Flugplatz Renningen Bosch baut, und die Flieger suchen weiter

Von Kathrin Klette 

Das Unternehmen erweitert seinen Campus. Der Flugplatz bleibt aber erst noch erhalten.

Am westlichen Campusende, direkt neben dem Flugplatz, entsteht ein neues Rechenzentrum. Foto: factum/Simon Granville
Am westlichen Campusende, direkt neben dem Flugplatz, entsteht ein neues Rechenzentrum. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Bei Bosch in Renningen wird kräftig gebaut. Unter anderem entstehen dort ein Gebäude für die Werkfeuerwehr sowie ein Rechenzentrum. Wer angesichts der Bauarbeiten Angst um den Renninger Flugplatz hatte, kann aufatmen. Der wird dem Sportfliegerclub Leonberg vorerst auch weiter zur Verfügung stehen. Eine langfristige Lösung muss trotzdem noch her. Während die Bundeswehr sich auf den Standort bei Nagold weitgehend festgelegt hat, hofft der Leonberger Verein auf andere Alternativen.

Im östlichen Teil des Campus wird gerade das Gebäude für die Feuerwehr gebaut. „Der Neubau wurde nötig, da sich mit der offiziellen Einstufung als Werkfeuerwehr durch das Landratsamt Böblingen Ende 2015 das Anforderungsprofil signifikant erhöht hat“, berichtet Alexandra Albrecht, Sprecherin des Forschungscampus Renningen. Mit dieser Einstufung geht ein 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen die Woche einher, es gibt Auswirkungen auf die Personalstärke und die Anzahl der Fahrzeuge. „Der zusätzliche Flächenbedarf lässt sich im Bestand nicht abbilden“, so Albrecht. Die Fertigstellung des Neubaus ist für 2020 geplant.

Neues Rechenzentrum entsteht

Auf der westlichen Seite realisiert der Bosch-Zentralbereich Informationsverarbeitung im Moment den Bau eines neuen Rechenzentrums. Auch hier ist die Fertigstellung für 2020 geplant. Bei dem Projekt geht es in erster Linie um eine Erweiterung der technischen Campus-Infrastruktur, nicht um den Bau von zusätzlichen Büro- oder Laborflächen. Eine große Auswirkung auf die Mitarbeiterzahl wird sich daraus also nicht ergeben.

Was das sogenannte Mittelgrundstück am Standort Renningen angeht, auf dem sich der Flugplatz befindet, so stellt es weiterhin „eine wichtige strategische Reserve für eine perspektivische Weiterentwicklung des Standorts dar“, ein konkretes Projekt ist derzeit nicht angesetzt. Der Platz steht also sowohl der Bundeswehr als auch dem Sportfliegerclub Leonberg weiter zur Verfügung. Jedoch nur für eine begrenzte Zeit. Als Frist gilt weiterhin das Jahr 2029. Von dieser Frist sind auch die Segelflieger betroffen.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bund und Land hat lange Zeit geeignete Gelände in der näheren Umgebung um Calw untersucht, denn dort hat die Bundeswehr ihren Sitz. Die Wahl fiel auf Haiterbach bei Nagold. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen, die wird es erst „mit dem Vorliegen einer bestandskräftigen Genehmigung geben“, so eine Sprecherin des Staatsministeriums. Die Untersuchungen dafür laufen noch. Allerdings ist Haiterbach der einzige Standort, für den ein Genehmigungsverfahren überhaupt eingeleitet wurde. Alternativen stehen nicht zur Diskussion.

Nagold ist für die Sportflieger zu weit

Für den Sportfliegerclub wäre das eine ungünstige Lösung. „Nagold ist für uns zu weit weg“, konstatiert der Vorsitzende der Sportflieger, Jan Trachte. „Eine Möglichkeit wäre natürlich, auf einen bereits existierenden Flugplatz zu gehen“, so Trachte. Zum Beispiel existieren welche in Pattonville bei Kornwestheim, in Vaihingen oder Mühlacker. Mit den Nutzern der genannten Standorte hat der Verein auch schon Kontakt aufgenommen.

Das Problem ist jedoch: Die Flugplätze liegen von Leonberg ein ganzes Stück entfernt. „Und das Modell Bundeswehr-Flugverein auf einem Platz war für uns immer eine sehr gute Lösung, daher wäre das weiterhin unsere Idealvorstellung.“ Der Verein setzt daher seine Hoffnung darauf, dass die Bundeswehr doch einen anderen Standort wählt als Nagold. Im Gespräch waren bei den Untersuchungen auch Weil der Stadt und der Ihinger Hof bei Renningen. Erst wenn die Entscheidung der Bundeswehr endgültig ist, wird auch der Verein Nägel mit Köpfen machen.

Die Sportflieger nutzen den Flugplatz bei Renningen nicht nur zum Fliegen. Dort steigt auch jährlich das beliebte Drachenfest, das vom Sportfliegerclub organisiert wird. Die jüngste Veranstaltung im Oktober lief „bombastisch“, so Trachte. Besucherzahlen ließen sich zwar immer schwer abschätzen, er schätzt sie jedoch auf rund 20 000. Auf dem Fest machten bereits Gerüchte die Runde, es sei angeblich das letzte Drachenfest an diesem Standort gewesen. Dem ist nicht so, bekräftigt der Vorsitzende der Sportflieger. „Der Termin für nächstes Jahr steht sogar schon fest.“ Am zweiten Oktoberwochenende, 10. und 11. Oktober 2020, werden sich über Renningen wieder die Drachen erheben.