Flugsicherheit in Ägypten Außer Kontrolle

Die Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen wie dem von Scharm el Scheich  sind mangelhaft. Foto: dpa
Die Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen wie dem von Scharm el Scheich sind mangelhaft. Foto: dpa

Glas und Flüssigkeiten im Handgepäck, ausbleibende Kontrollen: Nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten berichten Reisende von haarsträubenden Sicherheitslücken. Konnte so eine Bombe an Bord geschmuggelt werden?

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Kairo - Wer in Ägypten mit dem Flugzeug reist, dem kann schon beim Anblick der Sicherheitskontrollen mulmig werden. Reisende erzählen von mangelhaften Maßnahmen an den Airports im Land: Geöffnete Wasserflaschen oder Glasbehälter können ohne Weiteres im Handgepäck an Bord genommen werden. Nicht alle, bei denen der Metalldetektor piept, werden abgetastet. „Jeder der will, kann etwas reinschmuggeln“, sagt ein internationaler Sicherheitsexperte.

Die Geschichten, die nach dem Absturz des in Ägypten gestarteten russischen Ferienfliegers über der Sinai-Halbinsel kursieren, werfen kein gutes Licht auf die Flugsicherheit in dem Land. Hinweise vor allem von westlichen Geheimdiensten, machen eine Bombe an Bord - möglicherweise von der Terrormiliz Islamischer Staat - mehr und mehr wahrscheinlich. Haben die dürftigen Kontrollen am Flughafen des Badeorts Scharm el Scheich die Katastrophe mit 224 Toten begünstigt?

Es ist von Zuständen die Rede, bei denen auf europäischen Flughäfen alle Alarmglocken läuten würden. Eine Urlauberin aus der Schweiz erzählt, bei ihren Flügen von Kairo nach Scharm el Scheich und zurück hätte der Metalldetektor beim Durchgehen beide Male gepiept: „Ich wurde nicht abgetastet“, sagt sie. Ein Journalist berichtet, wie ein Polizist auf dem Kairoer Flughafen seine Dienstwaffe in der Toilette hinter sich auf eine Ablage gepackt habe, um sich zu waschen: „Als ob die wollen, dass sie jemand greift“.

Ohne Kontrolle in die Maschine

Am internationalen Flughafen in Kairo gibt es neben der ziemlich oberflächlichen Kontrolle am Eingang der Terminals eine zweite direkt am Gate. Ein Entwicklungshelfer erzählt, bei seinem Flug nach Uganda hätten viele Passagiere schon am Gate gesessen, bevor die Flughafenmitarbeiter überhaupt anwesend waren. Als diese später die Fluggäste gebeten hätten, den Bereich für die Kontrolle zu verlassen, seien etwa zehn Reisende sitzen geblieben. Sie konnten ohne den Check in die Maschine steigen.

Seitdem sich die Hinweise auf eine Bombe an Bord von Flug KGL 9268 verdichten, veröffentlichen viele Medien Beispiele von haarsträubenden Sicherheitslücken an ägyptischen Flughäfen. Das größte Risiko sieht Stephan Roll, Ägypten-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dabei vor allem beim Personal.

Es sei vergleichsweise einfach, verbotene Gegenstände ins Flugzeug zu bekommen: „Wenn man will, findet man immer jemanden, den man schmieren kann“, sagt Roll - ob nun Arbeiter im Flughafengebäude, auf dem Rollfeld oder in der Gepäckverladung. Dies liege vor allem an der prekären wirtschaftlichen Situation in Ägypten und der schlechten Bezahlung von Angestellten und Sicherheitskräften.

Schlecht ausgebildet

Ähnlich äußert sich ein internationaler Sicherheitsexperte. „Jeder der will, kann etwas reinschmuggeln“. Polizisten in Ägypten, die auch an Flughäfen eingesetzt werden, seien schlecht ausgebildet und ausgerüstet. Oft fehle es zudem an Disziplin. „Grundsätzlich sind es unmotivierte und schlecht geschulte Polizisten und Armeeangehörige, die sensible Objekte bewachen“, erklärt er.

Das nationale Luftfahrtministerium dagegen betont, die Airports im Land genügten internationalen Sicherheitsstandards, die regelmäßig überprüft würden. Zumindest nach dem Absturz scheinen die Behörden die Kontrollen verschärft zu haben: Einige Tage nach der Tragödie mussten Passagiere in Scharm el Scheich Schuhe und Gürtel ausziehen. Durchgelassen wurden sie erst, wenn der Metalldetektor stumm blieb. Ein Mitarbeiter tastete sie zusätzlich ab.




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