Filmkritik: „Willkommen im Hotel Mama“ Mama hat ein Techtelmechtel

Von Wolfram Hannemann 

Frankreich hat in den vergangenen Jahren eine Serie an Komödienhits geliefert. „Willkommen im Hotel Mama“ möchte daran anschließen, mit der Geschichte einer Tochter, die zu Mama heimkehrt und Erstaunliches erfährt. Aber ist das auch so lustig geworden, wie es sein möchte?

Wieder unter einem Dach: Tochter Stéphanie (Alexandra Lamy) und ihre Mama (Josiane Balasko) Foto: Alamode Filmverleih
Wieder unter einem Dach: Tochter Stéphanie (Alexandra Lamy) und ihre Mama (Josiane Balasko) Foto: Alamode Filmverleih

Stuttgart - Wieder zurück zu Mama? Für die meisten Erwachsenen undenkbar, doch für Stéphanie die einzige Chance. Erst ist ihre Ehe gescheitert, jetzt auch noch die Selbstständigkeit. Die 40-jährige Unternehmerin ist pleite. Bei Muttern wird sie mit offenen Armen empfangen und wieder ins alte Kinderzimmer einquartiert, Vollverpflegung inklusive. Bei Mama ticken die Uhren freilich ganz anders, und Stéphanie weiß bald wieder, warum sie von Zuhause ausgezogen ist.

Was sie noch nicht ahnt: die seit einem Jahr verwitwete Mutter hat ein Techtelmechtel mit einem alten Nachbarn, der nur wenige Stockwerke über ihr wohnt. Um das zu vertuschen, verstrickt sich Frau Mama immer wieder in Widersprüche und verhält sich seltsam, was aus Sicht der Tochter nur eines bedeuten kann: beginnender Alzheimer!

Der Charme der Franzosen

Kein anderes Land liefert momentan so viele leichte Komödien wie Frankreich. Ob „Monsieur Claude und seine Töchter“,„Birnenkuchen mit Lavendel“ oder „Frühstück bei Monsieur Henri“, die Franzosen verstehen sich bestens darauf, das Publikum zu bezaubern. An diese Erfolgsreihe möchte Eric Lavaine mit seiner Komödie „Willkommen im Hotel Mama“ anschließen.

Doch leider läuft es hier nicht ganz so rund wie erwartet. Erst zur Mitte gewinnt der Film deutlich an Fahrt. Nämlich dann, wenn die liebe Mama ihren drei erwachsenen Kindern samt Schwiegersohn ein typisch französisches Mehr-Gänge-Menü kredenzt, während dessen Verzehr sie ihrer Sippschaft ganz beiläufig den neuen Lover vorstellen möchte.

Schauspielerinnen in Hochform

Dass das Chaos programmiert ist, versteht sich von selbst. Im besten Screwball-Komödienstil entfacht Lavaine ein wahres Feuerwerk an Gags, als Mama auf dem strikten Einhalten ihres raffiniert eingefädelten Plans besteht. Hier darf wirklich herzhaft gelacht werden! Und die Chance sollte man tunlichst nutzen, denn nach dieser grandiosen Sequenz verfällt der Film wieder in jenes Vor-sich-Hinplätschern, mit dem er begonnen hat. Schuld daran trägt einzig das Drehbuch, nicht das Schauspielerensemble. Das gibt durchweh sein Bestes, Mama Josiane Balasko sogar ihr Allerbestes!

Temperamentvoll trotz eines sachten Ansatzes zur Molligkeit, ist sie der Inbegriff einer in die Jahre Gekommenen, die ihr Leben als lustige Witwe in vollen Zügen genießen möchte. Ob sie nun mit ihrer Freundin übers Telefon Scrabble spielt, lautstarke Schlager genießt oder die Heizung bis zum Anschlag aufdreht – sie schert sich wenig darum, was andere für schicklich und richtig halten. Generationenkonflikt, Geschwisterbeziehungen, Arbeitslosigkeit und finanzielle Probleme werden als Themen dabei durchaus angerissen, allerdings nicht befriedigend aufgelöst. Sie fallen am Schluss einem fast schon märchenhaften Happy End zum Opfer. Eine solche Überdosis Wohlfühlkino hätte es wahrhaftig nicht gebraucht.

Willkommen im Hotel Mama. Frankreich 2016. Regie: Eric Lavaine. Mit Alexandra Lamy, Josiane Balasko. 91 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.