Schorndorf: Studio Lela schließt nach Lockdown Der vorerst letzte Flamenco

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Lela de Fuenteprado hat sich entschieden, ihr etabliertes Flamenco-Studio in Schorndorf nach dem Corona-Lockdown nicht wieder zu öffnen. Das Risiko ist der 65-Jährigen zu groß.

Lela de Fuenteprado sucht derzeit nach einer Nachfolge für ihr Flamenco-Studio Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
Lela de Fuenteprado sucht derzeit nach einer Nachfolge für ihr Flamenco-Studio Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Schorndorf - Seit fast genau vier Monaten ist es still im Flamenco-Studio von Lela de Fuenteprado. Keine Füße stampfen auf den grauen Schwingboden, keine Absätze klappern, keine Röcke rascheln, keine spanische Gitarrenmusik schallt aus der Anlage, kein Stockschlag gibt den Takt vor. Am 12. März hat die letzte Tanzstunde vor dem Corona-Lockdown stattgefunden, „und es war mir damals nicht bewusst, dass es wirklich die letzte sein wird“, sagt Lela de Fuenteprado.

Noch im Mai hatte sie gehofft, dass sie ihre Liebe für den spanischen Ausdruckstanz auch in Zukunft weitergeben kann. Doch nach langem Hadern hat Lela de Fuenteprado den Entschluss gefasst, dass sie ihr Studio nicht wiedereröffnen wird – damit schließt eine der wenigen Tanzschulen im Land, die sich ausschließlich auf Flamenco konzentrieren.

Nach Corona-Todesfällen im Bekanntenkreis vorsichtig geworden

„Gerne hätte ich noch ein oder zwei Jahre weitergemacht“, erzählt die 65-Jährige. Doch zu groß war die Unsicherheit: Die Urbacherin gehört wie ihr Mann zur Risikogruppe, hat einige Covid 19-Todesfälle im Bekanntenkreis miterlebt: „Da bekommt man schon einen anderen Respekt vor dem Virus.“ Nicht vorstellen könne sie sich, eine ganze Stunde mit Maske zu tanzen und Kommandos zu geben.

Ganz davon abgesehen hätte sie den Betrieb nur unter Beschränkungen aufnehmen können, hätte Kurse aufteilen müssen. „Und unser Studio lebt von soviel mehr, von den Gesprächen in der Garderobe, dem Lachen, der Gemeinschaft der Gruppe“, sagt Lela de Fuenteprado.

Es ist eine richtige Flamenco-Familie, die sich rund um das Studio gebildet hat. An der Wand hängen Fotos von den Hochzeiten ihrer Schülerinnen, von den Babys. Manche haben als Kind bei ihr mit Tanzen angefangen, waren zum Studieren irgendwann weg und kamen als Erwachsene wieder. Vor 21 Jahren hat die gebürtige Fränkin das Studio eröffnet, davor hatte sie schon einige Jahre Kurse im Kneippverein und in der Manufaktur gegeben.

Flamenco-Studio ist ein Stück Spanien in Schorndorf

Durch die Heirat mit dem Flamenco-Gitarristen Gerhard Graf-Martinez war sie nach Schorndorf gekommen. Eigentlich hatte sie mit Unterrichten angefangen, „damit ich zwischen den Live-Auftritten im Training bleibe“, sagt die Krankenschwester, die es Ende der 1970er Jahre von Berlin nach Andalusien gezogen hatte, um dort den Flamencotanz zu studieren. Ein Stück Spanien, das hat sie mit nach Schorndorf gebracht: Durch selbst gebaute weiße Arkaden, die dunklen Holzstühle, die (Kunst-)blumen wirkt der Eingangsbereich des Studios wie ein andalusischer Innenhof.

Den letzten großen Auftritt in Schorndorf hatte Lela de Fuenteprado zusammen mit ihrem Mann Gerhard Graf-Martinez im Jahr 1996. Dann verlagerte sich der Schwerpunkt ihres Schaffens endgültig auf die Lehre. Was ihr dabei immer wichtig war? Ihren Schülerinnen die Stimmungen der verschiedenen Flamencostile beizubringen, aber auch Stück für Stück die komplexe Technik – die Percussion der Füße, die Bewegungen der Arme und Hände, die nötige Körperspannung.

Für Flamenco braucht es einen langen Atem

„Man braucht beim Flamenco einen langen Atem, so wie bei jedem anspruchsvollen Ausdruckstanz“, erzählt sie, die viele ihre Schülerinnen auf die Bühne gebracht hat – bei der alljährlichen Fiesta im Herbst, beim internationalen Fest, bei der Gartenschau, bei privaten Feiern. Einen ganz besonderen Moment als Lehrerin hat sie vor zwei Jahren erlebt. „Wir haben in der Stadtkirche und in der Afrakirche einen Taranto aufgeführt. Das ist der Tanz, der mir immer besonders aus der Seele gesprochen hat“, erzählt Lela de Fuenteprado. Zwar hätten sich ihre sechs Tänzerinnen nach der gleichen Choreografie bewegt, „doch jede hat dabei etwas von sich gezeigt, hat das Material durchleuchtet. Und das ist doch das höchste Ziel, das man als Lehrerin hat.“ Es ist spürbar, dass Lela de Fuenteprado nicht nur der Flamenco, sondern dass ihr auch die mehr als 50 Schülerinnen am Herzen liegen. Deswegen arbeitet sie daran, dass es für das Flamenco-Studio in Schorndorf eine Zukunft gibt: „Ich suche nach einer Nachfolge, und bin eigentlich ganz optimistisch.“

Lela de Fuenteprado arbeitet an einem Flamencobuch

Für sie selbst ist zwar mit dem Unterricht, aber nicht mit dem Flamenco Schluss. „Ich arbeite an einem deutschsprachigen Liebhaberbuch, für das ich Tänzer gebeten habe, darüber zu schreiben, was sie im Flamenco fühlen“, sagt sie, die sich in dem Stimmungsspektrum des Flamenco besonders wiedergefunden hat: „Zwischen todunglücklich und total fröhlich, das entspricht meinem Temperament.“ Und welches Gefühl ist jetzt bestimmend? „Ich hatte satte 21 Jahre, in denen ich aus den Vollen schöpfen konnte. Ich schaue zufrieden zurück.“




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