Fitness-Studios in Fellbach Die Uhren stehen wieder auf null
Wegen der neuesten Corona-Verordnung der Bundesregierung müssen die Fitness-Studios ein zweites Mal in diesem Jahr ihre Türen schließen. Einzeltraining und Reha-Kurse gibt es weiter.
Wegen der neuesten Corona-Verordnung der Bundesregierung müssen die Fitness-Studios ein zweites Mal in diesem Jahr ihre Türen schließen. Einzeltraining und Reha-Kurse gibt es weiter.
Fellbach - Sebastian Börner ist bester Laune. Trotz des partiellen Lockdowns, den die Bundesregierung jüngst beschlossen hat und der unser aller (sportliches) Leben seit Anfang dieser Woche und zunächst bis 30. November wieder erheblich einschränkt, hat der 23-Jährige am Dienstag im Oefit Gewichte gestemmt. „Dass ich trainieren kann, ist einfach überragend“, sagt der Oeffinger. Er war am Dienstag nicht der Einzige, der sich sportlich betätigt hat. Acht Mitglieder haben die Möglichkeit genutzt, im Oefit jeweils eine Stunde lang alleine zu trainieren – dank der etwas abgemilderten Form der Corona-Verordnung der Landesregierung. Die erlaubt nun auch Freizeitsport alleine, zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts – sogar in den von der Bundesregierung zur Schließung verdammten Fitness-Studios.
Nachdem die E-Mail am Sonntagabend mit der Information der Trainingsmöglichkeit an die Mitglieder herausgegangen war, habe es nicht lange gedauert, ehe die ersten Einheiten online gebucht waren. „Jetzt sind wir schon an einigen Tagen ausgebucht“, sagt Gabriel Bieg, der Geschäftsführer des TV Oeffingen. Für den Verein ist die Teilöffnung des vereinseigenen Fitness-Studios „ein Luxus, den wir uns für unsere Mitglieder erlauben“, sagt Gabriel Bieg. Betriebswirtschaftlich gesehen rechne der Teil-Lockdown sich indes überhaupt nicht – weil der Verein von den rund 300 Oefit-Mitgliedern keinen November-Beitrag einzieht, stattdessen von den Trainingswilligen vier Euro pro Stunde verlangt, bei Mehrfachnutzung maximal 30 Euro. Auch die festen Mitarbeiter werden nicht in Kurzarbeit geschickt.
Die November-Schließung allein, sagt Gabriel Bieg, sei für den Verein keine Katastrophe. Nimmt man aber die 77 Schließtage aus dem Frühjahr dazu, sehe es schon ganz anders aus. „Das ist alles nicht leicht für uns. Die Uhr ist zum zweiten Mal auf null gestellt worden“, sagt der Geschäftsführer. Zumal sich das Oefit nach der Neueröffnung am 7. Dezember 2019 (neue Ausstattung, neues Konzept) auf einem sehr guten Weg befunden habe. „Wir haben die Umsatzzahlen in eine Richtung geschraubt, die zuvor keiner für möglich hielt.“
Nichts geht mehr – so lautet derweil die Botschaft des TSV Schmiden und des SV Fellbach an die Mitglieder der vereinseigenen Fitness-Studios. Lediglich die Reha-Kurse laufen weiter, weil die Teilnahme da medizinisch verordnet ist. Eine Öffnung ähnlich wie beim Nachbarn TVOe macht für die beiden größten Vereine der Stadt allein vom Aufwand her aber keinen Sinn. Zwar hatten die Schmidener, die ebenfalls keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, gehofft, dass sie ihr Studio in zwölf räumlich getrennte Sektionen aufteilen würden können, um so mehr Mitgliedern das Sporttreiben zu ermöglichen. Doch lässt das die neue Verordnung nicht zu. „Schade, wir hätten es charmant gefunden“, sagt Vanessa Gerstenberger.
Stattdessen erwartet die Gesamtleiterin des Activity jetzt eine zweite Kündigungswelle. Etwa 500 Mitglieder hat das Studio 2020 bereits verloren, nachdem die Zahl in den vergangenen Jahren konstant gehalten worden war. Aktuell zahlen noch 2450 Sportler ihren Mitgliedsbeitrag, zu Hochzeiten waren es 3300. Im Balance des SV Fellbach (1200 Mitglieder) sind bisher 20 Prozent mehr an Kündigungen eingegangen als 2019, schätzt die Leiterin Susan Bense.
Die Fahnenstange sei damit aber noch nicht erreicht. „Viele können es sich einfach nicht mehr leisten, ihre Freizeit zu finanzieren – zumal, wenn sie keine Leistung dafür erhalten“, sagt Susan Bense. Für sie wirft der Teil-Lockdown noch viele Fragen auf. Müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden? Inwieweit sind die Mitglieder bereit, weiterhin ihren Beitrag zu zahlen? Greift die Unterstützung des Bundes? Der hat ja kundgetan, dass Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten 75 Prozent des Umsatzes erhalten, der im November 2019 getätigt wurde. Zählen Vereine als ein solches Unternehmen? Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, um die Gelder tatsächlich zu bekommen? „Wir loten jetzt alles aus und schauen, dass wir einen Weg finden, der alle Beteiligten einigermaßen zufriedenstellt“, sagt Susan Bense.
Wie Gabriel Bieg und Vanessa Gerstenberger hofft auch sie, dass der Teil-Lockdown die Corona-Zahlen senkt und es im Dezember weitergehen wird. „Sonst wird es schlimm für alle Studios“, sagt sie. Noch schlimmer aber sei, dass die Menschen durch die neuerlichen Einschränkungen „alle irgendwie krank“ würden. „Ich frage mich, was wir künftig für eine Gesellschaft haben werden?“ Ihre Hoffnung setzt Susan Bense in die Sportverbände. Die Verantwortlichen sollten Druck auf die Politik machen. „Wir habe alle tolle Hygienekonzepte aufgestellt. Keiner versteht, warum wir wieder ausgebremst werden.“