Filmkritik „Only God forgives“ Prinz Hamlet von Bangkok

Ganz schön warm hier: Thaipop-Star Yayaying und Ryan Gosling. Foto: Tiberius Film
Ganz schön warm hier: Thaipop-Star Yayaying und Ryan Gosling. Foto: Tiberius Film

Nach dem Hit „Drive“ legt Nicolas Winding Refn nun einen ganz anderen Film vor. Mit grausamer Langsamkeit und mit Elementen des Martial-Arts-Kinos erzählt er eine Familientragödie.

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Stuttgart - Wenn Kunst nicht in der Lage ist, Leidenschaft zu inspirieren, wozu sonst sollte sie dann gut sein?“, sagt Nicolas Winding Refn lachend beim Interview. Es gehe ihm stets darum, Emotionen zu wecken, positive wie negative. Insofern war es durchaus in seinem Sinn, dass der junge dänische Underground-Filmemacher und Cineast vor zwei Jahren mit dem eleganten, sehr coolen und sehr romantischen Film „Drive“ unvermittelt zu jedermanns Liebling wurde, fast zumindest. Andererseits gefalle ihm auch der Hass, der seinem neuen Film „Only God forgives“ auf dem Festival in Cannes entgegenschlug: „Hass ist eine ganz normale Emotion. Der Film hat viele Leute verletzt. Oder zumindest fühlten sie sich verletzt. Ich kann dazu nur sagen: das ist Punkrock!“

Ein klassischer Indie-Rocker

Aber Refn ist nicht nur der Punk des Gegenwartskinos, sondern auch ein klassischer Indie-Rocker. Seine Unabhängigkeit ist ihm so wichtig, dass er lieber kleine, niedrig budgetierte Filme dreht als den großen Studios seine Seele für ein bisschen Berühmtheit zu verkaufen. Sicherheit, so Refn, sei der größte Feind der Kreativität, denn am Ende der Sicherheit warte nur der gute Geschmack.

Und so ist denn „Only God forgives“ eine veritable Provokation geworden, ein kalkulierter Leberhaken, um die Oberflächlichen unter seinen Fans loszuwerden. Selbst, wenn dafür das schöne Gesicht von Ryan Gosling zu Brei geschlagen werden muss. Selbst, wenn bei einer ausgedehnten Folterszene Buñuels „Andalusischer Hund“ zitiert und drastisch überboten wird.

Exzessive Gewaltdarstellungen

Tatsächlich scheint Winding Refn hier einige seiner aus der „Pusher“-Trilogie oder der Wikinger-Science-Fiction „Walhalla Rising“ bekannten stilistischen Eigenarten auf die Spitze und bis an eine Grenze zu treiben: das fatalistische Gangstermilieu, die wirklich exzessiven, kaum zu ertragenden, dabei kunstvoll choreografierten Gewaltdarstellungen, die labyrinthische Inszenierung von Räumen, die forcierte Farbdramaturgie und eine Vorstellung von Männlichkeit, die zugleich mythisch und parodistisch erscheint.

In „Only God forgives“ ist alles vom unbedingten Stilwillen des Filmemachers dominiert, gerade eben noch so kontrolliert, dass der Film nicht ins unfreiwillig Komische umschlägt. Der Film erzählt letztlich recht sentimentale Familiengeschichten, die allerdings gefangen sind im Körper eines Martial-Arts-Films und nach dessen Genreregeln blutig exekutiert und mit Karaoke-Einlagen garniert werden.




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