Finale beim Deutschen Chorfest in Stuttgart Französische Klänge und eine kichernde Kirche

Von Susanne Benda 

Inmitten wirkungsvoller Open-Air-Events und gut besucht auch von vielen passionierten Chormitgliedern, boten zwei vielteilige „Nachtklang“-Konzerte Einblicke in vokale Spitzenkunst.

Erst 2015 gegründet, singt Figure humaine beim Chorfest auf Spitzenniveau Foto: Bulgrin
Erst 2015 gegründet, singt Figure humaine beim Chorfest auf Spitzenniveau Foto: Bulgrin

Stuttgart - Glückliche Sänger allüberall. Inmitten wirkungsvoller Open-Air-Events und gut besucht auch von vielen passionierten Chormitgliedern, boten zwei vielteilige „Nachtklang“-Konzerte am Freitag und Samstag Einblicke in vokale Spitzenkunst. An deren unterem Ende befindet sich das Vokalensemble Rastatt mit seinem Dirigenten Holger Speck – einem der wenigen Chorleiter, die mit Stab dirigieren. Zwingend fängt Speck den Geist, das Lichte und Beschwingte in Sätzen von Mendelssohn und Brahms ein. Über manche nicht auf den Punkt kommenden Einsätze kann man indes ebenso mäkeln wie über gelegentliche Mängel bei der Koordination und Verschmelzung der Stimmen.

Wer dies tut, ist vorher womöglich bei den Singphonikern gewesen. Die fünf Herren dieses Ensembles bieten nicht nur einen seidigen, geschmeidigen, Klang, der so beweglich ist, wie es nur bei solistischer Besetzung möglich ist, sondern sie nutzen in der Leonhardskirche den Mix aus Vokalsätzen von Schubert und (als gelungene Arrangements) von Georg Kreisler auch für einen launig moderierten Geschwindmarsch durch österreichische Geschichte und Befindlichkeiten. Spätestens bei Kreislers „Mädchen mit den drei blauen Augen“ („Aug in Aug, Aug in Aug – und Aug“) kichert die Kirche – und erklatscht sich mit „Tauben vergiften im Park“ einen weiteren Evergreen des schwarzhumorigen Liedermachers. „Mit Genießern zu genießen“ hat zuvor Schubert in einem Chorwerk gefordert: Ja, so ist das hier.

Nochmals die Zeit zurückgedreht. Mit dem Kammerchor Figure humaine stellt sich ein erst 2015 gegründeter neuer Stuttgarter Profi-Chor vor, der aus dem Kammerchor der Musikhochschule hervorging: ein exzellentes Ensemble, das an der Homogenisierung der Stimmen und zumal am Vokalklang schon so ausgiebig gearbeitet hat, dass man keine Schweißnähte mehr wahrnimmt. Denis Rouger hat Chor-Bearbeitungen französischer Sololieder für seine Sänger maßgeschneidert, und Julia Kammerlander sorgt am Flügel für eine exzellente pianistische Einbettung einer Vokalgruppe, die sich klanglich und in der dynamischen Balance stark auf die mittleren Stimmen konzentriert. Es gibt jetzt einen Spitzenchor mehr. Glückliches Stuttgart!