Frauenprojekt in Indien Nur mit Pfefferspray aus dem Haus

Von Eva Funke 

Seit einem guten halben Jahr arbeitet Hannah Lange im indischen Setrawa bei einem Projekt von Sambhali Trust für Mädchen und Frauen mit Govind Singh Rathore, der Gründer der Organisation hat das Projekt jetzt an Hannahs ehemaliger Schule vorgestellt.

Govind Singh Rathore Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Govind Singh Rathore Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Englischunterricht einmal anders: Rund 80 Schülerinnen und Schüler der Klassen elf, neun und acht des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums drängen sich im Vortragsraum. Govind Singh Rathore will mit seinem auf Englisch gehaltenen Vortrag den Zuhörern Mut machen, wie Hannah an seinem Projekt für Mädchen und Frauen mitzuarbeiten. Die 19-Jährige hat sich nach dem Abitur am Ebelu vergangenes Jahr entschlossen, ein Jahr in Setrawa zu leben. In dem Wüstendorf im Bundesstaat Rajasthan gibt sie unter anderem Englischunterricht.

„Dürfen nur Mädchen und Frauen bei dem Projekt mitarbeiten?“, will ein Schüler wissen. „Im Gegenteil“, stellt Govind Singh Rathore fest. Es sei wichtig für die Inderinnen zu erfahren, dass Männer auch respektvoll gegenüber Frauen sein können. Das ist in dem patriarchalisch geprägten Rajasthan nicht selbstverständlich.

Mädchen trainieren sich selbst zu behaupten

Damit die Mädchen und Frauen imstande sind, diesen respektvollen Umgang selbst einzufordern, hat Govind Singh Rathore vor neun Jahren die gemeinnützige Organisation Sambhali Trust gegründet. Deren Ziel ist es, Frauen und Mädchen in Rajasthan Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu vermitteln. „Das funktioniert über Bildung und Ausbildung.“ Außerdem müssten die Mädchen auch lernen, Nein zu sagen, sagt der Projektgründer. Nein zu sagen zum Beispiel bei „bad touches“, sexuellen Berührungen, werde in dem Projekt bereits mit vierjährigen Mädchen trainiert. Die älteren erhalten Unterricht in Englisch, Hindi und Rechnen, in Selbstverteidigung und im Handarbeiten. Damit sie sich ein eigenes Einkommen sichern können, hilft ihnen Sambhali Trust dabei, Kleinstkredite aufzunehmen, um ein kleines Geschäft aufzumachen oder sich eine Nähmaschine anzuschaffen, mit der sie gegen Lohn Näharbeiten übernehmen können. Und wenn die Mädchen und Frauen nach ihrer Ausbildung bei Sambhali Trust sagen können: „Ich bin ein starkes Mädchen, bin eine starke Frau“, sei viel erreicht.

Männer nicht vom Projekt begeistert

Die Idee für das Projekt geht auf Govind Singh Rathores eigene Erfahrungen zurück: Seine Mutter war dem Vater ausgeliefert. Um zu verhindern, dass er ihr gegenüber ­ gewalttätig wird, hat er sich als Junge neben ihr Bett gelegt. „Ich weiß, wovon die Frauen sprechen, die zu uns kommen“, stellt er fest.

Ob die Männer in Rajasthan der Organisation und ihren Mitarbeitern nicht den Kampf angesagt haben, will ein Schüler wissen. Govind Singh Rathore nickt: „Stimmt. Die Väter, Ehemänner und Brüder mögen uns nicht.“ Um mögliche Angreifer abzuwehren, hat er immer Pfefferspray in der Tasche, aufgewachsen ist Govind Singh Rathore in dem Dorf, in dem Hannah derzeit lebt. Er könnte dort nicht mehr sein, sagt er voller Respekt, dass sich Hannah auf dieses Abenteuer eingelassen hat.

Weitere Infos unter: www.sambhali-trust.org

 

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