Simone ist Germany’s next Topmodel Eine Prise Glitzer-Feminismus fürs Image

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Hollywood in Düsseldorf – mit schrillem Geschrei und internationalen Stars zelebriert Heidi Klum das Finale von „Germany’s next Topmodel“. Den Titel gewinnt die 21-jährige Simone, aber das ist zweitrangig. In der Klum-Show geht es vor allem und eine: Heidi. Und ein bisschen noch um Tom.

Die Finalistinnen  bei „Germany’s next Topmodel“ und die Model-Chefin (von links): Simone, Heidi Klum, Sayana, Cäcilia. Foto: dpa-Bildfunk 9 Bilder
Die Finalistinnen bei „Germany’s next Topmodel“ und die Model-Chefin (von links): Simone, Heidi Klum, Sayana, Cäcilia. Foto: dpa-Bildfunk

Düsseldorf - Wenigstens einmal sagt Heidi Klum an diesem langen Abend dann doch einen Satz, der authentisch klingt. Sie sei ja keine echte Moderatorin, witzelt sie, als Thomas Gottschalk auf die Bühne kommt. Dem hat man früher manchmal Ähnliches vorgeworfen, nämlich mehr Dampfplauderer als Moderator zu sein. Nach drei Stunden Klum passiert dann Ungewöhnliches. Man wünscht sich „Wetten, dass ...“ zurück, zur Not auch mit Markus Lanz. In dieser Unterhaltungsshow brachten immerhin die internationalen Promis so etwas wie Flair in die Halle, bei „GNTM“ sind Taylor Swift, Channing Tatum oder Tyra Banks nur Beiwerk.

Die Akrobatikshow des Cirque de Soleil eröffnete das pompöse Spektakel, bei der Heidi Klum auf einem Trapez von der Decke herunter schwebte. Nicht der letzte Hinweis darauf, dass die Sendung und somit auch das Finale letztlich Heidi Klums Show ist – und sie der Haupt-Star. Doch zunächst standen brav die drei Finalistinnen im Mittelpunkt. Beim „Girlpower-Walk“ griffen die jungen Frauen den Trend der Statement-Shirts auf, der vor zwei Jahren ein großes Thema in der Mode war.

Das klingt nach Emanzipation und große Freiheit

Cäcilia (18), Simone (21) und Sayana (20) haben sich den Trend an ihre Roben geheftet und mit großer Pose große Worte gemacht. „Gott ist eine Frau“ stand in fetten weißen Lettern auf dem blauen Ballkleid von Cäcilia, „Die Zukunft ist weiblich“ auf dem von Sayana, „One Love“ auf dem von Simone. Die entsprechenden Statements der jungen Frauen klangen nach Emanzipation und großer Freiheit. „Wir Frauen können die Welt verändern“ oder „Habt Mut, ihr könnt alles schaffen“. Pathetischer geht es kaum. Wir lernen: bei „Germany’s next Topmodel“ geht es nicht nur ums Aussehen. Hier geht es um Persönlichkeit und Stärke. Das ist das, was Heidi Klum seit nun 14 Jahren ihren „Meeedchen“ predigt. Aber natürlich stehen trotzdem nur die Kandidatinnen im Finale, die dem gängigen Schönheitsideal am ehesten entsprechen.

Ganz am Puls der Zeit

Individuelle Typen, wie das Transgender-Model Tatjana, oder die tätowierte Melissa waren für den Anstands- „Personality-Award“ nominiert, hätten aber – trotz aller vermeintlicher Toleranz, die Heidi Klum und ihr Team vorgeben, nie eine Chance auf den Titel „Germany’s next Topmodel“ gehabt. Und – ganz am Puls der Zeit – gewinnt Tatjana (22) den Persönlichkeitspreis, überreicht von Persönlichkeits-Experte Thomas Gottschalk. „Ich bin mehr als ein Transgender-Mädchen, es gibt so viel mehr, was meine Persönlichkeit ausmacht“, sagt sie in ihrer Dankesrede. Als erste Finalistin ausgeschieden: die 18-jährige Cäcilia. Dabei hatte sie sich so auf das Leben im Model- und Showbusiness gefreut. „Ich mag Stars, schöne Kleider und das ganze Bling-Bling“, hat sie in einem Interview gesagt. Aber wie stand es auf ihrem Kleid – „Gott ist eine Frau“. Da geht also noch was.

Wer heiratet heute hier wen?

Wie jede professionelle Unterhaltungsshow setzte auch die Dramaturgie beim „GNTM“-Finale auf Spannung. Und dass die Zuschauer nicht nur an Deutschlands nächstem Topmodel (wie hieß noch mal das von 2018?) interessiert sind, weiß Heidi Klum nur allzu genau. Genüsslich zelebriert sie den Moment gleich zu Beginn der Show, als sie vor 9000 Zuschauer sagt: „Vielleicht heiratet ja heute noch jemand hier. Da fällt mir Tokio Hotel ein. Auf die freue ich mich am allermeisten.“ Klum (45) und Tokio-Hotel-Gitarrist Tom Kaulitz (29) hatten im Dezember ihre Verlobung bekannt gegeben. Seitdem wird spekuliert, wann und wo sie sich das Jawort geben.

Heidi Klum verkleidet sich als Standesbeamtin

Das „GNTM“-Finale haben sie sich jedenfalls nicht für ihren großen Tag ausgesucht. Geheiratet wurde trotzdem. Zumindest wurde so getan als ob. Kandidatin Theresia bekam vor den Augen der „GNTM“-Welt einen Schmachtfetzen von Heiratsantrag von ihrem Zukünftigen Thomas. Und Heidi Klum verkleidete sich als Standesbeamtin und vermählte die beiden in einer süßholzraspelnden, Pathos-überzuckerten Ansprache wie es nur (Wahl-)Amerikaner können. Da flossen die Freudentränen, es gellten Heidis Jubelrufe und zu Hause vor dem Fernseher bissen Gegner von Klischeeromantik bereits das zweite Kissen kaputt.

Und dann der eigentliche Höhepunkt

Zum Glück holten im Anschluss der „Sexiest Man alive“, Channing Tatum, und ein Dutzend Stripper-Kollegen die hochemotionale Stimmung wieder zurück auf den Boden der halb-nackten Tatsachen. Und dann endlich der heimliche, oder besser, der eigentliche Höhepunkt des Abends: der Auftritt von Heidi Klums Verlobten, Tom Kaulitz (29) und seiner Band Tokio Hotel. Als Toms Zwillingsbruder Bill Kaulitz (auf Plateausohlen, mit denen er bei so mancher Model-Challenge hätte mit staksen können) dann endlich fertig gesungen hatte, holte die Model-Chefin ihre „neue Familie“, wie sie die Band angekündigt hatte, zu ihrer Sofa-Runde dazu. Selbstverständlich ließ es sich das öffentliche Paar nicht entgehen, sich vor den den Augen der „GNTM“-Welt (selbst-)verliebt abzubusseln.