Sicherheitskontrolle am Flughafen Stuttgart Wie kommt ein Passagier unbemerkt vorbei?
Das hat es am Stuttgarter Flughafen in Jahrzehnten nicht gegeben: Ein Mann entgeht dem Sicherheitspersonal. Damit legt er den Flugbetrieb vorübergehend lahm.
Das hat es am Stuttgarter Flughafen in Jahrzehnten nicht gegeben: Ein Mann entgeht dem Sicherheitspersonal. Damit legt er den Flugbetrieb vorübergehend lahm.
Da sitzt man schon im Flieger, freut sich auf den Start in wenigen Minuten – und dann heißt es Kommando zurück. So ist es am vergangenen Freitag vielen ergangen, die vom Stuttgarter Flughafen aus starten wollten. Der Grund: Eine vermeintliche Sicherheitslücke. Denn es war ein Mann in den Bereich hinter der Sicherheitskontrolle geraten, ohne kontrolliert zu werden.
Wobei: Völlig unkontrolliert war der Mann, laut der Bundespolizei ein „älterer Herr“, nicht geblieben. Er war bereits an der Sicherheitskontrolle gewesen. Da wurde ein Gegenstand bei ihm entdeckt, den er nicht mit an Bord des Fliegers nehmen durfte. Aber das Personal gab ihm die Gelegenheit, diesen mit seinem Reisegepäck aufzugeben. Also habe der Mann den Sicherheitsbereich wieder verlassen und sei zum Gepäckschalter gegangen. Als er zurückkam, machte er einen Denkfehler, der zu einem Großeinsatz am Flughafen führte. Der Mann, zu dessen Alter oder Identität die Polizei nicht mehr sagt, da gegen ihn nicht ermittelt werde, dachte, er sei doch schon bei der Security gewesen. Außer dem Gegenstand, den er aufgeben sollte, sei dabei nichts bemängelt worden. Also habe er wohl gedacht, er könne es sich sparen, ein zweites Mal durch den Scanner zu gehen und sein Handgepäck durchleuchten zu lassen. Da eine Linie der Sicherheitskontrollen nicht besetzt war, sei er unter einem Absperrband hindurch geschlupft und in den Sicherheitsbereich gegangen. Das war der Fehler, sagt die Bundespolizeisprecherin Bianca Castan.
Dabei beobachtete ein Zeuge den Mann und schlug Alarm. „Man konnte ja nicht wissen, ob er harmlos ist“, sagt die Polizeisprecherin. Deswegen gab es nur ein mögliches Vorgehen für das Sicherheitspersonal: Um den Mann zu finden und zu überprüfen, habe man den gesamten Sicherheitsbereich geräumt. Also Duty Free, Restaurants und Cafés in dem Bereich und auch die Warteräume direkt an den Gates. Alle mussten wieder raus und ein zweites Mal die Sicherheitskontrollen durchlaufen. „Dazu gab es keine Alternative“, sagt die Polizeisprecherin. Der Mann wurde gefunden und für harmlos befunden. „Aber das konnte man ja nicht ahnen“, so Castan. Wichtig für Reisende sei es zu wissen: Sollte man je nach dem Sicherheitscheck noch einmal zurückgeschickt werden, etwa, um ein Sportgerät wie einen Hockeyschläger oder einen anderen an Bord nicht erlaubten Gegenstand zur Gepäckaufgabe zu bringen, gelte man danach wieder als nicht kontrolliert. Man müsse sich also wieder anstellen und erneut der Sicherheitskontrolle unterziehen.
Der Zwischenfall habe den Flugplan am Freitag gehörig durcheinander gebracht, sagt die Flughafensprecherin Beate Schleicher. Sie könne sich nicht erinnern, dass es in den zurückliegenden 20 Jahren jemals zu so einem Fall gekommen wäre. In München seien im vergangenen Jahr jedoch mehrere Zwischenfälle dieser Art vorgekommen.
Das Verständnis der Fluggäste war nicht in allen Fällen groß. So erreichte unsere Redaktion die Zuschrift einer 15-köpfigen Gruppe, die zu einer Hochzeit eingeladen war. Sie saßen bereits im Flieger, als der Alarm kam. Erst hätten sie in der Maschine warten müssen, dann seien sie zurück zum Terminal gebracht worden. Dort angekommen habe man sie nur mangelhaft informiert. Den Großteil der Hochzeitsfeier habe die Gruppe aufgrund des Polizeieinsatzes dann verpasst.