Bernhausen - Im Filder-Airport-Areal, dem neuen Industriegebiet Filderstadts am Flughafen, befindet sich die Niederlassung von Metzger Autoteile. Ein vollautomatisches Lager ist 2018 hier gebaut worden, von dessen 4000 Quadratmeter Autoteile in alle Welt geliefert werden. Wer hier einen Mann erwartet, der alle Fäden in der Hand hält, der täuscht sich: Die Geschäftsführerinnen sind Marion Metzger und Isabel Brockmann-Metzger, die Töchter des Firmengründers Werner Metzger.
Es war ursprünglich nicht der Plan, ins Familienunternehmen einzusteigen
Doch beide hatten ursprünglich gar nicht geplant, ins Familienunternehmen einzusteigen: „Ich habe eine Banklehre gemacht, dann ein Jurastudium“, erzählt Marion Metzger. „Danach wusste ich, dass ich in Richtung Betriebswirtschaft gehen will.“ Und so kam es, dass sie bei Metzger Autoteile anfing, im Jahr 1990: „Damals waren wir zu fünft, heute sind wir 150.“
Isabel Brockmann-Metzger hat BWL studiert, „aber natürlich wollte ich eigentlich woanders hin, nach Hamburg oder München“. Praktika bei großen Firmen hätten ihr aber schnell gezeigt, „dass ich kein Konzernmensch bin“. Und so kam auch sie 1995 in den Familienbetrieb.
„Ja, es ist eine hundertprozentige Männerbranche“, sagen die beiden Schwestern übereinstimmend. Isabel Brockmann-Metzger, die für den Vertrieb und das Marketing zuständig ist, sagt: „Ich habe es allerdings im ersten Schritt als Vorteil empfunden, eine Frau zu sein – ich habe leichter Termine bekommen. Aber in den Verhandlungen muss man trotzdem gut sein, wissen, wie weit man gehen kann – egal welches Geschlecht man hat.“ Marion Metzger ergänzt: „Ich glaube, wir sind strenger getestet worden anfangs. Haben die es wirklich drauf? Aber wenn man diesen Test bestanden hat, dann läuft es.“ Beide sagen: „Wir hatten natürlich den Vorteil, dass wir uns nicht in dieser Männerbranche nach oben kämpfen mussten, sondern in einen Familienbetrieb einsteigen konnten.“
Wenn es brennt, packen die Geschäftsführerinnen mit an
Trotzdem mussten sie sich den Respekt der Mitarbeiter zunächst erarbeiten: „Aber wir sind resolut vom Typ her“, sagt Marion Metzger, und ihre Schwester ergänzt: „Wir waren nie die Letzten, die morgens gekommen sind, oder die Ersten, die abends gegangen sind.“ Marion Metzger betont: „Wir sind ein Familienunternehmen: Wenn’s brennt, packen wir auch mit an. Wir haben keine abgeschlossenen Türen, zu uns kann jeder kommen, wir haben immer fünf Minuten Zeit für ein Gespräch.“
Diese Kultur habe ihnen der Vater vermittelt, und es ist ihnen anzumerken, wie viel ihnen das bedeutet. Es sei ein reibungsloser Übergang vom Vater auf die Töchter gewesen, ohne Konkurrenzdenken, sagen beide. Auch heute noch schaut der Vater in der Firma vorbei, auch wenn er offiziell die Firma längst übergeben hat. Drei Schwestern sind es insgesamt im Hause Metzger, die dritte ist Hausärztin in Filderstadt: „Und wir hätten alle Christian heißen sollen“, erzählt Marion Metzger und lacht.
Außerhalb des Lagers habe Autoteile Metzger einen Frauenanteil von 50 Prozent. „Wir haben auch einen hohen Anteil von Müttern, die hier arbeiten“, sagt Marion Metzger, deren Domäne der Einkauf und das Personalwesen ist. „Sie sind super organisiert – wir machen durchweg gute Erfahrungen mit ihnen.“
Die Schwestern möchten anderen Frauen Mut machen
„Ich glaube, es war noch nie so einfach, als Frau Karriere zu machen, wie jetzt“, sagt Isabel Brockmann-Metzger. Sicher, man müsse für eine verlässliche Kinderbetreuung sorgen, „aber dann einfach seinen Weg gehen“. Die beiden Schwestern möchten anderen Frauen Mut machen, ihre Karriere zu verfolgen, wenn sie das möchten. „Man muss klar kommunizieren“, sagt Marion Metzger, „welche Wünsche und Vorstellungen habe ich?“ Frauen verkaufen sich oft unter Wert, das ist die Erfahrung der beiden. „Ich kann mich an kein Gespräch erinnern, bei dem eine Mitarbeiterin von sich aus auf uns zukam und eine Gehaltserhöhung wollte“, sagt Marion Metzger, „das machen immer nur die Männer“. In Einstellungsgesprächen antworteten Frauen oft ausweichend auf die Frage nach der Gehaltsvorstellung, „sie haben oft keine, Männer dagegen nennen immer eine Zahl“. „Dabei ist das wichtig“, ergänzt Marion Metzger. „Die Ehe ist längst kein Versorgungsinstitut mehr.“ Auch darum unterstützen die Schwester es stets, wenn Mitarbeiterinnen sich fortbilden wollen. „Mutig sein und ins kalte Wasser springen“, sagt Isabel Brockmann-Metzger, „das würden wir raten“.