Flüchtlingsunterkunft Stuttgart-Degerloch Nachbarn klagen über Lärm und Müll

Von Tilman Baur 

Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft an der Helene-Pfleiderer-Straße in Stuttgart-Degerloch haben sich im Bezirksbeirat beschwert. Zugleich haben sie einen Vorschlag vorgebracht, der das Problem lösen könnte.

Zwischen den Anwohnern und den Bewohnern der Unterkunft an der Helene-Pfleiderer-Straße scheint es nicht rund zu laufen. Foto: Tilman Baur
Zwischen den Anwohnern und den Bewohnern der Unterkunft an der Helene-Pfleiderer-Straße scheint es nicht rund zu laufen. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft an der Helene-Pfleiderer-Straße haben sich im Bezirksbeirat am Dienstag über Lärm und Müll beschwert. Grundsätzlich begleite man die Situation wohlwollend, doch gebe es eben auch Anlass zur Kritik, sagte ein Mann, der stellvertretend für die Nachbarschaft das Wort ergriff. Da sei zunächst der Lärm, so der Anwohner. Ein bisschen davon tagsüber sei ganz normal bei so vielen Bewohnern. Doch abends höre der Krach einfach nicht auf. Von Nachtruhe um 22 Uhr könne keine Rede sein. Erst morgens um 1 Uhr, manchmal noch später, werde es langsam leiser. „Vor 1 Uhr einzuschlafen, ist unmöglich“, beklagte er. Auf Unverständnis stößt bei den Anwohnern vor allem, dass kleine Kinder bis tief in die Nacht draußen spielten.

„Warum müssen sechs- oder siebenjährige Kinder bis abends auf der Straße spielen?“, so der Anwohner. Man müsse jetzt etwas tun, die Bewohner sensibilisieren, Gespräche führen. „Mir ist klar, dass die Leute dort nicht kaserniert sind“, sagte der Mann. Doch dass Kinder abends schlicht sich selbst überlassen werden, sei ein untragbarer Zustand.

Wie auf dem Rummelplatz gehe es zu, so der Vorwurf

Eine Anwohnerin erzählte, sie habe schon zweimal die Polizei gerufen. Die komme aber meist zu spät, wenn bereits wieder Ruhe eingekehrt ist. Auch sie selbst habe schon für Ruhe gesorgt. „Doch sobald ich weg bin, fängt alles wieder von vorne an“, sagte sie. Ob Fußballspiele, Bobbycars, Fahrradklingeln – wie auf dem Rummelplatz gehe es zu, so die Frau.

Doch es ist nicht nur der Lärm, der die Nachbarn beschäftigt. Das zweite Problem: der stinkende Müll. „Die Container quellen schon Tage vor der Leerung über“, so der Anwohner. Aus der Küche würden blaue Säcke mit Lebensmitteln rausgestellt. Eine Nachbarin habe sogar Ungeziefer und Ratten gesichtet, die sich dort zu schaffen machten. In Sachen Müll seien die Bewohner unbelehrbar, merkte eine andere Frau an. Dritter Kritikpunkt der Anwohner sind die Teppiche, die tagelang vor der Unterkunft hängen. Für manche sei das ein unschöner Anblick, der kulturell fremd wirke, hieß es von Anwohnern.

Heimleiter wirbt um Verständnis

Für Heimleiter Amr Raimann kamen die Beschwerden nicht überraschend. Er kennt die Probleme aus erster Hand. Gleichwohl warb er um Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Unter den derzeit 138 Bewohnern seien viele kinderreiche Familien. Insgesamt sind 70 Kinder in der Unterkunft untergebracht. Jedem Bewohner stünden viereinhalb Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, so Raimann. „Da ist es normal, wenn Eltern es erlauben, dass ihre Kinder draußen spielen.“

Dazu komme der erst vor Kurzem zu Ende gegangene Fastenmonat Ramadan. Der geht im Islam traditionell mit großen abendlichen Essensgelagen einher. „Es ist schwer, den Leuten zu vermitteln, dass sie während des Ramadan ruhig sein sollen“, so Raimann.

Doch auch der Leiter selbst hat seine Schwierigkeiten mit den Bewohnern: Diese versprächen ihm das eine, täten aber das andere, sobald er die Unterkunft nachmittags verlasse. Am Ende seien die Bewohner selbst in der Pflicht. Nach 16 Uhr sei auch keine Security mehr zugegen, und die Flüchtlinge seien sich selbst überlassen.

Anwohner fordern einen Sozialarbeiter, der nachts vor Ort ist

Auch beim Thema Müll sei er mit den Bewohnern im Gespräch und räume auch mal selbst auf – eine Tatsache, die die Nachbarn honorierten. Raimann betonte, dass viele Beschwerden aus der Unterkunft selbst kämen. Vor allem Bewohner, die bereits einer Beschäftigung nachgehen, stören sich am Lärm.

Den Anwohnern reichten diese Erklärungen nur bedingt. „Die Appelle haben keine Wirkung, wenn nicht nachts jemand vor Ort ist“, sagte der Nachbar, der die Kritik anfangs vorgetragen hatte. Man solle überlegen, einen Sozialarbeiter einzusetzen, der nach dem Rechten sehe, wenn die Heimleitung und Sicherheitsdienst Feierabend machen, lautete die Forderung der Anwohner.

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