Filmkritik „Pompeii“ Einstürzende Altbauten

Von Rupert Koppold 

Die große Geschichte ist bekannt: Im Jahr 79 vernichte ein Ausbruch des Vesuv die Stadt Pompeii. Die kleinen Geschichten rund um die Katastrophe, die Paul W.S. Anderson zu erzählen versucht, bleiben auf Soap-Niveau.

Kiefer Sutherland spielt hier mal nicht den Helden, sondern den römischen Bösewicht. Foto: Constantin Film
Kiefer Sutherland spielt hier mal nicht den Helden, sondern den römischen Bösewicht. Foto: Constantin Film

Stuttgart - Bevor der Berg ruft, muss der keltische Junge Milo zusehen, wie sein Dorf vom fies lächelnden Corvus (Kiefer Sutherland) und seiner Römertruppe zerstört und seine Eltern getötet werden. Nach einem Zeitsprung ins Jahr 79 n. Chr. erarbeitet sich der zum wort­kargen Sixpack-Lockenkopf herangereifte Milo (Kit Harington) in Provinzarenen einen Ruf als blitzschneller Gladiator. Schließlich wird der attraktive Sklave ins aufblühende Pompeii überführt, wo ihn die Kaufmannstochter Cassia (Emily Browning) erblickt. Und noch vor dem Vesuv bricht die Liebe aus.

Dem Regisseur Paul W. S. Anderson, mit der „Resident Evil“-Serie eher berüchtigt als berühmt geworden, darf hier noch größeren Schaden anrichten. In seinem Plot versucht er, Motive aus „Conan, der Barbar“, „Gladiator“, „Titanic“ und „Der Pferdeflüsterer“ zusammenzurühren. Aber es klumpt.

Unglücklich gelaufen

Die Handlung stümpert auf Nachmittags-TV-Soap-Niveau dahin, den aus der Typenkiste geholten Akteuren werden Sätze wie „Du hast mir so gefehlt!“ oder „Unglücklich gelaufen!“ zugemutet. Letzteres darf man unterstreichen, und weil der Regisseur das wohl selber ahnt, flüchtet er sich in Action und zettelt routiniert eine Gladiatorenschlacht nach der andern an.

Inzwischen ist auch der Berg spuckbereit – in 3-D! Aber wenn es dann losgeht, wenn der Endkampf in der Arena tobt, die Lava herabregnet, Corvus die brave Cassia raubt, der Vesuv Schiffeversenken spielt und auch noch ein Tsunami über Pompeii hereinbricht, dann ist Anderson völlig überfordert. Er schafft in seinen Parallelaktionen keine im Kopf des Zuschauers weitertickende Gleichzeitigkeit, sondern nur spannungszerstörende Unterbrechungen. Nein, das ist nicht nur ein Katastrophenfilm, das ist auch eine Filmkatastrophe.

Pompeii 3D. USA, Deutschland, Kanada, 2014. Regie: Paul W. S. Anderson. Mit Kit Harington, Emily Browning, Kiefer Sutherland. 104 Minuten. Ab 12 Jahren.