soll das denn glauben?

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Stuttgart - Es gibt nur einen Grund, weshalb „Grace of Monaco“ das Festival von Cannes eröffnet hat: mit dem Aufmarsch von Hollywoodstars wie Nicole Kidman, Frank Langella, Tim Roth und Parker Posey sollte ein hinreichend glanzvoller Auftritt auf dem berühmten roten Teppich garantiert werden. Und es gilt in diesem Fall: Operation gelungen, Patient tot.

„Grace of Monaco“, der neue Spielfilm des französischen Regisseurs Olivier Dahan, ist nicht der Rede wert. Ja, mehr noch: dieser Auftakt war des weltweit wichtigsten Filmfestivals nicht würdig. Mit Schmonzette könnte man das Werk fast noch liebevoll beschreiben. Das Attribut „grottig“ trifft es aber eher, was sich nicht zuletzt dem Thema verdankt. Wen interessiert heute noch die einstmals sensationelle Beziehung zwischen dem hochadligen Chef eines europäischen Zwergstaats und einer amerikanischen Schauspielerin ? Von Illustrierten wie „Bunte“ oder „Echo der Frau“ mal abgesehen? Deren Leserschaft dürfte dieser Film allerdings gefallen, der vor allem eines ist: eine hübsch nostalgisch ausgestattete Heiligenlegende.

Auch die Filter helfen nichts

Nicole Kidman verkörpert die 1929 in Philadelphia geborene Grace Kelly, die 1954 für „The Country Girl“ einen Oscar als beste Darstellerin gewann, außerdem zu Hitchcocks berühmten Blondinen zählte und dem Film entsagte, als sie 1956 Fürst Rainier III. von Monaco heiratete. Dass die inzwischen 46-jährige Kidman hier eine Frau Anfang dreißig spielt – Dahans Film konzentriert sich auf die französisch-monegassische Krise Anfang der sechziger Jahre – ist ein Problem, das der Regisseur wenig überzeugend mit reichlich Weichzeichner und Filtern zu lösen versucht.

Ein weitaus größeres Problem zeigt sich aber darin, dass Nicole Kidman schon durch ihre – wenn auch noch so unterspritzte – Mimik immer noch etwas Gewitztes und Keckes, ja Mutwilliges ausstrahlt, das der eleganten und sehr femininen Grace Kelly nicht zu eigen war. Nun will Olivier Dahan, der vor Jahren mit „La Vie en Rose“ ein schönes Porträt von Edith Piaf gezeichnet hat, mit seinem neuen Film auch gar keine zweite Grace Kelly erschaffen. „Grace of Monaco“ sei vielmehr eine fiktive Darstellung, die von realen Ereignissen lediglich inspiriert sei, heißt es zu Beginn des Films. Aber warum dann diese höfische Unterwürfigkeit?

Druck von Hitchcock, Druck von De Gaulle

Denn alles ist hier Heldinnengeschichte. Zu Beginn des Films muss indes erst der Versuchung in Gestalt von Alfred Hitchcock widerstanden werden. Der fette Meister reist nämlich persönlich nach Monaco, um Fürstin Gracia die Hauptrolle in „Marnie“ anzubieten, mit einer Million Dollar Gage! Da es sich für eine Fürstinin aber nicht ziemt, eine frigide Kleptomanin in einem Film zu spielen, wird einigermaßen Druck ausgeübt auf die soziale Aufsteigerin, die aber noch keiner richtig für voll nimmt.

Und Druck lastet auch auf dem Fürsten Rainier: Der französische Präsident Charles de Gaulle muss den Algerienkrieg finanzieren und fordert die monegassischen Steuereinnahmen. Da sich der freiheitlich gesinnte Fürst, gespielt von Tim Roth, aber weigert, wird Monaco blockiert von La Grande Nation. Es droht sogar eine Invasion. In dieser Situation wird der furchtlosen Grace klar, dass sie sich entscheiden muss – und sie entscheidet sich nicht allein für ihre Familie und das kleine Reich, sondern auch dafür, sich vollkommen anzupassen und in der neuen Rolle aufzugehen.

Hat Grace eigentlich nie gezickt?

In „Grace of Monaco“ spielt Nicole Kidman also die Rolle einer Frau, die mit der Rolle Ihrer Hoheit die Rolle ihres Lebens spielen muss und will. Und das tut Kidman leider nicht sehr gut, woran auch Dahans Anleitung schuld sein mag. Denn sein Porträt von Gracia Patricia ist so öde wie unglaubwürdig: eine Schönheit, eine Stilikone und eine Liebende, eine Supermutter und eine Superdiplomatin – ja, was im Leben war diese Frau denn nicht noch alles! Hat sie nicht wenigstens mal ein bisschen gezickt, schließlich war sie mal eine Hollywooddiva?

Vielleicht hätte sich das Haus Grimaldi „Grace of Monaco“ erst anschauen sollen, bevor es im Vorfeld so vehement gegen den Film protestierte. Denn eine so filmreife Leistung in Sachen PR werden die Pressestrategen von Fürst Albert wohl kaum je abliefern können. Fürst Rainier III. von Monaco hat die überaus attraktive Grace Kelly übrigens 1955 bei den Filmfestspielen von Cannes kennengelernt. Hoffentlich ist in diesem Jahr kein Hochadel unter den Galagästen.

Grace of Monaco. Frankreich, USA, Belgien, Italien 2014. Regie: Olivier Dahan. Mit Nicole Kidman, Tim Roth, Derek Jacobi, Parker Posey, Paz Vega, Mio Ventimiglia, Frank Langella. 102 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.




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