Formel 1 Wer hat das richtige Näschen?

Mercedes  testet mit einer Botschaft für Michael Schumacher. Foto: dpa
Mercedes testet mit einer Botschaft für Michael Schumacher. Foto: dpa

Bei der Präsentation der neuen Formel-1-Autos zeigt sich, dass vieles anders ist. Vor allem die Frontnasen haben nichts mehr mit denen aus dem Jahr 2013 gemeinsam.

Sport: Dominik Ignée (doi)
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Stuttgart - Pünktlich um neun Uhr in der Früh hat Lewis Hamilton den Anfang gemacht. Da rollte der Engländer mit seinem nagelneuen Mercedes aus der Garage und gab danach auf der Strecke in Jerez mächtig Gas. In der südspanischen Stadt haben Mercedes und Red Bull und andere Teams ihre Autos für 2014 präsentiert – und nach dem Wegziehen der Decke die guten Stücke dann auch getestet.

Dass es mit den völlig neuen Autos Probleme geben könnte, zeigte sich bereits am ersten Testtag. Schon bald krachte Hamilton mit seinem Mercedes in die Reifenstapel. Dabei wurde der Frontflügel abgerissen und die Radaufhängung beschädigt. Hamilton selbst ist nichts passiert. Die Unfallursache wird untersucht.

Auch für Sebastian Vettel verlief die erste Übungseinheit nach der Präsentation des neuen Red Bull nicht nach Plan. Er konnte zunächst nicht losfahren, weil an seinem Auto etwas nicht stimmte. „Wir haben ein Teil falsch montiert“, sagte der vierfache Weltmeister, wollte die Panne nicht dramatisieren und auch nicht näher beschreiben. „Ein kleiner Fehler, der passieren kann.“ Wegen des komplett neuen Autos würde der Umbau eben noch etwas mehr Zeit beanspruchen als sonst.

Fast nichts ist mehr, wie es einmal war. Durch die eklatanten Neuauflagen im Hinblick auf Sicherheit und Sparsamkeit der Boliden mussten die Ingenieure am Reißbrett völlig neue Autos entwickeln – wohl noch nie standen sie vor solch einer Herausforderung. „2014 erleben wir wahrscheinlich die größten Regeländerungen in der Geschichte der Formel 1“, sagt der Mercedes-Technikchef Paddy Lowe. Im Vordergrund stand dabei die Effizienz. Was in dieser Hinsicht seinem Team und den anderen Rennställen gelungen ist, fasziniert den Mercedes-Mann. „Die Tatsache, dass wir jetzt ein gesamtes Rennen mit 100 statt 150 Kilogramm Sprit bestreiten können, verbreitet ein großartiges Bild über die Technologien, die wir entwickeln können“, sagt Lowe und ist stolz auf die Möglichkeiten der Hightechbranche.

Mehrerer Jahre intensive Arbeit

Nach dem Weggang von Ross Brawn fungiert Paddy Lowe nun gemeinsam mit Toto Wolff als Teamchef. Auch Wolff ist gespannt, wie sich der neue Mercedes AMG F1 W05 schlagen wird in dem Jahr, in dem es die Dominanz von Red Bull zu beenden gilt. „Dieses Auto ist das Ergebnis mehrerer Jahre intensiver Arbeit, aber uns ist klar, dass es erst der Anfang dieses Abenteuers ist“, sagt der Österreicher über den Mercedes, auf dem eine Botschaft an den ehemaligen Silberpfeil-Piloten und Rekordweltmeister Michael Schumacher geklebt hat. Der liegt nach seinem schweren Skiunfall immer noch im Koma. „Keep fighting Michael“, lauteten die Wünsche aus Jerez.

Die signifikantesten Neuerungen sind derweil die Sechszylinder-Turbomotoren, die auf 1,6 Liter Hubraum geschrumpft wurden. Die Aggregate werden von einem neuen, leistungsfähigeren Hybridsystem unterstützt. Das erfordert ein Umdenken. „Es müssen viel mehr Komponenten gekühlt werden – mehr Hybridsysteme sowie der Ladeluftkühler des Turbos. Beides wirkt sich auf die Kompaktheit des Autos und die Aerodynamik aus“, erzählt Lowe.

Die Autos sind schwerer und sollen sicherer sein

Eine weitere Herausforderung ist das Gewicht. Obwohl das Mindestgewicht auf 691 Kilogramm angehoben wurde, ist dies viel schwieriger zu erreichen als 2013. Der Grund dafür sind die zusätzlichen Komponenten rund um den Hybrid-unterstützen Turbomotor sowie die damit verbundenen aufwendigen Kühlsysteme. Überdies hat der Weltverband Fia neue, stärkere Seitenaufprallstrukturen vorgeschrieben.

Es gibt auch eklatante aerodynamische Änderungen. Die Frontflügel wurden schmäler, die Heckflügel vereinfacht, und den unteren Heckflügel gibt es gar nicht mehr. Vor allem sind die Autos aus Sicherheitsgründen mit stark heruntergezogenen Frontnasen unterwegs – und da zeigten sich die Teams variantenreich: Der Ferrari hat vorne ein Loch, den Red Bull ziert eine spitze Nase, während sich Mercedes für eine breite, geschwungene Frontspitze entschieden hat. So sieht die Silberpfeilnase noch am besten aus – doch das half Hamilton beim Auftaktcrash wenig.

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