Forum der Kulturen Vom Außenseiter zum starken Partner

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Der 1998 gegründete Dachverband Forum der Kulturen unterstützt mittlerweile 300 Migrantenvereine in Stuttgart.

Rolf Graser (Mitte) und sein Team kümmern sich um Migrantenvereine. Foto: Steinert
Rolf Graser (Mitte) und sein Team kümmern sich um Migrantenvereine. Foto: Steinert

Stuttgart - Einmal im Jahr geht es auf dem Stuttgarter Marktplatz sehr bunt und international zu: Gerichte aus aller Herren Länder bieten Migrantenkulturvereine an ihren Ständen an. Ebenso facettenreich ist das Musikangebot. Die Band Yemen Blues aus Israel mischt traditionelle jemenitisch-jüdische Musik mit modernem Jazz, die mexikanische Band Los de Abajo spielt südamerikanische Rhythmen vor dem Rathaus. Veranstaltet wird das Sommerfestival der Kulturen, das im vergangenen Jahr 70.000 Besucher zählte, vom Verband Forum der Kulturen.

Integration und Akzeptanz statt Ausgrenzung und Unsicherheit – das ist das Motto des Verbandes. Ihm gehören so unterschiedliche Organisationen wie die Pakistan German Cultural Society, der italienische Verein Arces oder der Bildungsverein Integra Stuttgart an. Beinahe 300 aktive Migrantenorganisationen unterstützt das Forum der Kulturen insgesamt. „Wir helfen den Vereinen bei ihrer täglichen Arbeit“, erklärt der Geschäftsführer Rolf Graser. Wichtig sei vor allem, den Mitgliedern bei der Professionalisierung ihrer Arbeit unter die Arme zu greifen.

Einmal im Monat versendet der Verband eine Rundmail mit Seminaren und Fördermöglichkeiten. Wenn Plätze frei sind, können auch Nichtmitglieder sich anmelden. Angeboten werden neben klassischen Themen wie Vereinsrecht und Fundraising auch Spezialreihen, etwa im Bereich politische Bildung. „Wir versuchen, möglichst Referenten mit Migrationshintergrund einzuladen, dann ist die Hemmschwelle für die Teilnehmer niedriger“, sagt Graser. In der Zeitschrift „Begegnung der Kulturen“ werden zudem regelmäßig Vereine vorgestellt.

Stabile Finanzplanung benötigt

Im Jahr 1998 gründeten rund 20 Migrantenvereine aus einer Eigeninitiative heraus den Dachverband, weil sie unzufrieden mit der damaligen Situation waren. Ihnen fehlte eine starke Lobby und sie vermissten zum Beispiel eine städtische Förderung. Mit dem Dachverband hatten sie nun einen Fürsprecher, der ihre Interessen bündeln und effizient nach außen vertreten sollte. Doch zunächst mussten einige Hürden genommen werden, zumal die finanzielle Grundlage fehlte. „In den ersten zwei Jahren hat das Forum der Kulturen in meinem Wohnzimmer stattgefunden“, erzählt Graser. Inzwischen hat das Forum rund 100 zahlende Mitgliedsvereine.

Es entwickelte sich zu einem wichtigen Partner im Kulturleben in der Region. Zu einer wirklich gleichberechtigten Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben sei es immer noch ein weiter Weg, resümiert Graser. Langfristiges Ziel der Migrantenvereine: „Wir wollen ein Miteinander auf Augenhöhe.“

Dafür braucht der Dachverband eine stabile Finanzplanung: „25 bis 30 Prozent unseres Budgets sind durch die Stadt gesichert“, berichtet Graser. Hinzu kommen Projektgelder, etwa von der EU oder der Robert-Bosch-Stiftung. Im vergangenen Jahr startete der Verband ein spezielles Projekt: Unter dem Motto „Auf die Plätze, Projektantrag und los“ konnten sich die Vereine um Fördergelder des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bewerben. Um professionell arbeiten zu können, brauchen die Vereine auch hauptamtliche Mitarbeiter.

Bundesweite Beachtung

„Wir wollen eine strukturelle Förderung erzielen, damit Vereine zum Beispiel eine 400-Euro-Kraft einstellen können“, sagt Graser. Auch im Dachverband funktioniert das Ehrenamt nicht mehr ohne Hauptamt: Zehn Mitarbeiterinnen unterstützen den Geschäftsführer Rolf Graser fast rund um die Uhr. „Einen Acht-Stunden-Tag haben wir selten“, gibt der Chef zu. Die interkulturellen Veranstaltungen müssen organisiert werden: das Theaterfestival im Herbst, der Brunch global im Bürgerzentrum West und natürlich das Sommerfestival der Kulturen.

Was 1998 klein begann, findet inzwischen bundesweit Beachtung. Rolf Graser und sein Team sind als Experten gefragt: „Wir gelten als vorbildlich und werden deshalb oft eingeladen, um von unseren Erfahrungen zu berichten.“

Forum der Kulturen

Anschrift Marktplatz 4, 70173 Stuttgart

Telefon 0711/248 48 08-16

Mail info@forum-der-kulturen.de

Homepage www.forum-der-kulturen.de

Vorsitzender Sami Aras (1. Vorstand), Rolf Graser (Geschäftsführer)

Gründungsjahr 1998

Mitgliederzahl 100

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