Flughäfen in Mannheim, Speyer und Worms Per Kooperation zur Effizienz?

Der Flughafen in Mannheim will sich neu aufstellen – und mit Worms und Speyer in Rheinland-Pfalz kooperieren. Foto: dpa
Der Flughafen in Mannheim will sich neu aufstellen – und mit Worms und Speyer in Rheinland-Pfalz kooperieren. Foto: dpa

Die Flughäfen von Mannheim, Speyer und Worms sind alle defizitär. Das soll sich dank einer engeren regionalen Zusammenarbeit ändern. Die Betreiber planen Schwerpunkte für Geschäfts-, Linien- und Ausbildungsflüge – und haben schon erste Gespräche geführt.

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Mannheim - Lange Zeit haben sich die Flugplätze in Mannheim und den rheinland-pfälzischen Nachbarstädten Speyer und Worms eher als Konkurrenten betrachtet – in Mannheim wurde sogar vor einigen Jahren noch ernsthaft über den Bau eines großen, neuen Regionalflughafens diskutiert. Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht. Das Neubau-Projekt wurde definitiv zu den Akten gelegt, stattdessen denken die Flugplatzbetreiber in den drei Städten links und rechts des Rheins nun ernsthaft über eine Kooperation nach.

Die Betreiber wollen, dass die Belastung für alle erträglich bleibt

Wie vor Kurzem bekannt wurde, haben sie schon Anfang des Jahres begonnen, die Möglichkeiten dafür auszuloten. „Wir stehen noch relativ am Anfang, aber wir sind uns einig, dass der Flugverkehr eine Aufgabe ist, die die ganze Region betrifft. Daher gehen wir da offensiv ran“, erklärt der Geschäftsführer des City-Airports in Mannheim, Reinhard Becker, auf Anfrage.

„Eine Zusammenarbeit ist vernünftig“, sagt auch sein Kollege Roland Kern in Speyer. „Wenn man zum Ergebnis kommt, dass sie sich umsetzten lässt, wäre das logische Fernziel am Ende eine gemeinsame Betreibergesellschaft für alle“, sagt er. Dafür brauche man allerdings angesichts der vielen Unterschiede „noch viele kleine Schritte“. Derzeit kommen die drei Plätze zusammen auf etwa 120 000 Flugbewegungen im Jahr – vorwiegend durch Geschäfts- und Firmenflüge. In Mannheim gibt es ­zudem regelmäßige Linienverbindungen nach Berlin, Hamburg und Sylt. Alle drei Betreiber kämpfen mit mehr oder weniger hohen Defiziten, die von den überwiegend kommunalen Eigentümern ausgeglichen werden müssen. In Mannheim lag das Minus 2015 bei 576 000 Euro, in Speyer bei knapp 470 000, in Worms bei 66 000 Euro.

„Bei unseren Gesprächen haben wir festgestellt, dass wir eigentlich alle die gleichen Probleme haben, daher geht es jetzt darum zu prüfen, wo es Synergien gibt, wie man Kosten sparen oder ob man einzelne Arbeiten gemeinsam übernehmen kann“, erklärt Kern.

Wenn alles gut laufe, könnte man miteinander die Aufgaben eines Regionalflughafens übernehmen „ohne Gigantismus und so, dass die Belastung für alle Städte in einem erträglichen Rahmen bleibt“. Im Frühjahr oder Sommer 2017, hat Becker angekündigt, wolle man dafür ein erstes Konzept vorlegen. Die Initiative für mehr Zusammenarbeit im Luftverkehr hat der Verband der Metropolregion Rhein-Neckar ergriffen. Nach jahrelangen Diskussionen über das Für und Wider neuer Start- und Landemöglichkeiten hatte er vor zweieinhalb Jahren ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Bedürfnisse der Region und der Wirtschaft zu ermitteln. Es war Anfang 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass 95 Prozent der geschäftlichen Linienflüge aus der Region Rhein-Neckar zur Zufriedenheit der Kunden über Frankfurt abgewickelt werden. Einen hohen Bedarf vor Ort haben die Fachleute vor allem für „qualifizierte Businessflüge“ mit Firmenjets von Unternehmen aus der Region ermittelt. Dementsprechend könnte man, je nach den unterschiedlichen Gegebenheiten der drei Plätze, Schwerpunkte für Geschäfts-, Linien- und Ausbildungsflüge bilden, so der Verbandsdirektor Ralph Schlusche.

Ein Gutachten der Metropolregion war die Initialzündung

Inzwischen hat auch die IHK ihre Unterstützung signalisiert. Die Zusammenarbeit sei sinnvoll, versicherte die Kammerpräsidentin Irmgard Abt im „Mannheimer Morgen“. Das Gutachten gehe davon aus, dass die Zahl der Geschäftsreisenden im Rhein-Neckar-Raum, die schon bisher über dem Bundesdurchschnitt liege, bis 2030 noch um 25 Prozent zunehme. Daher sei es für die Flughafenbetreiber folgerichtig, sich anzunähern. Der Geschäftsverkehr sei für die Unternehmen „essenziell“ und habe „nicht unerhebliche regionalwirtschaftliche Bedeutung“, so Abt. Für die Wirtschaft sei es ausschlaggebend, dass alle drei Flugplätze der Region erhalten und wettbewerbsfähig blieben.

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