Fragen Sie Dr. Ludwig Warum schauen Hühner manchmal so gefährlich?

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Dinosaurier werden zu Unrecht als Symbol der Rückständigkeit diskriminiert. Dabei waren sie im Vergleich zum Menschen regelrechte Ökos.

Auch im Haushuhn steckt noch ein bisschen Dino. Foto: dpa
Auch im Haushuhn steckt noch ein bisschen Dino. Foto: dpa

Stuttgart - Seit 1993 verleiht der Naturschutzbund Deutschland den Negativpreis Dinosaurier des Jahres. Im vergangenen Jahr erhielt der Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, Rolf Martin Schmitz, die zweifelhafte Auszeichnung. 2017 hatte es Joachim Rukwied getroffen, den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes. Die Bezeichnung Dinosaurier soll ausdrücken, dass die Ansichten und das Handeln der Preisträger nicht mehr in die Zeit passen: RWE betreibt weiterhin klimaschädliche Kohlekraftwerke, und der Bauernverband verteidigt tapfer die Intensivlandwirtschaft, die massiv zum Artensterben beiträgt, wie dieser Tage wieder zu hören war.

Perfekt angepasst

Auf den ersten Blick ist das mit dem Dino-Preis ja eine nette Idee. Schließlich sind die Riesenechsen vor 65 Millionen Jahren ausgestorben, weil sie sich nicht schnell genug an die massiven Veränderungen angepasst haben, die durch einen Meteoriteneinschlag ausgelöst wurden. Bei genauerer Betrachtung ist die Trophäe aber doch eine ziemliche Diskriminierung für die Dinos, die im Gegensatz zum modernen Menschen halbwegs im Einklang mit der Natur lebten. Und nach allem, was man weiß, waren die Dinosaurier auch alles andere als rückständig – im Gegenteil. Sie waren so perfekt an ihre Lebensräume angepasst, dass sie immerhin rund 170 Millionen Jahre die Ökosysteme an Land dominierten. Der Homo sapiens ist dagegen noch keine halbe Million Jahre auf diesem Planeten präsent – und hat doch schon gewaltigen Schaden angerichtet. Die Auswirkungen unser Spezies auf die Natur sind so gravierend, dass längst unser eigenes Überleben auf dem Spiel steht. Dass der Mensch auf der Erde so viele Jahrmillionen durchhalten wird wie die Dinosaurier, ist vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich.

Dabei besitzt der Homo sapiens ein deutlich leistungsfähigeres Gehirn als etwa ein Tyrannosaurus rex, obwohl der für seine Zeit schon eine richtige Intelligenzbestie gewesen sein soll. Doch erst der Mensch ist intellektuell in der Lage, die Konsequenzen seines Handelns zu überblicken – zumindest theoretisch. Dass es die meisten von uns in der Praxis oft doch nicht tun, hängt damit zusammen, dass ein Großteil unserer geistigen Kapazitäten mit anderen Dingen beschäftigt ist. Schließlich haben wir eine Menge zu tun, sind wir doch die erste Generation, die es schafft, gleichzeitig auf Kosten der Vergangenheit und der Zukunft zu leben. Wir verheizen in wenigen Jahren fossile Brennstoffe, die in etlichen Millionen Jahren entstanden sind. Und wir belasten die Welt mit radioaktivem Abfall und Treibhausgasen, mit denen sich noch unsere Urururururururenkel herumschlagen werden. Gleichzeitig verschulden sich Staaten und Bürger bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, so dass wir den nächsten Generationen auch in finanzieller Hinsicht jede Menge Miese hinterlassen. Im Vergleich dazu waren die Dinos richtige Öko-Musterknaben – selbst wenn ihre Megarülpser womöglich auch dem Klima geschadet haben. Aber sie wussten es im Gegensatz zu uns nicht besser.

Flackern in den Augen

Wie dem auch sei – Millionen Dino-begeisterter Jungs finden es jammerschade, dass sie im Zoo keinen lebendigen T. rex bewundern können. Wenigstens weilt in Form des Haushuhns noch ein vergleichsweise naher Verwandter des Furcht einflößenden Raubsauriers unter uns. Das haben Wissenschaftler schon vor einigen Jahren durch die Analyse von Eiweißfragmenten aus Knochen beider Spezies herausgefunden. Wenn Sie das nächste Mal ein Huhn zu Gesicht bekommen, sollten Sie also ganz genau hinschauen. Sehen Sie dieses gefährliche, raubtierhafte Flackern in den Augen? Als wollte sich das Tier sofort auf einen stürzen. Stattdessen geht es zurück in den Stall und legt brav ein Ei. Wie man sich täuschen kann.