Als 2007 der damalige Baubürgermeister Matthias Hahn rund 200 Bürgerinnen und Bürger in der rappelvollen Turnhalle der Altenburgschule zur Auftaktveranstaltung der Sozialen Stadt Hallschlag begrüßte, war von Aufbruchstimmung nichts zu spüren. Im Gegenteil, Unsicherheit und Skepsis herrschten, denn zunächst konnten die wenigsten mit dem Bund-Länder-Förderprogramm etwas anfangen.
Doch das sollte sich in den kommenden Jahren in dem Cannstatter Stadtteil, in dem mehr als 7000 Menschen leben, ändern. Denn aus einem Problemstadtteil, der als „Krawallschlag“ stigmatisiert wurde, entwickelte sich – auch durch die Beteiligung der Bürgerschaft – ein heute lebenswertes Vorzeigequartier. Unter anderem wurden mehr als 22 000 Quadratmeter Grünflächen und fünf Spielplätze neu gestaltet. Zudem sind jede Menge neue Geh- und Radwege entstanden, wurden wichtige Straßen und Plätze beruhigt und umgestaltet und viel öffentlicher Raum hergestellt.
Alles unter Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger, denn die waren an den 2009 entwickelten Freiraumplanungen beteiligt. Daneben wurden auch eine Vielzahl von Projekten initiiert. Unter anderem eine Stadtteilzeitung gegründet, die Bücherecke eingerichtet und der Staffelflitz oder die Tandem-Olympiade ins Leben gerufen. Seit 2007 flossen aus dem Förderprogramm von Bund und Land Zuschüsse in Höhe von insgesamt 24,8 Millionen Euro in den Cannstatter Stadtteil.
Fredi Bobic staunte Bauklötze
Das vielleicht größte Kompliment spendete 2016 Fredi Bobic. Der mehrmalige Fußball-Nationalspieler und Europameister staunte Bauklötze, als er seinem „Hallschlag“, wo er seine Kindheit verbrachte und das Kicken auf einem der vielen Bolzplätze lernte, einen Besuch abstattete. „Früher zog man fort, wenn man seinen Weg machen wollte – für einen sozialen Aufstieg ist das heute nicht mehr nötig.“
Allerdings hatte der Hallschlag das große Glück, dass parallel zur Sozialen Stadt auch wichtige Infrastrukturen realisiert wurden. Allen voran der Stadtbahnanschluss über die U 12 im Jahr 2013 und die Eröffnung des neu gestalteten Travertinparks als attraktives Naherholungsgebiet. Zudem hat sich das Römerkastell zu einem beliebten Veranstaltungszentrum und Mekka für Kreative und Kulturschaffende gemausert.
SWSG baut und saniert
Auch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebau GmbH (SWSG) hat einen großen Anteil am „neuen Gesicht des Hallschlags“. Mehr als 180 Millionen Euro hat die städtische Tochter, die rund 2200 Wohneinheiten auf dem Hallschlag besitzt, investiert. „Bis heute wurden etwa 660 Wohneinheiten modernisiert und rund 500 Wohnungen neu gebaut“, sagt Pressesprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Als letztes Neubauprojekt steht aktuell die Bebauung des Gebiets Düsseldorfer-/Bottroper Straße auf der Agenda. Hier entstehen 330 neue Wohnungen, womit sich die Wohnfläche mehr als verdreifacht.
Zudem zeigt sich die SWSG auch für das Leuchtturmprojekt der Sozialen Stadt verantwortlich. Denn das Unternehmen errichtete für knapp sechs Millionen Euro das Mehrgenerationenhaus, das 2019 fertig wurde. Ein herausragendes Sozialprojekt und ein zentraler Treffpunkt für den Hallschlag, das 2020 von der Architektenkammer Baden-Württemberg als „beispielhaftes Bauen“ mit einem Preis gewürdigt wurde.
