Niedergeschlagen und traurig sei Sedia Kijera gewesen, sagt Götz Schwarzkopf von der Ortsgruppe Seebrücke in Kirchheim am Neckar. Am vergangenen Sonntag hat er den Gambier im Abschiebehaftgefängnis in Pforzheim besucht. Dennoch betrachte Kijera seine Situation sehr ruhig und reflektiert. „Ich weiß nicht, ob ich das könnte“, sagt Schwarzkopf. „An so etwas könnte man verständlicherweise verzweifeln.“
Sedia Kijera hatte einen Brief geschrieben, in dem er allen dankte, die sich für ihn eingesetzt haben. „Das war ihm ein totales Anliegen“, berichtet Schwarzkopf. „Und das in einer Situation, in der er in der Erwartung war: Ich werde jetzt abgeschoben.“ Doch so weit kommt es jetzt möglicherweise doch nicht. Es sieht so aus, als könnte der 28-Jährige freiwillig nach Gambia ausreisen, sich ein Arbeitsvisum für Deutschland besorgen und in absehbarer Zeit nach Kirchheim am Neckar zurückkehren, wo er als examinierter Altenpflegehelfer im Pflegeheim am Mühlbach gearbeitet hatte.
Dort wurde er Ende November von Polizeibeamten in der Frühschicht überrascht, er sollte in sein Heimatland Gambia ausgeflogen werden. Doch dazu kam es nicht. Erst weigerte sich ein Pilot, ihn mitzunehmen. Später lehnte es Gambia ab, das Flugzeug mit ihm landen zu lassen. Sedia Kijera sitzt weiter in Abschiebegewahrsam in Pforzheim. Der neue Abschiebetermin ist für Ende Februar angesetzt. Ein zweiter Härtefallantrag, den die Seebrücke aus Kirchheim gestellt hatte, wurde abgelehnt.
Jetzt keimt wieder Hoffnung auf. Bei Sedia Kijera, aber auch bei allen, die sich seit seiner Inhaftierung für ihn eingesetzt hatten. Dazu gehört auch Daniela Lehmann, die Leiterin des Pflegeheims am Mühlbach. Sie hat beim Regierungspräsidium Karlsruhe angerufen und sich durch die Abteilungen bis zur entscheidenden Position durchtelefoniert. Dort traf sie auf eine Mitarbeiterin, die zuhörte und die Zusage gab, die danach noch hausintern abgeglichen wurde: Dass Sedia Kijera freiwillig ausreisen darf, wenn er ein Flugticket vorlegt, das vor dem 28. Februar terminiert ist.
„Damit ist Sedia aus der Abschiebung raus“, erklärt Götz Schwarzkopf. Das heißt zum einen, dass er aus dem Gefängnis und für ein paar Tage zurück nach Kirchheim in seine Wohnung darf. So könnte er packen und sich von den Menschen dort verabschieden. Zum anderen bedeutet es, dass eine zeitnahe Rückkehr nach Deutschland für ihn möglich ist. Würde er abgeschoben, gäbe es eine Sperre von zwei bis fünf Jahren.
Die Helfer von der Seebrücke in Kirchheim suchen derzeit einen Flug für Sedia Kijera raus. Vermutlich wird er am 23. Februar von Stuttgart über Barcelona in die gambische Hauptstadt Banjul in Westafrika fliegen. Das Ticket wird beim Regierungspräsidium hinterlegt, wo sich auch Kijeras Pass befindet. Von dort wird beides an den Flughafen Stuttgart geliefert und ihm beim Check-in ausgehändigt.
Parallel wird die Seebrücke Kontakt zum Auswärtigen Amt halten, das dann für die Wiedereinreise zuständig ist. Hier gilt es, ein Arbeitsangebot zu stellen, das Basis für das Visum sein wird. Von Gambia aus kann sich Kijera dann um das Arbeitsvisum für Deutschland kümmern und – so alles klappt – in einigen Monaten zurückkommen.
Sedia – Götz Schwarzkopf from Götz Schwarzkopf on Vimeo.
Vermutlich wird er in Deutschland dann Schulden haben. Die Kosten für seine Haft belaufen sich derzeit auf knapp 30 000 Euro. Der Anwalt der Seebrücke stößt allerdings gerade ein Gerichtsverfahren an, in dem geklärt werden soll, ob die Haft insgesamt und vor allem in ihrer Länge angemessen war. Zudem will die Seebrücke ein Fundraising für den Gambier ins Leben rufen, bei dem man spenden kann. Eventuell könnten auch Spenden über den Song gesammelt werden, den Götz Schwarzkopf über Sedia Kijera geschrieben hat. Das Lied hat der Musiker übrigens Sedia Kijera am Sonntag im Gefängnis vorgesungen. „Ein sehr bewegender Moment.“