Finanz Informatik Warnstreiks bei Sparkassen-Tochter

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Bundesweit könnten bei der Finanz Informatik 1600 Jobs wegfallen, befürchtet die Belegschaft. Am Montag gab es Warnstreiks an den betroffenen Standorten, darunter auch in Fellbach.

Die Mitarbeiter der Finanz Informatik wehren sich gegen einen Kahlschlag. Es sollen nur noch drei Standorte: Münster, Frankfurt und Hannover übrig bleiben. Foto: StZ
Die Mitarbeiter der Finanz Informatik wehren sich gegen einen Kahlschlag. Es sollen nur noch drei Standorte: Münster, Frankfurt und Hannover übrig bleiben. Foto: StZ

Stuttgart - Seit Mai wissen die rund 4300 Mitarbeiter der bundesweit tätigen Finanz Informatik (FI), dass sich die Sparkassen-Tochter neu aufstellen und von 2014 an ihre Aktivitäten an drei Standorten bündeln will: in Frankfurt, dem Unternehmenssitz, und in den Rechenzentren in Münster und Hannover. Aufgegeben werden sechs Standorte, darunter Fellbach. Dass zudem Köln geschlossen wird, steht schon länger fest.

Seit Anfang Oktober verhandelt die Geschäftsführung mit der Gewerkschaft Verdi über einen Tarifsozialplan. Es geht um der Ausgleichsmaßnahmen für die vom Umzug Betroffenen und Abfindungen für diejenigen, die das Unternehmen freiwillig verlassen. Das Bestreben von Verdi ist, möglichst viele Arbeitsplätze in den Regionen zu erhalten. Auf Kündigungen werde die FI verzichten, sagte ein Sprecher. In Fellbach habe am Montag praktisch die Arbeit geruht, berichtete Frank Biela, der dortige Betriebsratsvorsitzende. An dem eintägigen Warnstreik hätten sich schätzungsweise 300 Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Die rund 450 FI-Beschäftigten dort trifft die Nachricht von der Schließung des Rechenzentrums hart. Das Durchschnittsalter liege bei 49 Jahren, sagte Biela, nicht zuletzt, weil seit zehn Jahren einen Einstellungsstopp gelte. Aus familiären Gründen käme für viele ein Umzug nicht in Frage. „Und auf dem freien Markt werden viele Kollegen nichts mehr finden“, prognostiziert der Betriebsratschef.

Die Verhandlungen über den Tarifsozialplan verliefen bisher enttäuschend, kritisierte Frank Hawel, der zuständige Verdi-Sekretär in Stuttgart. In zentralen Punkten lägen beide Seiten noch weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert etwa einen Kündigungsschutz bis 2025. Ein Unternehmenssprecher wollte nicht ausschließen, dass die FI in den weiteren Verhandlungen einer Beschäftigungsgarantie zustimmen könnte, ließ aber durchblicken, dass eine Festlegung bis 2025 utopisch sei. Er betonte aber, dass nach einer langen Phase von Rationalisierungen keine weiteren Standortschließungen geplant seien.

Ein Gutteil des Spardrucks bei der FI entsteht durch die Erwartungen der Eigentümer, den Sparkassen. Sie wollen möglichst wenig für IT-Support zahlen und vergleichen die Preise mit denen anderer Dienstleister, die teilweise schon nicht mehr in Deutschland sitzen. Arbeitnehmervertreter Biela verweist hingegen auf die seiner Meinung nach vergleichbaren Strukturen bei den Volks- und Raiffeisenbanken. Diese müssten für die Leistungen ihrer beiden IT-Gesellschaften etwa 40 Prozent mehr zahlen als die Sparkassen für den Service der Finanz Informatik.

Ein konkretes Sparziel und konkrete Abbaupläne hat das Unternehmen nie kommuniziert. Die Arbeitnehmer befürchten den Verlust von 1600 Stellen, als Sparziel werden 100 Millionen Euro jährlich genannt. Geschäftsführer Michael Schürmann versicherte, dass die FI ihrer sozialen Verantwortung gerecht werde. Die Verhandlungen seien fair verlaufen, auch wenn die Positionen noch unvereinbar seien. Jedem Mitarbeiter werde ein Arbeitsplatz an einem der drei verbleibenden Standorte angeboten. Wer wechsele, werde umfassend unterstützt. Befürchtungen der Belegschaft, die FI kalkuliere fest damit, dass ein Großteil nicht wechseln werde und dass so Überkapazitäten abgebaut werden, trat der Sprecher entgegen. Am Dienstag und am Mittwoch wird weiter verhandelt.

Das Thema hat einen hohen Aufmerksamkeitswert, weil hier verschiedene Interessenlagen in der Sparkassen-Gruppe aufeinanderprallen und es auch um die Durchsetzungsfähigkeit des baden-württem- bergischen Sparkassenverbandes als gewichtigem Miteigentümer der FI geht. Die Mitarbeiter haben aber inzwischen wenig Vertrauen in die Versprechen von Sparkassenpräsident Peter Schneider, dass Fellbach zu einem starken IT-Standort für große Verbundunternehmen wie Landesbanken, Landesbausparkassen und die öffentlich-rechtlichen Versicherer ausgebaut wird. „Herr Schneider hat sich möglicherweise verkalkuliert“, sagt ein Mitarbeiter. In den Verhandlungen habe ein Vertreter der FI-Geschäftsführung klar gesagt, dass die Finanz Informatik eigentlich schon zu viele Mitarbeiter von der Landesbank LBBW übernehme, sagte Betriebsrat Biela. Zu der Tochter FI-TS sollen nach den Plänen der Landesbank 300 IT-Spezialisten wechseln. Da aber auch bei der FI Technologie Service Synergien gehoben werden sollten, wäre es der Geschäftsleitung lieber, nur 200 statt 300 LBBWler zu übernehmen, berichtete Biela. „Unser Wunsch, dass auch Leute von der FI in die FI-TS wechseln können sollten, wurde erst gar nicht berücksichtigt.“ Schneider versuchte gestern, die Bedenken zu zerstreuen: „Für Fellbach konzentrieren wir uns weiterhin darauf, dass an diesem Standort in Zukunft die IT für die Verbundunternehmen gebündelt wird. Dazu gibt es klare Absprachen.“ Außerdem bringe man zwei große Verbundunternehmen zum Start mit ein, die LBBW und die SV Versicherung. Es gebe keinen Grund, dass an getroffenen Vereinbarungen, die etwa die Landesbank mit Verdi ausgehandelt hat, gerüttelt wird.