Neben der SWSG ist auch noch die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG (GWG) auf dem Hallschlag aktiv. Das Unternehmen hatte 2008 die Daimlersiedlung für rund 50 Millionen Euro erworben. Heute besitzt die GWG auf dem 8,8 Hektar großen Areal insgesamt 820 Wohneinheiten. Auf Grundlage des Rahmenplans Hallschlag sollen weitere, rund 270 Wohneinheiten entstehen und das Umfeld im großen Stil neu gestaltet werden.
Kinder- und Jugendhaus wird saniert und erweitert
Vor zwei Jahren wurde letztmalig eine Verlängerung beantragt und die Soziale Stadt Hallschlag ging definitiv auf ihre Schlussetappe. Doch hier wartete noch einmal ein üppiges Programm auf die Verantwortlichen des Stadtteilmanagements, das von Anfang an in den Händen der Firma Weeber + Partner lag.
Dabei handelt es sich um die Sanierung des Nachbarschaftszentrums. 1,12 Millionen Euro werden in das ehemalige Verwaltungsgebäude der McGee-Kaserne investiert. Zudem begannen die Arbeiten am Kinder- und Jugendhaus im Sigmund-Lindauer-Weg. Das fast 50 Jahre alte Gebäude wird im großen Stil saniert und um ein zweites Geschoss erweitert. Mit insgesamt 16,35 Millionen Euro schlägt das Maßnahmepaket zu Buche. Es soll Mitte 2024 eingeweiht werden.
Städtebaulicher Rahmenplan
Die Weichen für die städtebauliche Zukunft hatte der Gemeinderat bereits 2021 gestellt und den Rahmenplan Hallschlag, der die Entwicklung des Quartiers begleiten soll, wurde auf den Weg gebracht.
„Doch auch all die Aktionen, Initiativen und Bürgerbeteiligungen, die wir seit 2007 angeschoben haben, müssen weiter im Stadtteil verstetigt werden“, formulierte Ulrike Bachir vom Amt für Stadtplanung und Wohnen, die als „Frau der ersten Stunde“ die Soziale Stadt Hallschlag von Anbeginn an auf ihrem Erfolgsweg begleitet hatte, die wohl größte Herausforderung. Denn fest steht: Das soziale und kulturelle Miteinander im Quartier muss künftig ohne das Mitwirken des Stadtteilmanagements funktionieren; wobei die Stadt natürlich weiter „unterstützend“ zur Seite stehen werde.
Am Samstag, 14. Oktober, gibt es zum Abschluss der Sozialen Stadt Hallschlag einen Festakt mit Baubürgermeister Peter Pätzold, SWSG-Geschäftsführer Samir Sidgi und Professor Markus Müller vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen. Beginn ist um 14 Uhr in der Turn- und Versammlungshalle Reiterkaserne. Das Bühnenprogramm startet um 15 Uhr, um 19 Uhr beginnt die Abschiedsparty. In der Halle gibt es zudem eine Ausstellung mit Fotos und Filmen zu 18 Jahre Soziale Stadt. Im Forum 376 am Stadtteilhaus und auf den Freiflächen im Römerkastell gestalten die Einrichtungen und Vereine ein umfangreiches Programm.
Alle Informationen auf www.zukunft-hallschlag.de und www.forum376-hallschlag.de.
Die Soziale Stadt in Stuttgart
Hintergrund
Mit dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ unterstützt der Bund seit 1999 die städtebauliche Aufwertung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in benachteiligten Stadt- und Ortsteilen. Dazu werden bauliche und nicht-bauliche Maßnahmen durchgeführt.
Abgeschlossen
Freiberg/Mönchfeld (Zeitraum: 1999 – 2013; Förderrahmen: 13,7 Millionen Euro), Rot (2003 – 2018; 10,8 Millionen Euro) , Giebel (2007 – 2021; 6,4 Millionen Euro), Fasanenhof (2003 – 2015; 6,9 Millionen Euro).
Aktuell
Neugereut (seit 2009, Förderrahmen bisher 14,9 Millionen Euro), Münster (2018; 5,6 Millionen Euro), Gablenberg (2014; 8,2 Millionen Euro), Dürrlewang (2015; 9,6 Millionen Euro).