Ladeinfrastruktur für E-Autos „Brauchen weitere Angebote für Fahrer ohne eigene Wallbox“
Verhindert ein schlechtes Ladenetz den Erfolg der Elektromobilität? Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut ISI sieht in einem Bereich deutlichen Aufholbedarf.
Verhindert ein schlechtes Ladenetz den Erfolg der Elektromobilität? Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut ISI sieht in einem Bereich deutlichen Aufholbedarf.
Patrick Plötz ist Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI).
Herr Plötz, die Bundesnetzagentur listet fast alle öffentlichen Ladepunkte auf. Wie vollständig ist das Bild von der Ladesituation in Deutschland, das daraus entsteht?
Für öffentliche Ladepunkte ist die Bundesnetzagentur eine sehr gute und vermutlich fast vollständige Quelle. Es fehlen nur die privaten Heimladepunkte sowie einzelne eher ältere Ladepunkte.
Worauf kommt es beim Aufbau der Infrastruktur besonders an? Welches sind die neuralgischen Punkte?
Für Batterie-Pkw gibt es zwei wichtige Ladearten. Erstens Schnellladen für Fernreisen. Hierfür existiert bereits ein sehr enges öffentliches Schnellladenetz, vor allem an Autobahnen, das die nächsten Jahre weiter verdichtet wird. Zweitens, Lademöglichkeiten für das regelmäßige Laden im Alltag. Für Nutzer mit eigener Garage oder Carport ist das in der Regel eine Wallbox und relativ leicht installierbar. Für Nutzer ohne Garage oder Carport kommt vor allem das Laden bei der Arbeit und während des Einkaufens infrage. Gerade für die zweite Nutzergruppe brauchen wir noch weitere Angebote.
Ist privates Laden außerhalb der Großstädte leichter?
Ja, in Vororten und Städten mit weniger als 100 000 Einwohnern sind Garagen und private Stellplätze weit verbreitet. Allerdings parkt selbst in Großstädten in der Regel fast die Hälfte der Pkw nachts in einer Garage oder auf einem privaten Stellplatz.
Was halten Sie von der Forderung, Deutschland bräuchte bis 2030 eine Million öffentlicher Ladepunkte?
Die eine Million ist ein sehr griffiges und eingängiges politisches Ziel und drückt den politischen Ehrgeiz gut aus. Ob es aber 2030 bereits eine Million werden oder weniger, ist nicht entscheidend, denn viele langsame Ladepunkte lassen sich auch durch einige Schnellladepunkte ersetzen.
Stimmt die These des Autoverbands VDA, in Deutschland liege der Ausbau der Ladesäulen weit hinter dem Bedarf?
Nein, Deutschland verfügt bereits über eine gute und breite Ladeinfrastruktur. Sie muss nur noch in manchen ländlichen Regionen verdichtet werden und sollte in Zukunft dem Bestandshochlauf der E-Pkw weiter leicht vorangehen.