Florian Müller und Fabian Bredlow Kumpel oder Konkurrent? Wie die Keeper des VfB miteinander klarkommen

Florian Müller (li.) und Fabian Bredlow (re.) sind Konkurrenten im Tor des VfB Stuttgart, verstehen sich aber sehr gut. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Florian Müller und Fabian Bredlow sind Konkurrenten um den Platz im Tor des VfB Stuttgart. Wie geht das Duo mit dieser Situation um? Wie kommen sie miteinander aus? Wir haben mit beiden gesprochen.

Das Torhüterleben ist nicht frei von Ritualen. Manche Keeper boxen vor dem Anpfiff gegen Pfosten und Latte, andere werden zum Graus für Greenkeeper, wenn sie noch vor der ersten Parade mit den Stollen die Mittelachse des Strafraums markieren. Und auch außerhalb der Partien gibt es das eine oder andere, das sich wiederholt. Wie bei den Torhütern des VfB Stuttgart.

 

Bei Florian Müller und Fabian Bredlow ist es schon Tradition geworden, dass sie sich vor dem ersten Training der jeweiligen Woche ausgiebig unterhalten. Nicht über Fußball – sondern über Football. „Wir sind beide Fans des American Football“, erzählt Bredlow, „wir haben auch schon den Super Bowl zusammen geschaut.“ Der US-Trip des VfB ist daher genau nach ihrem Geschmack.

Das Duo – Müller ist die Nummer eins im Kasten des Fußball-Bundesligisten, Bredlow sein erster Vertreter – ist gemeinsam in der Lobby des Hyatt Regency Hotels in Austin erschienen. In Texas weilt der VfB Stuttgart eine ganze Woche, es wird trainiert, es werden PR-Termine wahrgenommen, die Spieler verbringen auch Zeit mit ihren Familien. „Wir lernen uns hier alle noch ein bisschen besser kennen und rücken im Idealfall noch enger zusammen“, sagt Florian Müller. Fabian Bredlow ergänzt: „Wir sind froh, dass wir diese Reise machen.“ Auch, weil der Sonntag für die beiden ja noch ein besonderes Highlight bereithält.

Das Besondere bei den Keepern: Es kann nur einen geben

Der VfB-Tross besucht das NFL-Spiel der Houston Texans gegen die Washington Commanders. Das soll ein besonderes Erlebnis werden. Ein besonderes Verhältnis, das wird in diesem Gespräch klar, hat das Torhüterduo des VfB Stuttgart schon. Selbstverständlich ist das nicht.

„Als Torhüterduo bei einem Bundesligisten ist das erst einmal keine einfache Situation“, sagt Florian Müller. Der Grund liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu manch einer Position der Feldspieler ist klar: Der eine Torwart spielt, der andere schaut zu, und zwar so gut wie immer, wenn sich ein Trainerteam erst einmal auf eine Nummer eins festgelegt hat. Wie also geht man damit um – wenn man einerseits kollegial zusammenarbeiten, andererseits aber nach dem Platz des anderen trachten soll?

Das Credo des VfB-Duos: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. „Wir sitzen in der Kabine nebeneinander, wir unterstützen uns und machen auch außerhalb des Fußballs einiges miteinander“, sagt Müller – und benennt damit die eine Seite. Die andere beschreibt Bredlow: „Es muss immer das Ziel von uns beiden sein, am Wochenende derjenige zu sein, der im Tor steht. Was der Trainer am Ende entscheidet, darauf haben wir dann keinen Einfluss mehr.“ Der 27-Jährige versteht seine Rolle also als Druckmacher, er will stets eine Alternative bieten. Was er nicht machen will: „Nach einem Fehler von Flo zum Trainer rennen und ihm klarmachen, er müsse jetzt den Torhüter wechseln.“ Der Keeper, der spielt, brauche schließlich das volle Vertrauen.

Diskussionen nach Patzern

In der vergangenen Saison und der ersten Phase dieser Spielzeit hätte es durchaus Ansatzpunkte gegeben. Florian Müller wirkte nicht immer hundertprozentig sicher, leistete sich den einen oder anderen Lapsus, starke Spiele wechselten sich mit blöden Patzern ab – was mehrfach Diskussionen über die Qualitäten des 25-Jährigen auslöste.

Solche Debatten, versichert die Nummer eins des VfB, versuche er nicht an sich heranzulassen. Was nicht bedeute, dass er sich mit den Patzern nicht kritisch auseinandersetze. „Ich hatte in dieser Saison Spiele, die nicht optimal gelaufen sind, in denen ich Fehler gemacht habe“, räumt er offen ein – und nennt sein Ziel für den Rest der Saison: „ Ich will konstant gute Leistungen bringen.“ Also wird sein Torwartspiel mit Trainer Steffen Krebs weiter analysiert, es wird an Details gearbeitet, um Schwachstellen auszumerzen. Und welche Rolle spielt der Konkurrent und Kollege dabei?

„Ob wir über Fehler miteinander reden, liegt allein an demjenigen, der den Fehler gemacht hat“, sagt Müller. „Hat er das Bedürfnis, darüber zu sprechen, geht er auf den anderen zu.“ Nach der kritischen Analyse sei es vielmehr wichtig, schnell den Blick nach vorne zu richten. „Wenn man das ins nächste Spiel mitnimmt, hat es gleich wieder negative Auswirkungen“, meint der 25-Jährige. Die Selbstsicherheit darf nicht leiden, die Motivation sowieso nicht. Was für die Nummer zwei noch einmal eine besondere Herausforderung ist.

Fabian Bredlow hilft es dabei, dass er zumindest in den Spielen des DFB-Pokals seine Einsatzzeiten bekommt. „Für mich sind das wichtige Partien“, sagt er. Am 31. Januar hat der Keeper im Achtelfinalspiel beim SC Paderborn seinen nächsten Auftritt. Der Lust auf mehr macht?

Ein Nachwuchskeeper gilt als großes Talent

Natürlich habe er sich immer mal wieder Gedanken gemacht, den VfB zu verlassen, um anderswo einen Nummer-1-Status zu erlangen. Aber er wäge auch ab: „Was habe ich in Stuttgart? Was bringt ein Wechsel mit sich?“ Als junge Familie mit einem wenige Monate alten Baby spiele für den geborenen Berliner auch das Umfeld eine Rolle – und die Bredlows fühlten sich wohl in der Region.

Sein Vertrag beim VfB läuft bis 2024, Müller ist bis 2025 gebunden. Dritter Keeper ist aktuell Florian Schock, eine große Zukunft wird dem noch 16-jährigen Dennis Seimen vorausgesagt. Wie das Torhüterduo des VfB in ein paar Jahren also aussehen wird? Ist offen. Zunächst bleiben Florian Müller und Fabian Bredlow Konkurrenten – und dennoch Kumpels.

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