Filmkritik „Miss Sixty“ Panik, weil die Bio-Uhr tickt

Von rm 

Vor dem Älterwerden müsste man Angst bekommen, wenn man dieser Komödie über die Spinnereien gesetzter Menschen glauben würde. Selbst der am Stuttgarter Schauspiel sonst glänzende Edgar Selge kann hier nichts mehr retten.

Zunge raus für diesen Film: Iris Berben, Edgar Selge und Carmen-Maja Antoni. Foto: Senator Filmverleih
Zunge raus für diesen Film: Iris Berben, Edgar Selge und Carmen-Maja Antoni. Foto: Senator Filmverleih

Stuttgart - Nichts tickt so unerbittlich wie die biologische Uhr – und vor nichts haben Mann und Frau mehr Angst als vorm Altwerden. Das ist auch bei Frans und Luise so, die das bedrohliche Ticken an der Grenze zum Ruhestand auf ihre je eigene Art überhören wollen. Er, der Galerist, vögelt seine Assistentin, setzt ein Toupet auf die Halbglatze, lässt sich die Zunge piercen und zwängt sich in Lederklamotten. Sie, die Molekularbiologin, holt nach der Zwangspensionierung ihre Eizellen aus dem Gefrierschank, sucht nach einem Samenspender und landet zwar nicht bei Frans, aber doch bei seinem Sohn Max.

Später Kinderwunsch hier, lächerlicher Jugendwahn dort, garniert mit familiären Verwicklungen: aus diesen Zutaten rührt Sigrid Hoerner ihr Regiedebüt „Miss Sixty“ zusammen, das so steril ist wie das Labor, wo sich Ei und Sperma treffen sollen.

Muss Altwerden Angst machen?

Dass auch eine Komödie ihre Figuren ernst nehmen muss, um komisch zu sein, scheint sich noch nicht bis zu Hoerner herumgesprochen zu haben. Sie fügt Klischee an Klischee, türmt Sketch auf Sketch und lässt ihre Figuren nichts als Sentenzen absondern, die auf Pointen schielen. Aber nichts zündet in diesem Lustspiel aus der Retorte, in dem neben Iris Berben auch der sonst so famose, im Stuttgarter Schauspiel engagierte Edgar Selge mitmischt. Wenn er als spätpubertierender Altrocker entgeistert aus der Wäsche guckt, ahnt man den Komiker, der in ihm steckt.

Aber diese Momente sind rar in einem Film, der seine vorgeblich ernsten Anliegen mit jeder Szene selber dementiert – und alte Menschen als possierlich oder notgeil diffamiert, je nachdem, wonach der Pointenmaschine gerade der Appetit steht. Selten wurde mehr geheuchelt als in „Miss Sixty“: Angst vorm Altwerden? Nun ja, würden wir diesem unreifen Machwerk glauben, hätten wir allen Grund dazu.

Miss Sixty. Deutschland 2014. Regie: Sigrid Hoerner. Mit Iris Berben und Edgar Selge. 98 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.