Die eine schlingert in schwarzer Latzhose über die Bühne und verzweifelt als alleinerziehende Mutter, die andere steht sehr tough im Anzug über allem und psychologisiert. Tatsächlich sind sie ein und dieselbe, beide gespielt von Angela Neis. Einen Mann im Haus gibt es auch. Es heißt „Ziggy“, hockt in Form eines W-LAN-Lautsprechers auf dem Beistelltischchen, verfolgt die Frauen mit gut gemeinten Konsumvorschlägen und beginnt im Laufe des Abends, ganz dreist mit ihnen zu flirten.
Alles, bloß keine Beziehung
2017 veröffentlichte der Kabarettist Florian Schroeder sein Buch „Frauen – fast eine Liebeserklärung“. Darin entfaltet er – aus männlicher Sicht, mit mehr als nur einem Augenzwinkern – ein Bild der Frau, die es jedem recht machen soll, der das auch gelingt, obschon sie niemals Anerkennung dafür erhält. Die Stuttgarter Schauspielerin Angela Neis bringt Schroeders Buch unter der Regie von Günter Maurer auf die von Catrin Brendel gestaltete Bühne. Neis hat aus dem Werk zwei Frauentypen destilliert, sehr gegensätzlich an der Oberfläche und doch zu Hause in derselben Wohnung. Julia, die in der Latzhose, wohnt nach 20 Jahren und einer gescheiterten Ehe wieder in Wohngemeinschaft mit ihrer Freundin Lu. Der einzige Mann in Lus Leben darf Daniel sein, ein Ex-Manager, der nach seinem Burn-out zum Yogalehrer wurde, ein „Friend with Benefits“, mehr nicht, denn: Alles, bloß keine Beziehung!
Autor Florian Schroeder spricht die KI Ziggy
Der Autor Florian Schroeder wirkt selbst mit an dieser Aufführung, verleiht dem künstlich intelligenten Frauenflüsterer Ziggy die charmante Stimme: „Mit Ziggy prime unlimited kannst du unbegrenzt Musik hören – oder du schreibst eine Dankbarkeitsliste. Wofür bist du heute dankbar?“
Wo bleiben die Alpha-Softies?
Zuletzt erfährt das Publikum, dass Lu nun glücklich mit dem Yogalehrer ist und Julia dem reuigen Ex-Mann die kalte Schulter weisen konnte. Bis dahin porträtiert Angela Neis lebhaft, schön und aufgeregt ihre Protagonistinnen, lässt sie plaudern, schimpfen, nachdenken, übers Frausein, über Männer, fragt sich, wo die Alpha-Softies bleiben – und Ziggy hält natürlich keinen Augenblick die Klappe.
Manchmal schaltet sich auch das Fernsehen von selber ein, berichtet von missglückten Tinder-Dates und informiert darüber, dass ins Renitenztheater seit seinem Intendantenwechsel nur noch sehr kluge und schöne Menschen eingelassen werden – und eine Müsli-Stimme donnert einen Werbeslogan: „Soschial Friezing in Schduddgart – die Gebärschoas für junge Paare!“